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110.000 Kalaschnikows, Kindsmissbrauch auf den Malediven und Internetsucht in China - Bürgerjournalismus weltweit

Mittwoch, den 8. August 2007 um 18:25 Uhr von Redaktion Readers Edition
110.000 fehlen noch. Photo: Screenshot Spiegelonline

„Was für eine Armee ist das, die unfähig ist, eine verlässliches System zu entwickeln, das die eigenen Waffen im Auge behält?“ Dass die stärkste Armee der Welt darauf hingewiesen werden müsse, dass sie auf den Verbleib ihrer Waffen achte, scheint absurd, schreibt Alan Mota heute auf OhmyNews.

Und doch: Die USA hat in der Zeit von Juni 2004 bis zum Dezember 2005 nicht weniger als 190.000 Waffen im Irak verloren, 110.000 Kalaschnikows und 80.000 Revolver. Zusätzlich fehlten inzwischen 135.000 Rüstungen und 115.000 Helme des amerikanischen Militärs. Wenn man bedenkt, dass die größte Rebellen-Truppe des Irak, die Mahdi Army unter Maqtada al-Sadr, ca. 60.000 Mann stark sei und die Gesamtzahl der Aufständischen ca. 100.000 Kämpfer betrage, bräuchte man nicht lange rechnen, um zu erkennen, wie entscheidend der Materialverlust sei.
Der Bericht des Government Accountability Office (GOA), der diese Zahlen am 6.August veröffentlicht hatte, nennt als Grund für diese Peinlichkeit buchhalterische Fehler im Ablauf des Transports. So z.B. habe es weder einen zentralen Bericht darüber gegeben, wie viele Waffen an Irakische Sicherheitskräfte verteilt worden waren, noch darüber, wie viele Waffen wohin wann unterwegs gewesen seien. Auch müsse die Stärke der Sicherheitstruppen für einen Waffentransport erhöht werden. Dieser Bericht, so Mota, werfe erhebliche Fragen auf – nicht nur in Bezug auf den Sinn der Irak-Kämpfe insgesamt, sondern vor allem was die Integrität des amerikanischen Militärs insgesamt anginge.

Ebenfalls um ein amerikanisches Einsatzgebiet geht es in einem Artikel von Ronda Hauben, die über die noch immer von Taliban festgehaltenen südkoreanischen Geiseln schreibt. Sie betrachtet die politischen Hintergründe, die die Verhandlungen immer schwerer machen: Das Dilemma, mit dem sich Südkorea konfrontiert sehe, begründe sich vor allem in der neokonservativen Haltung der USA, die auf die eigene Vorherrschaft in der Welt bedacht sei und nicht davor zurückschrecke, diese Macht auch militärisch durchzusetzen. Entsprechend machten sich inzwischen in Südkorea Gruppen stark, die die USA anklagten, dass die Geiselnahme die Schuld der Amerikaner sei – ohne deren Einmarsch in Afghanistan wäre es nie zu den Entführungen gekommen. Andere Gruppen warnten wiederum davor, die USA zu provozieren – zu wichtig sei sie in den Verhandlungen, denen die Taliban inzwischen zugestimmt hätten. Allerdings: Sie müssten auf einem Gebiet stattfinden, auf dem sowohl die Sicherheit der Taliban, als auch die der Koreaner gewährleistet wäre.

Global Voices

Auf den Malediven sorgte eine Äußerung des Ministers Aishath Mohamed Didi, der für die Rechte von Kindern zuständig ist, für Aufregung. Der Minister habe, so schreibt Nihan Zafar, behauptet, dass Kindesmissbrauch auf den Malediven ebenso häufig sei, wie in anderen Ländern. Dass diese Aussage gemacht wurde, kurz nachdem etliche Pädophile mit viel zu geringen Strafen davon gekommen seien (so sei zum Beispiel ein Vergewaltiger mit einer leichten Strafe verblieben, nachdem der Richter entschieden hatte, dass das fehlende Schreien des Mädchens als Zustimmung gewertet werden könne), verurteilten viele Blogger als Zustimmung des Staates zum Missbrauch von Minderjährigen. Ihr Ärger wird deutlich in Blogs wie jenem von Maldives Health und von Maldives today, der die traurige Geschichte von Kindsmissbrauch auf dem Inselstaat erzählt.

Japan hat die zweitgrößte Anzahl an Youtube-Nutzern – und nun auch einen neuen Beitragenden. Chris Salzberg schreibt über den Zusammenschluss von Google mit sechs japanischen Firmen, darunter SkyperfectTV und Mixi (Japanisch), der das Ziel habe, Inhalte auf einer exklusiv Japanischen Youtube Seite zu verlinken. Obwohl es heftigen Widerspruch von Organisationen gab, die sich um das Copyright von Autoren, Musikern und Künstlern sorgen, wird Google auch auf der Japanischen Seite die „Fingerabdruck Technologie“ anwenden. Diese Technologie, die geschütztes Material als solches erkennen sollte, sei vor allem in die Kritik geraten, weil ihre Möglichkeiten nicht genügten, um Copyright Vergehen wirklich zu erkennen. Über die Pressekonferenz, auf der der neue Zusammenschluss öffentlich wurde, schreibt Nobi, dessen Blog Salzberg ins Englische übersetzt hat.

Agoravox

13 % aller chinesischen Internetuser unter 18 Jahren werden laut eines Berichtes der größten chinesischen Tageszeitung China Daily offiziell als internetabhängig bezeichnet, so berichtet Jon Newton. Allerdings befürchtet er, dass diese Klassifizierung eher ein Zeichen des Argwohns des chinesischen Staates gegenüber des Internets sei, welcher das Netz weiterhin als etwas potentiell schlechtes ansehe - und zuviel Surfen ein Grund zur Behandlung ist. Diese Behandlung sieht so aus, dass sich junge Menschen im Alter zwischen 14 und 22 einem Zehn -Tage-Programm unterziehen müssen, dass ihnen nach vorheriger psycholgischer Untersuchung und Einschätzung helfen soll, vom Netz “entwöhnt” zu werden. Welche Methoden dabei verwandt werden, kann Newton nicht sagen, aber er hofft, dass keine elektrischen Schocks zum Einsatz kommen, wie wohl im Falle eines 12 Jährigen bereits geschehen. Zusätzlich zu diesen Entwöhnungsprogramm, so zitiert er den Bericht in der China Daily, sollen keine weiteren Internetcafes zugelassen werden und in Shangai würden Gruppen von Freiwilligen die Strassen kontrollieren, um zu verhindern, dass Minderjährige Zutritt zu den bereits vorhandenen Internetcafes erhalten.

Mark Evans aus Toronto beschäftigt sich mit einem Aspekt des Bedeutungsverlust der gedruckten Zeitung: Die Kontaktanzeige. Selbige nämlich, so hat er beobachtet, war einst ein Standbein der Presse und hat in den USA und Kanada längst den Weg ins Internet gefunden. Craigslist und Kijiji, zwei Websites, die sich einzig und allein auf Kleinanzeigen spezialisiert haben, bieten seiner Ansicht nach große Vorteile gegenüber der gedruckten Anzeige: Die Annoncen sind umsonst, der Einstellungszeitpunkt ist ebenso frei wählbar wie die Laufzeit und zudem läßt sich die Anzeige auch, je nach Nachfrage, jederzeit ändern. Für Evans ist dies einer der kommenden Sargnägel für den Print.

Marie Naumann & Martin Stahlke

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