Dies ist der erste Teil einer zweiteiligen Serie in der ich mit dem erfahrenen Reporter John Scully versuchen werde, die Bedeutung des Begriffs Terrorismus zu diskutieren.
Vor mehr als zwei Jahren, als ich anfing diesen Blog zu schreiben, zitierte ich die “Terrorismus-Definition” von Kofi Annan. Ich glaube, dass er eine Definition geliefert hat, die selbst einer genauen Überprüfung standhält:
“Lasst es uns klar und deutlich sagen, dass jegliche Handlung (von einem nicht-staatlichen Akteur) als terroristisch zu bezeichnen ist, falls diese mit dem Ziel verfolgt wird, Tod oder ernsthafte Verletzungen an Zivilisten oder Nicht-Kämpfenden zu verursachen mit der Absicht, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder eine Regierung oder internationale Organisation so zu beherrschen, dass diese etwas bestimmtes tut oder nicht tut.”
Der Wert dieser Aussage liegt in ihrer Deutlichkeit was Sprache und Konzept betreffen.
Terroristisch ist ohne Zweifel jeder Akt, der darauf ausgerichtet ist Zivilpersonen zu schaden. Falls ihnen ohne Intention Schaden zugefügt werden würde, dann könnte man darüber debattieren, ob dieser Akt gerechtfertigt wäre. Wenn allerdings keine Absicht dahinter steckt, dann war es kein Terrorismus. Der zweite Teil dieser Definition ist zielbestimmend. Das Töten von Sicherheitsbeamten einer Bank zum Beispiel ist nicht terroristisch. Es ist abscheulicher Diebstahl und Mord, aber kein “Terrorismus”. Falls eine Person jedoch Zivilisten tötet, um von einer Regierung Geld zu erzwingen, dann hätten wir es mit “Terrorismus” zu tun.
Den dritten Teil, den ich hinzugefügt habe und der sich mit Annans Erklärung ergänzt, bezieht sich auf die Bezeichnung “von einem nicht-staatlichen Akteur”. Der Grund liegt darin, dass wir zwischen Taten rechtmäßiger Regierungen und Taten einzelner Personen oder unabhängiger Gruppen unterscheiden müssen. Das ist äußerst wichtig, da, falls man den Begriff “Terrorismus” auf alle Taten anwenden würde, bei denen viele Menschen ums Leben kommen, man das Wort verallgemeinert und damit bedeutungslos macht. Es ist eine neue Richtung, dass wir uns vorstellen, dass “Terrorismus” fürchterlich moralische Implikationen habe, aber andererseits keine spezifisch unmoralischen Intentionen voraussetzten. Wenn wir das Wort weiterhin so definieren, dass es alle Formen von Massentötungen einbezieht, dann müssen wir auch akzeptieren, dass demzufolge die moralischen Vorbehalte, eine Person als “Terrorist” zu bezeichnen, abnehmen. Unter solchen Umständen bräuchten wir ein neues Wort, um das zu beschreiben, was Kofi Annan und ich als Terrorismus definieren.
Natürlich müssen wir dafür nicht die Englische Sprache ändern.
Stattdessen sollten wir uns an das traditionelle und bedeutungsvolle Verständnis von “Terrorismus” halten und sicherstellen, dass wir es angemessen gebrauchen. Wie Herr Annan argumentiert, bedingt das, dass wir damit aufhören müssen zu fragen “ob Staaten dafür verantwortlich gemacht werden können”. Stattdessen müssen wir erkennen, dass das strategische Planen mit Zivilisten durch einen Staat ohne den Begriff “Terrorismus” nicht auskommt. Der einzige Grund, in diesem Zusammenhang dieses Wort zu verwenden besteht darin, dass man Menschen glauben machen möchte, dass beide Arten Zivilisten einzubinden gleichgestellt wären. Das mag stimmen, aber lasst uns solche Argumente an den Rand der Diskussion stellen und damit aufhören, mit semantischen Tricks das Thema in die Irre zu leiten.
Die logische Folge dieses Arguments ist, dass wir keine Angst davor zu haben brauchen den Begriff “Terrorismus” zu verwenden, wenn er offensichtlich richtig erscheint. Beispielsweise Palästinenser, die sich inmitten einer Gruppe israelischer Zivilisten in die Luft sprengen – das sind Terroristen. Die Idee, diese als “Friedenskämpfer” zu bezeichnen ist dagegen unsinnig. Wer sagt, dass ein Friedenskämpfer nicht genauso gut ein Terrorist sein kann? Es mag stimmen, dass Selbstmordattentäter ein Endziel haben, mit dem wir sympathisieren können, aber das bedeutet nicht, dass wir ihnen ihre terroristischen Anschläge verzeihen sollten. Tatsache ist: Ein Terrorist ist ein Terrorist ist ein Terrorist, selbst wenn er löbliche Ziele haben sollte.
Es ist wichtig, diese Unterscheidung hinsichtlich moralischer Gründe zu machen, ebenso wie es wichtig ist zwischen einem Mörder und einem Terroristen zu unterscheiden. Da Friedenskämpfer, die Terrorismus vermeiden unterstützenswert sein könnten, während solche, die Terrorismus betreiben nicht befürwortet werden können. Ich wäre sicherlich glücklich darüber diskutieren zu können, unter welchen Umständen solch ein bewaffneter Aufstand gerechtfertigt wäre, doch ich kann diese Diskussion nicht beenden, bevor die Gegenpartei einräumt, dass sich Terroristen selbst in einem unmoralischen Bund befinden.
Als eine Gesellschaft müssen wir erkennen, dass es keine Haarspalterei ist, zwischen der Instrumentalisierung von Zivilpersonen und deren Tötung bei einem Unfall zu unterscheiden. Genauso wenig ist es Haarspalterei zu sagen, dass Terroristen sicherlich mit einem politischen Ziel im Kopf handeln (das habe ich in meinem zwei Jahre alten Artikel falsch gesehen). Weiterhin gibt es einen guten Grund zwischen “Terroristen” und “Instrumentalisierten Personen” zu unterscheiden. Wenn alles gesagt und getan ist, dann ist es ein Kampf für eine klare Sprache, so dass wir das Thema in einem einvernehmlichen Dialog diskutieren können, der sich nicht auf einen jedes Jahr kleiner werdenden Wortschatz verlässt.
Dieser Artikel erschien zuerst bei agoravox.com. Die Übersetzung durch die Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Es ist fraglich ob das ‘ausdehnen’ des gebrauchs auf staatliche Akteure den begriff terrorism bedeutungslos machen täte. Die vielen Bücher von Chomsky u.a. verlieren nicht an “Bedeutung” nur insofern als sie den Begriff “State Terrorism” fundiert einsetzen.