Ausgehend von den USA hat sich in dieser Woche ein Abwärtstrend auf den Weltfinanzmärkten bemerkbar gemacht. Die Aktienkurse auf allen Aktienmärkten haben deutliche Kursverluste hinnehmen müssen. Ist dies erneut nur eine vorübergehende Korrektur oder werden jetzt fundamentale Anpassungsprozesse wirksam, die eine Eintrübung der weltweiten Konjunktur zur Folge haben?
Die Optimisten haben es immer schwerer
Waren im Februar und März dieses Jahres bereits erste Warnsignale hinsichtlich bestehender Finanzmarktkrisen erkennbar, so konnten in den darauffolgenden Monaten die Optimisten die Kursentwicklungen der Aktienmärkte weltweit weiterhin auf neue Höchststände treiben. Allerdings wurde die Luft dort immer dünner, da die Finanzierung insbesondere auch von Private-Equity-Unternehmen im Rahmen von Übernahmen oder Leverage-Buy-Outs von Banken, durch steigende Zinsen der Zentralbanken und mittels einer Liquiditätsschwemme von Privatanlegern, die an den zuvor überdurchschnittlichen Renditen der Private-Equity-Firmen profitieren wollten, forciert.
Kredit-Klemme durch Nachfrageeinbruch bei Kreditderivaten
Bisher ist es den Banken immer noch gelungen die Kreditrisiken, die sie bei der Finanzierung von Private-Equity-Firmen eingegangen waren, an andere Anleger, wie beispielsweise Pensionsfonds, loszuwerden. Diese stehen jedoch den Kreditrisiken zunehmend kritischer gegenüber, welche implizit in den Kreditmarktderivaten eingepreist sind. Bei sinkender Nachfrage nach diesen Papieren müssen die Banken, wenn sie nicht über Abgabepreissenkungen Verluste einfahren wollen, diese selber im Portfolio behalten. Dies reduziert jedoch ihre Liquidität bei der Kreditvergabe. So blieben am vergangenen Mittwoch Banken beim Versuch Chrysler- und Boots-Kreditderivate am Markt zu platzieren auf ihren Papieren sitzen. Damit droht eine Kredit-Klemme.
Die Immobilienkrise der USA fordert immer mehr Opfer
Neben den überhitzten Aktien- und Kreditmärkten insbesondere im Bereich der Kreditderivate zeigt sich immer deutlicher, dass von einer sanften Landung bei den Immobilienmärkten insbesondere in den USA, aber auch in Europa und Asien, keine Rede sein kann. Wie die Probleme um die Subprime-Finanzierer wie Bear-Sterns und die Rating-Korrekturen durch Moodys und anderer Rating-Agenturen zeigen, ist das Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Bewertungen dieser Papiere drastisch eingebrochen. Dies führt aber zu steigenden Hypothekenzinsen insbesondere bei denjenigen Kreditnehmern, die am wenigsten im Stande sind, diese höheren Finanzierungskosten aufgrund ihrer Verschuldungssituation noch zu tragen. Hinzu kommt, dass diesen Kreditnehmern sogar die völlige Kreditverweigerung durch Hypothekenfinanzierer droht, so dass Zwangsversteigerungen zunehmen werden. Der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, schätzte den Vermögensschaden der durch Subprime-Hpypothekenkrise in den USA entstehen konnte auf rund 100 Mrd. US-Dollar.
Zinswende in den USA?
Dies fördert Spekulationen, dass die amerikanische Zentralbank zur Stützung der Finanzmärkte um eine überraschende Korrektur ihrer Zinspolitik nicht herumkommen könnte. Um die Finanzmärkte zu stabilisieren wäre eine Senkung der Federal Fund Rate, des zentralen Geldmarktsatzes in den USA eine adäquate Lösung. Dies ist ein Mittel, um zusätzlich Liquidität bereitzustellen und dem Geschäftsbankensystem günstigere Refinanzierungsbedingungen einzuräumen. So sinnvoll eine solche Zinswende auch derzeit erscheinen mag, so wenig ist sie ein Allheilmittel für eine notwendige Konsolidierung. Zum einen ist durch eine Phase der Überliquidität, die mit dem Platzen der Internet-Bubble zu Beginn des Jahrtausends, ein stärkerer Einbruch auf den Geld- und Kapitalmärkten vermieden worden, aber er hat aufgrund der einmalig niedrigen Kapitalmarktzinsen viele Kreditnehmer dazu verleitet sich höher als langfristig für sie finanzierbar zu verschulden. Stetige Immobilienpreissteigerungen verführten immer größere Teile der Bevölkerung dazu sich in guten Zeiten auf Kreditverbindlichkeiten einzulassen, die sie in schlechten Zeiten nicht mehr tragen können. Hinzu kamen Finanzmarktanlagen, insbesondere im Bereich des Private-Equity, die ohne einer wirksamen Kreditmarktaufsicht zu unterliegen sich in immer riskantere Anlageprojekte verspekulierten. Da nach Lehrmeinung der Orthodoxie der Finanzmarkttheoretiker Spekulationsblasen nicht identifizierbar sind und damit nicht durch frühzeitige finanzmarktpolitische Interventionen der Zentralbank kontrolliert werden sollen, bleibt letzterer nur die Aufgabe nach Platzen einer Spekulationsblase, diese durch niedrigere Zinsen weniger schwerwiegende Folgen für die Gesamtwirtschaft haben zu lassen. Man kann Ben Bernanke bei diesem schwierigen Job nur eine glückliche Hand wünschen.
Photo Quelle/ Copyright: *Checco*, cc creative commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 (via flickr)
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