17 Jahre hat es gedauert, bis dieses Juwel der Hauptsendezeit auf die große Leinwand gebracht wurde. Das ist mal ein Beispiel für in Hollywood bislang ungesehene Geduld! Angesichts der ungeheuren Erwartungen einer Fangemeinde, die jeden Atemzug der Serie verinnerlicht hat, hält der “Simpsons-Film” in die Kinos Einzug mit der Größe, die einer Ikone gebührt.
Als Homer den entscheidenden Fehler begeht und ein Silo voller Schweinekot in Springfields Stadtteich kippt, wird die Gemeinde sofort als Katastrophengebiet unter Quarantäne gestellt, und Präsident Schwarzenegger befiehlt, die Stadt unter einer Glaskuppel zu verschließen. Plötzlich zum Gegenstand allgemeinen Hasses geworden, kann Homer gerade noch dem Zorn seiner Nachbarn entgehen. Er flieht nach Alaska, um einen klaren Kopf zu bekommen, eine Lösung für das Problem zu finden und noch mal von vorne zu beginnen. Marge, Bart und Lisa fangen allerdings an, an Homer zu zweifeln, was letztendlich dazu führt, dass Bart sich einen neuen Vater sucht – und ihn in Ned Flanders findet, der ihn mit offenen Armen empfängt.
Als “South Park” und “Beavis and Butt-Head” den Sprung vom Fernsehen ins Kino wagten, entschlossen sich die Produzenten kluger Weise dazu, den Filmen eine möglichst phantastische Wendung zu geben, sei es in Form eines Road-Movies durch Amerika oder eines jauchzenden Musicals. Der “Simpsons” – Kinofilm dagegen greift diese Möglichkeiten nicht auf, weil … nun, weil sie alle in den letzten zwei Jahrzehnten schon einmal aufgegriffen wurden. Es gibt in dieser Hinsicht wenig Material zum herumspielen, weshalb die Produzenten beschlossen, bei den bekannten Zutaten zu bleiben und Fans und Nicht-Fans gleichermaßen zu bedienen.
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Eine leise Enttäuschung schleicht sich ein: Wieso erreicht der Film nicht die Spitze der Komödien? Vielleicht sind die Erwartungen einfach zu hoch: Erst in seinen feinen Details ist der “Simpsons” – Film durchweg unterhaltsam, oft zum Schreien komisch, ein Genuss für Fans, der erfreut, eben weil er an der Formel festhält, die die Serie zu einem unsterblichen Klassiker machte.
Der Plot an sich ist anspruchslos, eben gradliniger Homer-Blödsinn, aber die Drehbuchautoren haben genug gefunden, um uns 85 Minuten lang zu unterhalten. Ein Großteil der Lacher stammt aus der Produktion selbst; die “Simpsons” verweisen immer wieder auf die Filmkultur und die neue Freiheiten des Films “ab 13 Jahren”. In anderen Worten: Wollten Sie jemals Marge leise fluchen hören, Otto bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung beobachten oder Bart auf Großleinwand nackt sehen: Hier haben Sie’s.
Der Rest des Films fügt sich ein als eine längere Version der Serie, mit einigen Gaststars (darunter Green Day und Albert Brooks, unübertroffen als böser Environmental Protection Agency-Oberherr), Sackladungen voll mit Insider-Gags (ist Ralph jetzt offiziell schwul?), und einen gewohnt scharfen satirischen Blick auf Politik und Religion. Man könnte mit einem gelangweilten “kenne ich schon” reagieren – das Gegenargument ist die schöne Vertrautheit. “Der Film” fordert die “Simpsons” nicht heraus, sondern umarmt, was Serie in 17 Jahre lang erreichte. Für mich heißt das: Eine irre Menge an Komödien-Sprengstoff der unterhält. “Die Simpsons” ist reine gelbe Magie.
Dieser Artikel erschien zuerst auf OhmyNews. Veröffentlichung und Übersetzung durch Readers Edition mit Genehmigung von OhmyNews.
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