Reinhard Bonnke, der als so genannter “Evangelist” vornehmlich auf dem schwarzen Kontinent unterwegs ist, plant für die Zeit vom 14. bis 16. September 2007 in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle “Feuerkonferenzen”. Präsentiert werden sollen Filme, die angeblich Jesus vor rund zehn Jahren in Auftrag gegeben hat. Auf dem Programm stehen auch “Kids-Festivals” für Kinder ab 3, bei denen die Kleinen “die Kraft des Heiligen Geistes” (Zitat Werbefaltblatt für diese “Feuerkonferenzen”) erleben sollen. Im Auftrag von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat Margret Mager vom “Referat 501 – Grundsatzangelegenheiten/Extremismusprävention” Readers-Edition-Autor Heinz-Peter Tjaden sechs Fragen beantwortet.
Heinz-Peter Tjaden: Welchen Einfluss können solche Massenveranstaltungen auf Kinder haben?
Margret Mager: Welchen Einfluss Massenveranstaltungen mit religiösem Hintergrund auf Kinder haben können, hängt unter anderem vom Inhalt und Ablauf der Veranstaltung, vom Alter und von der Reife des Kindes und der Vorbereitug auf das Ereignis durch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten ab. Die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten des Kindes sind hierbei verpflichtet, stets das Wohl des Kindes in den Vordergrund zu stellen.
Heinz-Peter Tjaden: Kinder werden bei diesen “Feuerkonferenzen” einen Mann erleben, der offenbar Stimmen hört, vor zehn Jahren sogar die von Jesus. Sind dort Dreijährige nach Ihrer Auffassung gut aufgehoben?
Margret Mager: Wenn Sie der Meinung sind, dass von der geplanten Veranstaltung eine Gefährdung von Kindern und Jugendlichen ausgehen könnte, bitte ich Sie, das zuständige Jugendamt in Stuttgart zu informieren.
Heinz-Peter Tjaden: Nimmt das Ministerium keinen Einfluss auf die Rahmenbedingungen für die geplanten “Kids-Festivals”?
Margret Mager: Aufgrund der gelten Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern kann das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend keinen Einfluss auf die Rahmenbedingungen der geplanten “Kids-Festivals” nehmen. Hier sind allein die Stadt Stuttgart sowie der Träger der Hanns-Martin-Schleyer-Halle zuständig.
Heinz-Peter Tjaden: Von Ihrem Ministerium gibt es Informationsmaterial über religiöse Gruppierungen, gibt es auch Material über die Pfingstbewegung, zu der Herr Bonnke wohl zu zählen ist?
Margret Mager: Informationsmaterial über die Pfingstbewegung sowie über Herrn Bonnke und Christus für alle Nationen (CfaN) in Form von Broschüren steht hier nicht zur Verfügung. Bei Wikipedia finden Sie eine Beschreibung der Pfingstbewegung im Internet.
Der derzeit bekannteste, aber auch umstrittenste Prediger, Heilungsevangelist und Afrikamissionar Reinhard Bonnke ist Leiter des pflingstlerischen Missionswerkes CfaN, CfaN ist Mitglied im Bund der Freikirchlichen Pfingstgemeinden und mit seinen hauptamtlichen und unzähligen ehrenamtlichen Seelsorgern vor Ort in der ganzen Welt ein Beispiel für extrempflingstlerische Überzeugungen, die von einigen Weltanschauungsbeauftragten schon als fundamentalistisch bezeichnet werden.
Heinz-Peter Tjaden: Reinhard Bonnke ist vornehmlich in Afrika unterwegs, an seinen Massenveranstaltungen nehmen Hunderttausende teil, heißt es.
Margret Mager: In Nigeria sollen es einmal 1,3 Millionen Menschen gewesen sein. Auf diesen Massenveranstaltungen, die häufig mit Geisteraustreibungen, Amulettverbrennungen und Kampfgebeten einhergehen, sollen unzählige Heilungen und sogar Totenerweckungen stattgefunden haben, die sich in vielen Fällen aber als inszeniert herausgestellt haben sollen, was der Anziehungskraft Reinhard Bonnkes bisher aber nicht geschadet hat.
Die deutsche Botschaft in Benin berichtet 1998 von inszenierten “Wunderheilungen” in Gabun. Bonnke habe sich anschließend “nur durch überstürzte Flucht dem Volkszorn entziehen können”. Diese Ereignisse veranlassten die Botschaft im Zusammenhang mit den Wunderheilungen von “Scharlatenerie” zu sprechen.
Ungeachtet aller Widersprüche gilt Bonnke aber als einflussreichster Prediger Afrikas und genießt aufgrund seiner unbestrittenen Missionserfolge inzwischen auch in den einflussreichen evangelikalen Kreisen der Vereinigten Staaten hohes Ansehen.
Heinz-Peter Tjaden: Und wie sieht es bei uns aus?
Margret Mager: Obwohl Bonnke bereits 1986 die Zentrale seines Missionswerkes nach Frankfurt verlegt hat, blieben seine Missionserfolge hier eher unspektakulär. Seit 1992 versucht er mit der Broschüre “Vom Minus zum Plus”EURopa zu missionieren. Im September 1995 ließ er auch in Deutschland 40 Millionen Exemplare an alle deutschen Haushalte verteilen. Diese kostenintensiven Verteilaktionen gehen, trotz kaum messbarer Erfolge inEURopa und auch in Nordamerika, bis heute weiter.
Die Aktion in Deutschland fand einen großen Widerhall in der Presse und war am 24. Juli 2002 auch Anlass für eine kritische ZDF-Dokumentation über Reinhard Bonnke.
Foto: Screenshot via cfan.org
Zum Thema:
Ein Mann der Stimmen hört? Soll das etwa gefährlich sein? Und was sollen wir zu denen sagen, die zu Pfingsten damals mit “fremden Zungen” geredet haben und die Welt sich über sie wunderte? Die sich wunderten waren aber nicht die Christen!
Reinhard Bonnke ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit ihrem “Feuerkonferenzen”, zeigen Sie mal den Kids, dass Christus mehr ist als das Gesabbel in den Amtskrichen!