Trotz hoher Arbeitslosigkeit sprechen viele Unternehmen über weiter steigenden Fachkräftemangel. Vielen gering qualifizierten Arbeitnehmern droht weiter Arbeitsplatzverlust, da Unternehmen unter 250 Beschäftigten und kleineren Firmen die Weiterbildung ihrer langjährigen, älteren Arbeitnehmer zu Kostenintensiv ist.
Stellenzuwächse bei den Akademikern
In einem Artikel der „Bundeszentrale für politische Bildung“ heißt es unter anderem:
„Bei den beiden Gruppen – jenen mit einer abgeschlossenen Lehre oder einem Fachschulabschluss und jenen ohne Berufsabschluss – verliefen die Entwicklungen ungünstiger. Während die mittlere Ebene noch unterdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen war, verschlechterten sich die Arbeitsmarktchancen der gering Qualifizierten zunehmend. Im Jahr 2002 waren in Westdeutschland jede fünfte und im Osten sogar jede zweite Erwerbsperson ohne Berufsabschluss arbeitslos. Die Schere des Arbeitslosigkeitsrisikos klafft zwischen den unteren und oberen Qualifikationsebenen immer stärker auseinander – besonders ausgeprägt in den ostdeutschen Bundesländern.
Hinter diesen Veränderungen stehen auf der einen Seite deutliche Stellenverluste für gering Qualifizierte, leichte Zugewinne für beruflich Qualifizierte, vor allem aber massive Stellenzuwächse bei den Akademikern“.
WeGebAU soll Abhilfe schaffen
Um drohende Arbeitsplatzverluste abzuwenden hat die Bundesagentur 2006 ein Sonderprogramm auf den Weg gebracht. WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Älterer in Unternehmen) heißt die finanzielle Unterstützung. Dieses Sonderprogramm WeGebAU zielt darauf ab, gering qualifizierte Arbeitnehmer weiterzubilden, um deren Verbleib in Arbeit zu sichern. Dieses Angebot richtet sich an Arbeitgeber kleiner und mittlerer Unternehmen mit bis zu max. 250 Mitarbeitern. Neben der Zielgruppe der Arbeitslosen stehen Beschäftigte, d.h. Ungelernte und ab 50 Jährige in Unternehmen mit nicht mehr als 100 Arbeitnehmern, im Fokus des Programms. Die Förderung soll eine Anschubfinanzierung für die Weiterbildung insbesondere in kleineren und mittleren Unternehmen darstellen. Grundsätzlich ist die Weiterbildung der in Beschäftigung stehenden Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Aufgabe der Unternehmen und Beschäftigten selbst. Nach wie vor werden die Chancen und Risiken am Arbeitsmarkt aber entscheidend von der Qualifikation bestimmt. Ältere Arbeitnehmer tragen das mit Abstand größte Arbeitsmarktrisiko, ihre Beteiligung an Weiterbildung ist trotzdem zu gering.
Gespräch mit dem operativen Geschäftsführer der Bundesagentur
Herr Dr. Götz von Einem ist seit 01.07.2004 Geschäftsführer der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. Die Autorin sprach in einem Interview mit Dr. von Einem über den „Ersten deutschen Weiterbildungstag“, WeGebAU, Fachkräftemangel und Job- Rotation. Dr. von Einem meint unter anderem: „50 plus heißt nicht altes Eisen sondern heißt die neue Zukunft“.
Hier das Gespräch zum Anhören:
[audio:http://clever-radio.podspot.de/files/Interv-Dr-v-Einem-AR.mp3]
Kleine Korrektur:
Das Foto wurde mir von der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung gestellt.
A.Runge