Nun ist also auch Winokurow des Dopings überführt worden. Wie 2006 bei Tyler Hamilton ist ihm Blutdoping nachgewiesen worden. Astana zieht sich aus der Tour zurück. Der Zweitplazierte Rasmussen hat mehrere Verwarnungen erhalten, weil er unentschuldigt für Dopingkontrollen nicht auffindbar war, also seine Trainingsorte nicht pflichtgemäß bekannt gab. Der Drittplazierte Contador schien für die Idealisten und Naiven der mögliche Wunschsieger zu sein. Nur ist der Name leider auf den Listen des Herrn Fuentes aufgetaucht, und dort erst wieder verschwunden, als Contador eine Kronzeugenregelung mit den spanischen Behörden einging. Das will in jedem Fall die Süddeutsche wissen.
In einem Sport, in dem ganz offensichtlich vor der Jahrtausendwende systematisch gedopt wurde, der weiterhin von Repräsentanten gepflegt wird, als Organisatoren, Manager und Team-Führer, der vom Fernsehen so aufgewertet wurde mit immer hautnäheren Übertragungen, in dem also so viel Geld zu machen ist, kann Doping nicht ausgemerzt werden. Die Seuche sitzt in den Knochen. Die einzige gültige Prämisse ist die Leistung. Und so lange dies so ist, so lange Fußballer heute zum Teil sechzig Pflichtspiele im Jahr absolvieren statt knapp vierzig, wenn Tennisspieler neben vier Grandslam-Turnieren dreizehn Veranstaltungen der höchsten Kategorie zwingend absolvieren und dafür mehr denn je um die ganze Welt jetten sollen, dann wird dem Körper nicht alles abverlangt, sondern mehr als das.
Die Karriere ist kurz. Das Leben danach ungewiss.
Also Augen zu und durch. Genau so wie in manchem Bürojob auch ist nur eines wahr: Aufgeben gilt nicht. Wir müssen erkennen, dass die Auswüchse des Sports eine logische Folge unserer Gesellschaft sind. Das heißt nicht, dass wir nicht korrigieren sollen oder im Sport wegsehen, bis sich die Gesellschaft verändert. Aber es bedeutet, dass der Staat und die allgemeine zivile und strafrechtliche Rechtsordnung zum Zuge kommen muss. Als beim Festina-Skandal 1998 die Herren Zülle und Konsorten für eine Nacht schwedische Gardinen sahen, reichte das schon aus, dass sie ehrlich wurden: Nur der Durchgriff und die strafrechtliche Konsequenz des Konsums, vor allem aber des Handelns mit Dopingmitteln kann das Problem entschärfen – und das auch nur dann, wenn in jedem Staat die Dopingbekämpfung höher gewichtet wird als nationale Erfolgsmeldungen in olympischen Sportarten.
2008 ist Peking Austragungsort der olympischen Spiele. Ich weiß nicht, wie viele chinesische Sportler dort auftauchen werden, die noch niemand kennt und damit auch kein Dopingkontrolleur… Tibeter werden kaum an der Olympiade teilnehmen. Die haben in China andere Probleme… Das interessiert aber nur mäßig. Mit Menschenrechten lässt sich kein Geld verdienen. Sie sind nur lästig, so lange man sie irgendwie vom Tisch wischen kann, wie eine lästige Fliege.
Das Thema Menschenrechte ist – v.a. im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Peking – zwar ein brisantes und wichtiges Thema, korreliert allerdings in meinen Augen nicht mit der Dopingthematik. Aber, abgesehen davon: ein 100% zutreffender Artikel. Denn es ist genau richtig beschrieben: die Anforderungen, die an heutige Spitzenathleten (voller Terminkalender, Pflichtspiele etc.) gestellt werden, sind immens hoch. Gleichzeitig ergötzt sich die (Fernseh-)Gesellschaft an den beinahe übermenschlichen Leistungen.
Und vor allem weist der Artikel auf einen richtigen Punkt hin: die Sportverbände sind solange unglaubwürdig, wie sie auf eine eigene Sportgerichtsbarkeit beharren. Denn sowohl die Gesetzgebung zum Medikamtenmißbrauch, als auch der Straftatbestand des Betrugs/Täuschung oder auch derjenige der versuchten Körperverletzung (wenn es um die Handlungen der Ärzte geht) sollte dahingehend verschärft werden, als daß hier die Staatsanwaltschaften bei hinreichendem Anfangsverdacht ermitteln und nicht abgeblockt werden.
Mal sehen, wie lange sich die Sportfunktionäre hier noch verstecken können. (Und das neue Antidopinggesetz ist zahnlos! Lediglich der Besitz “nicht geringer Mengen” von Dopingsubstanzen ist strafbar. Was für ein scheinheiliger Gummiparagraph!)