Brasiliens Präsident, Aidswaisen in Thailand und Arabisto.com – Bürgerjournalismus weltweit

Vor nunmehr fünf Jahren wurde der Brasilianische Präsident Luis Inácio da Silva gewählt. Der frühere Underdog, besser unter dem Namen Lula bekannt, hatte damals, als ehemaliger Fabrikarbeiter aus der riesigen Unterschicht Brasiliens, nichts mit seinen Wählern gemein: Sie stammten zum großen Teil aus der linksgerichteten intellektuellen Elite und Mittelschicht, während

Lula.jpgVor nunmehr fünf Jahren wurde der Brasilianische Präsident Luis Inácio da Silva gewählt. Der frühere Underdog, besser unter dem Namen Lula bekannt, hatte damals, als ehemaliger Fabrikarbeiter aus der riesigen Unterschicht Brasiliens, nichts mit seinen Wählern gemein: Sie stammten zum großen Teil aus der linksgerichteten intellektuellen Elite und Mittelschicht, während die ärmeren Wähler für eher rechte Kandidaten mit Harvardabschlüssen gestimmt hätten.

Alan Mota gibt auf OhmyNews eine Analyse der Regierungszeit des Präsidenten, dessen Position sich in den letzten Jahren um 180 Grad gewendet habe. Inzwischen sei er zwar von den Armen und Ärmsten des Landes anerkannt, dafür aber richte sich die Mittel- und Oberschicht jetzt entschieden gegen ihn. Besonders deutlich sei das bei der Eröffnung der Panamerikanischen Spiele geworden, wo die Buhrufe gegen den Präsidenten ein solches Ausmaß annahmen, dass er die geplante Rede nicht hatte halten können. Abgesehen davon, dass Lulas Reaktion auf die Pfiffe nicht gerade geschickt war, müsse man an dieser Stelle einmal die Frage stellen, weshalb Lula von den Einen geliebt und den Anderen gehasst würde. Mota begründet dieses Verhältnis mit der unterschiedlichen Lebensweise der beiden Wählergruppen. Das beste Beispiel seien dafür die letzten Skandale rund um die Unfälle im Flugverkehr: Die eklatanten Missstände in der Luftfahrt beträfen vornehmlich die brasilianische Oberschicht, während kaum einer der ärmeren Wähler jemals in einem Flugzeug gesessen haben dürfe. Das Gleiche gälte für Korruption, Spendenaffären und ähnliches: Nie während Lulas Präsidentschaft hätten diese Affären die ärmere Bevölkerung tangiert €“ im Gegenteil profitiere diese Schicht von Lulas umfassenden Programmen für soziale Gerechtigkeit. Dass sich diese beiden Gruppen nicht auf einen Präsidenten einigen könnten, sei fast logisch €“ ungewöhnlich an der Verteilung der Stimmen sei, dass die Anhänger Lulas sich in der Unterschicht fänden und nicht, wie sonst in Brasilien meistens, in der Oberschicht.

Mit welchem Enthusiasmus sich die Prominenz gegen Lula richtet, wird auf dem brasilianischen Bürgerjournalismus-Projekt BrasilWiki deutlich: Die Sängerin Rita Lee habe vor mehr als 5 Millionen Zuschauern zu weiteren Buhrufen gegen den Präsidenten aufgerufen, so Marrash Dilek aus Rio de Janeiro, weil Lula nicht genug für die Umwelt täte. Der Autor habe sofort in den minutenlangen Spottgesang eingestimmt, nicht nur als Fan der Rocksängerin sondern vor allem auch, um eine Stimme gegen eine Regierung zu stärken, die Geld ausgebe für absurde Projekte.

AgoraVox

Copacabana.jpg Ebenfalls ein brasilianisches Projekt wird auf AgoraVox vorgestellt: Im Rahmen der Bewegung €žRio da Paz€œ (Rio des Friedens) wurden gestern am wohl berühmtesten Strand der Welt, der Copacabana, mit schwarzen Säcken die 3.000 Toten dargestellt, die im Staat Rio de Janeiro in diesem Jahr ermordet wurden. Auch hier versucht Lula zu wirken und hat für ein Programm, das die Favelas von Rio sanieren soll, in denen etwa ein Fünftel der Stadtbevölkerung lebt, 3,6 Milliarden Dollar versprochen.

Auch andere Bürgerjournalisten beschäftigen sich heute mit verschiedenen Sozialprojekten aus aller Welt. So stellt Tania Campbell auf OhmyNews das Projekt des Dokumentarfilmers Karl Morsbach vor, der zusammen mit dem Musiker Bruce Gaston, der Prinzessin von Thailand und BMW ein Waisenhaus für HIV infizierte Kinder in Thailand gegründet hat. Der Name Waisenhaus allerdings träfe kaum zu: Den 71 Kindern des Hauses Baan Gerda würde ein Leben in eine liebevollen Umgebung geboten, wo sie in familienähnlichen Strukturen von Menschen betreut werden, die um die Problematik der Krankheit wissen €“ die Betreuer selbst sind entweder HIV positiv oder Witwen von Aidsopfern.

Über die Bewegung, die der Bürgerjournalismus selbst auslöst, schreibt Bhumika Ghimire: Sie geht noch einmal auf das Thema der Youtube Aktion des CNN ein und untersucht, was viele schon wissen wollten: Sind die Fragen, die vom CNN als authentisch gesendet wurden, in Wirklichkeit gestellt? Tatsächlich habe der CNN sich wohl ganz bestimmte Fragen herausgepickt €“ und somit, so die Autorin, den Sinn der vermeintlich offen demokratischen Aktion zunichte gemacht.

Global Voices

Wie wichtig dennoch das Netz ist, um Redefreiheit zu ermöglichen, wird auf Global Voices täglich deutlich €“ so auch heute in einem Interview mit Nadia Gergis. Sie ist die Gründerin von Arabisto.com, der, wie sie selbst sagt, einzigen amerikanisch-arabischen Seite, die die Möglichkeit eines nicht-säkularen doch unvoreingenommenen Austauschs bietet. Die 26 Autoren der Seite stammten aus jedem denkbaren Bereich der USA, sie seien Amerikaner, Pakistani, Araber, Franzosen, Muslime, Juden oder Christen. Die Themen befassten sich mit allem, was die arabische Welt bewege, seien es Ehrenmorde, Gewalt gegen Frauen, oder die Wege der Demokratie im Mittleren Osten €“ den Autoren stünde jederzeit frei, ihr eigenes Thema zu beleuchten. Nadia Gergis selbst sieht ihre Seite als willkommene und sehr persönliche Ergänzung zu Aljazeera.com und sie hat verfolgt das Ziel im Netz ebenso wichtig zu werden wie z.B. die Huffington Post.

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  1. Liebe Frau NAumann,
    etwas spaet erreicht uns Ihr Artikel, in dem auch von Baan Gerda die Rede ist. Wir wuerden nur gerne klarstellen: Den Dokumentarfilm ueber Baan Gerda ‘Heavens Meadow. The small wonders of Baan Gerda’ hat der Berliner Regisseur Detlev F. Neufert gedreht. Karl Morsbach ist der Gruender von Baan Gerda.

    Genaue Informationen uber Baan Gerda finden Sie auf http://www.baangerda.org. Uber den Film erfahren Sie etwas unter www. heavens meadow. com. Und es gibt bereits einen 2. Teil ueber den AIDS WAisen Ben in Baan Gerda: Tanz auf der Himmelswiese.

    Mit besten Gruessen

    Gisela Walter