Readers Edition http://www.buergerinfo09.de



Politik

US-Wahlkampf: Spitzenkandidaten antworten Bloggern beim Yearlykos

Montag, den 6. August 2007 um 16:10 Uhr von Amin Forji
Der Andrang ist groß beim YearlyKos.
Screenshot via goodstorm.com

Die liberalen amerikanischen Politikblogs Daily Kos und Bloggerpower.org hielten im McCormick Place Convention Center, Chicago zum zweiten Mal ihre jährliche Versammlung, YearlyKos genannt, ab. Der Kongress, der am Donnerstag begann und Sonntag endete, erhielt zunächst nicht viele Reaktionen, bis am Samstag 1.500 Blogger aus ganz Amerika im Kongresszentrum zusammenkamen um sieben der acht Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zu befragen.

Diesem Kongress vorhergegangen war vor einer knappen Woche eine ähnliche Debatte auf CNN/Youtube, wo die demokratischen Kandidaten auf Fragen antworteten, die als Youtube Videos gepostet worden waren.

Fragen von Bloggern

Die einleitende Rede von YearlyKos hielt Howard Dean, Vorsitzender des Democratic National Committee und durch seine Revolution in der Blogosphäre im Zusammenhang mit dem letzten Wahlkampf gut bekannt. Dank der Mehrheit der Demokraten im amerikanischen Kongress und Dank ihres Einflusses könne Amerika jetzt ein schnelleres Ende des Irakkrieges erwarten, erzählte er den Bloggern. Und er schrieb den Demokraten die neue Ethik-Gesetzgebung und Mindestlohnregelung gut.

Gouverneur Bill Richardson aus New Mexico wurde die erste Frage gestellt: Warum habe er einmal Byron White, einen amerikanischen Konservativen, als beispielhaften Richter des Supreme Courts genannt? Es vorziehend, seine Chancen für diesen Abend möglichst offen zu halten, gab Richardson seinen Fehler zu und vermied ein Diskussion. „Ich habe es vermurkst“, antwortete er.

Die New Yorker Senatorin Hillary Clinton vermied es ebenfalls, den Abend in der Defensive zu beginnen, als sie darum gebeten wurde, drei wesentliche Lektionen zu nennen, die sie aus dem Scheitern ihrer Gesundheitsreform in den Neunzigern gelernt habe, während ihr Mann Bill Clinton Präsident gewesen sei.
Scherzhaft antwortete sie: „90 Sekunden reichen nicht, um von all den Fehlern zu erzählen, die ich gemacht habe“, und fügte hinzu, „Es genügt nicht, einen Plan zu haben. Man braucht eine politische Strategie.“

Über den Umgang mit Lobbys

Die drei Spitzenreiter der Demokratischen Listen, Clinton, Senator Barack Obama aus Illinois und John Edwards, früherer Senator in North Carolina und 2004 als Vizepräsident nominiert, waren sich uneinig über den Umgang mit Wahlkampfspenden von Lobbyisten. Edwards forderte alle Kandidaten auf, Spenden von Lobbys abzulehnen; ansonsten würde man sich nicht von den Republikanern unterscheiden. Clinton ließ in diesem Punkt Ausnahmen zu und wies, sehr zur Enttäuschung von vielen Bloggern, darauf hin, dass ihre Kampagne weiterhin Geld von Interessensgruppen annehmen würde.

„Ob man es will oder nicht: Viele dieser Lobbyisten vertreten echte Amerikaner. Das tun sie tatsächlich,“ und sie fügte hinzu, dass die meisten Lobbyisten guten Zwecken dienten. „Sie vertreten Krankenschwestern, sie repräsentieren Sozialarbeiter und, ja, sie vertreten große Firmen, die eine Menge Leute beschäftigen,“ sagte sie.

Obama erklärte dem Publikum, dass seine Kampagne Geld von diesen Gruppen nicht akzeptiere. „Sie verfolgen ihre eigenen Ziele,“ erklärte er unter Applaus. Zudem begründete er das Scheitern von Clintons Gesundheitsreform 1993 mit Sondergeldern, die im Spiel gewesen seien.
Ebenfalls anwesend waren Senator Christopher Dodd aus Connecticut, der Repräsentator Dennis Kucinich aus Ohio und Mike Gravel, der frühere Senator aus Alaska. Senator Joe Biden aus Delaware fehlte.

Blogger sind unverzichtbare Quelle für den Wahlkampf

Mit sieben der acht hoffnungsvollen Präsidentschaftskandidaten auf der Konferenz, 1.500 Bloggern (im Vorjahr waren es 1.000 gewesen), muss nicht mehr betont werden, dass das Internet erwachsen geworden ist. Ebenso bemerkenswert ist, wie sehr die Konferenz die steigende Bedeutung und den Einfluss von Bloggern und der Netroots-Community als unverzichtbare Quelle im politischen Leben Amerikas und im laufenden Wahlkampf unterstreicht.
Vorbei sind die Tage, in denen die Massenmedien das einzige Mittel für politische Parteien und Kandidaten waren, um potentielle Wähler zu erreichen. Blogger haben diesen Trend umgekehrt, indem sie durch das, was heute „user-generated content“ genannt wird, Tausende anderer Medienquellen schufen; jeder, der heute Computerkenntnisse besitzt, kann Informationen und Meinungen im globalen Forum veröffentlichen.

Etwa 70 Prozent aller Amerikaner sind angeblich regelmäßig online, 15 Prozent davon loggen sich regelmäßig auf politischen Blogs ein. Alle Präsidentschaftsaspiranten haben heutzutage Websites, wo sie nicht nur ihre Programme veröffentlichen, sondern auch Geld für ihren Wahlkampf sammeln. Ein der erfolgreichsten dieser Spendensammler via Internet ist Obama. Charakteristisch für seine Seite sind die persönlichen Blogs seiner Fans, wo sie sich austauschen können, Informationen verbreiten, Freunde einladen und Videos und Fotos posten können – seine eigene Version von MySpace.

Wird zu viel gebloggt?

„Das Internet ist nicht einfach nur eine Plattform zum Organisieren und Spendensammeln, sondern es ist für alles da. Jede Kampagne, die das nicht nutzt, fällt zurück,“ sagte Robert Gibbs, einer von Obamas Wahlkampfberatern.

Während Blogger vielleicht eine fortschreitende Revolution bewirken, glaubt Steve Francis, 2006 Kandidat des amerikanischen Kongresshauses und Wirtschaftswissenschaftler aus South Bend, Indiana, dass Bloggen allein nicht reicht:
„Wir müssen diese Aktivität auch in echte, bodenständige Leidenschaft übertragen… Wir bloggen vielleicht manchmal zu viel und klopfen zu wenig an Türen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf OhmyNews. Übersetzung durch Readers Edition und Veröffentlichung mit Genehmigung von Ohmynews.
Foto: Screenshot via goodstorm.com

Zum Thema:

- Wahlkampf via Youtube
- Sexy Obama, kreuzbrave Hillary
- Präsidentschaftskandidat Giuliani…
- Netzzensur, der Irak und Obama vs. Giuliani
- Hillary Clinton 4 President?

  • diesen Artikel drucken
  • E-Mail This Post/Page
4.9
  • derzeit 4.92 Sterne
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
 
 

Schlagwörter

Share it!

2 Reaktionen zu “US-Wahlkampf: Spitzenkandidaten antworten Bloggern beim Yearlykos”

  1. Readers Edition » Waffenhandel mit Libyen, Flüchtlinge und Revolver in Toronto - Bürgerjournalismus weltweit

    am 7. August 2007 um 03:03 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Über eine politisch bedeutende Blogger-Convention schreibt Amin Forji. Wir haben den Artikel für Sie übersetzt. […]

  2. US-Politblogs: Da tut sich was! « Blogs und Politik

    am 14. August 2007 um 01:17 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Ob die helvetischen Polit-Blogs je eine solche Resonanz erfahren wird wie derzeit amerikanische Blogs im Wahlkampf der democrats, steht noch in den Sternen der hiesigen Blogosphäre. Auf Grund der bereits mehrfach erwähnten riesigen Unterschiede im Medien- und Parteiensystem zwischen den USA und vielen westeuropäischen Ländern zweifle ich etwas daran. Aber die neue «Netroot»-Bewegung unter der Führung von DailyKos, der vor einer guten Woche sieben der acht demokratischen Präsidentschaftskandidierenden plus 1500 Aktvistinnen und Aktivisten am Blogger-Kongress YearlyKos versammelte, ist dennoch eindrücklich. Natürlich tingeln wanna-be-presidents-of-the-USA überall hin, wo sie noch ein paar Stimmen vermuten, aber sie scheinen dennoch der Meinung zu sein, dass mit Blogs Politik gemacht werden kann. […]

Einen Kommentar schreiben

Kommentare für diesen Artikel als RSS-Feed abonnieren.

Hinweis: Alle Kommentare werden moderiert und müssen freigeschaltet werden.

Erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

Als Kommentator akzeptieren Sie die Teilnahmebedingungen der Readers Edition.