Die afrikanische Sängerin begeistert das Publikum auf den Virgin Islands…
Wie geht man am besten vor, wenn man die afrikanische Sängerin Angelique Kidjo angemessen beschreiben will? Worte wie “energiegeladen”, “dynamisch”, “zierlich”, “leidenschaftlich” und “multitalentiert” liefern einen flüchtigen Einblick in die ganze Wahrheit, jedes einzelne jedoch ist nicht in der Lage, die musikalische Dynamik, mit der sie begeisterte Fans überall auf dem Globus gewonnen hat, auf den Punkt zu bringen.
Eine Dame, die etwas zu sagen hat…
Seit ihren bescheidenen Anfängen in Ouidah, einer kleine Hafenstadt in Benin, ist Kidjo zu einer international bekannten Sprecherin und Vertreterin des Humanitätsgedankens geworden, die die Rolle einer einfachen Musikerin längst überschritten hat. Sie ist eine Dame, die wirklich etwas zu sagen hat, über soziale Themen, über historische Ungerechtigkeiten bis hin zur richtigen Art und Weise, wie man die Kinder dieser Welt erziehen sollte.
Ich kannte Frau Kidjo noch nicht wirklich gut, als ich im Januar eine Einladung zu ihrem Konzert an der Universität des Virgin Islands Reichhold Center erhielt. Allerdings wusste ich vage, dass sie eine Künstlerin war, die jegliche Einordnung in ein spezielles Musikgenre verachtet, da ich bereits erfahren hatte, dass sie erfolgreich verschiedene Stile mixt. Am Dienstag, den elften Januar, zwei Tage vor ihrem Konzert, veranstalteten das Center und die African Association of St. Thomas- St. John “Einen Abend mit Angelique Kidjo” in der Aula des Campus. Was folgte, waren zwei rundum fesselnde und überraschend intime Stunden mit einer Sängerin, die über Themen wie ihre ersten musikalischen Einflüsse, ihren rasanten Aufstieg und wie sie ihre Rolle als Anwältin für Kinder sieht, erzählte.
Kidjo sprach während ihres gesamten Vortrags bescheiden über ihre Erfolge.
Als Künstlerin des begehrten Live Earth Konzertes am siebten Juli in Südafrika, hat sie schon zehn Alben auf ihrem Konto – angefangen von “Parakou” aus dem Jahr 1990 bis zu “Djin Djin” (das sich auf den Klang einer afrikanischen Glocke bezieht, die jeden neuen Tag begrüßt), das in diesem Jahr erschien. Grammy-Nominierungen für das beste Musikvideo 1995 und das weltbeste Musikalbum 1999, 2003 und 2005 sind ebenso Teil ihrer Errungenschaften.
An diesem Abend nun wurde sie gefragt wie sie ihren eigenen Stil beschreiben würde, Kidjo antwortete auf drollige Weise, “Ich nenne meine Musik, ‘Musik’ – Journalisten sind diejenigen, die sich eine Bezeichnung dafür ausdenken.” Sie berichtete der hingerissenen Menge in dieser kleinen Aula, wie sie in jungen Jahren die Schule aufgab, um Musik zu machen, von ihrem Vater, der immer viel Wert auf Erziehung gelegt hat, jedoch die scharfzüngige Erwiderung erhielt “Ich will keinen dummen Künstler in meinem Haus!” Es ist unnötig an dieser Stelle zu erwähnen, dass sich das erledigt hat.
Infolge der politischen Unruhen in Benin, hatte Kidjo in ihren frühen 20ern bereits eine einschneidende Entscheidung zu treffen. “Entweder ich gebe das Singen auf oder ich muss dieses Land verlassen”, sagte sie sich zu dieser Zeit. Sie wählte die zweite Option, die nicht nur zu einer Wende in ihrem Leben führen sollte, sondern auch ihre aufkeimende Karriere anschob, als sie sich schließlich 1982 in Paris niederließ. Nach einigen Jahren als Backgroundsängerin in lokalen Bands, wurde Kidjo Frontfrau der deutschen Gruppe Pili Pili. Doch 1988 verließ sie diese bereits wieder, um nun ihre eigene Band zu gründen €“ der Rest ist Geschichte.
Während ihres Vortrags an der Universität beleuchtete Kidjo ausführlich das kontroverse Thema Rassismus und die schrecklichen Auswirkungen Jahrhunderte andauernden Sklavenhandels quer über den Atlantik. Sie betonte eindringlich, dass Diskussionen über den Sklavenhandel immer noch als Tabu gesehen werden, jedoch keines mehr sein dürften. “Nicht darüber zu reden macht es nicht ungeschehen”, postulierte sie und bemerkte weiterhin, “Wenn Musik, die wir alle teilen können, farblos ist, warum können wir dann nicht alle in Frieden miteinander leben?” Kidjo sprach auch über ihre Rolle als Bewahrerin traditioneller afrikanischer Musikformen, von denen umso mehr verschwinden werden, je mehr junge Menschen in die Städte ziehen und ihre hauptsächlich ländliche Gesellschaft, in die sie hinein geboren wurden, im Stich lassen.
Kurz vor Ende des Abends, als sie zu ihrem bevorstehenden Konzert und ihrer Botschaft, die sie dort vor hat zu senden, befragt wurde, antwortete Kidjo “Ich werde die Musik zu dir bringen, was du damit anstellst liegt in deiner Verantwortung.”
Und “die Musik zu uns bringen” ist exakt das was sie getan hat.
Wie ihr Idol, die afrikanische Sängerin Miriam Makeba, bezauberte auch Kidjo das Publikum mit ihrer leidenschaftlichen, energiegeladenen und fesselnden Musik. All ihre Qualitäten waren zwei Tage später zweifelsohne auf der Open Air Veranstaltung zu spüren, als sie die Zuschauer mit ihrem Talent und ihren Showeinlagen beeindruckte. Als Künstlerin, die an das Teilen mit dem Publikum glaubt, sah es fast so aus, als ob die Hälfte des Stadions bis zum Ende der Veranstaltung buchstäblich mit Kidjo zusammen auf der Bühne tanzte.
Es war eine wundervolle Nacht, gekrönt von einer grandiosen Show einer großen Künstlerin. Ihre Karriere zusammenfassend, kann man ruhig sagen, Kidjo hat ihren rhythmischen “Afro-Pop”-Style über die ganze Welt verteilt. Mit solch einer imposanten Erscheinung, spaßliebenden Persönlichkeit und unwiderstehlichen Bühnenpräsenz, wird sie wohl weiterhin eine der beliebtesten Künstlerinnen der weltweiten Szene bleiben.
Dieser Artikel erschien zuerst auf OhmyNews. Veröffentlichung und Übersetzung durch die Readers Edition mit Genehmigung von OhmyNews.
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