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Politik

Alljährliches Studentenjammern in den Startlöchern

Freitag, den 10. August 2007 um 11:01 Uhr von myandalucia

Demos machen Spass! Clowns gegen Studiengebühren in Stuttgart. Foto: Cheggy

Die Sommersonne verliert von Tag zu Tag ihre knallgelbe Farbkraft und mit den kühler werdenden Abenden kommen langsam aber sicher die Erinnerungen an den studentischen Alltag ins Bewusstsein. Mit dem Darübernachdenken über Vorlesungen, Prüfungen, Skriptenkauf … kommt bei so manchen Studenten wohl auch der Ärger über die Studiengebühren zum Vorschein und Ideen für Protestaktionen werden geboren.
Es ist ja allgemein bekannt, dass sich viele Studenten neben ihrem Studium den Alltag nicht nur mit Freizeit vertreiben können/wollen, sondern einer Arbeit nachgehen. Wobei der Grund für die finanzielle Misere nicht alleine bei den im Jahr 2001 eingeführten Studiengebühren in Österreich liegen kann, denn ein Betrag von rund 364 Euro pro Semester kann nicht so sehr auf die Geldtasche drücken. Zumal wenn man diesen einzuzahlenden Betrag mit anderen Ländern vergleicht, ist dieser noch akzeptabel. Außerdem würde es den sowieso schon kritisch betrachteten Studentenzuwachs aus anderen Ländern fördern, wenn der österreichische Hochschulzugang völlig gratis wäre. Klar ist aber auch, dass es seit Einführung der Studiengebühren immer wieder zu Protesten seitens der Studenten gekommen ist, denn sehr viel hat sich, trotz versprochener Verbesserungen aus dem von den Studiengebühren erhaltenen Budget, nicht getan.

Für Studenten ist alles umsonst

Der Unialltag ist noch immer recht mühsam zu bestreiten. Überfüllte Hörsäle, zu wenig Plätze in Seminaren, zu wenig Prüfungstermine und andere Ärgernisse füllen das studentische Leben Tag für Tag. Trotzdem - das Klischee des Langzeitstudenten ist auch nicht aus der Nase herausgezogen, denn betrachtet man einige vergangene studentische Laufbahnen, wird man durchaus neidisch und kann die langjährige Dauer des Studiums nachvollziehen. Da war alles umsonst. Tickets für die Wiener Linien, das Studium selbst, und die Mieten in den Wohngemeinschaften waren wahrscheinlich auch billiger. Da blieb von der erhaltenen Familienbeihilfe sicher Geld übrig, das auf die Seite gelegt werden konnte und mit dem ein Studium über die Grenze des 27. Lebensjahres hinaus gesichert war.

Alles schön gemütlich also. Dass Gemütlichkeit aber kein Lebenszustand ist, wurde spätestens nach dem erhaltenen Diplom klar. Die Einführung der Studiengebühren ist also durchaus nicht nur als negativ zu betrachten, denn das Setzen einer gewissen Grenze ist sicher ein Vorteil im Vorantreiben des Studiums.
Studenten sollten nicht wie vorprogrammierte Oppositionsgegner reagieren, sondern durchaus einmal nachdenken, bevor protestiert wird. Nicht alle Dinge, die die nicht favorisierte Partei vorschlägt, müssen automatisch angefochten werden, nur weil es die studentischen “Coolnessvorschriften” so verlangen. So funktioniert Politik nicht - so sollte sie nicht funktionieren, und auch wenn es oft so ist, dass viel zu viele undiplomatische Dinge seitens der Politiker geschehen, dann wären es doch gerade die Studenten, die jungen, gebildeten, die anfangen sollten, unbefriedigte Zustände zu ändern.

728,- Euro sind zumutbar.

Das Jammern über finanzielle Schwierigkeiten ist bei dem zu zahlenden Betrag der Studiengebühren nicht zu verstehen. Die meisten Studenten werden unterstützt durch Stipendien, Familienbeihilfe,… und das bis zum 27. Lebensjahr, wenn sie ihrem Studium ordentlich nachgehen. Ist dies nicht möglich, durch Schwangerschaft, Krankheit, usw. … wird dies ebenfalls berücksichtigt. Das Geld der Studiengebühren ist daher auch zu verdienen, denn rund die 728,- Euro für ein Jahr Studium können in einem Job während der 3 Monate Ferien im Sommer schon verdient werden. Die Erhaltungskosten für eine Wohnung wären durch die Beihilfen bezahlt und können durch einen Nebenjob, der durchaus nicht so viel Zeitaufwand einfordert, errungen werden.

Ist man kein stipendienerhaltender Student, weil zu alt oder zu lange rumgetrödelt, etc. ist man sich der Härte der Lebensumstände sowieso bewusst und sollte sich ein anzufangendes Studium durchdenken. Tatsächlich gibt es aber auch Studenten, die ihr Studium erst später begonnen haben, kein Stipendium erhalten, nebenbei 40 Stunden arbeiten gehen und trotzdem einen Hochschulabschluss absolvieren. Sicher ist das hart, mein Fall wäre das auch nicht, aber es funktioniert eben, wenn man wirklich will. Diese Universitätsbesucher sind wohl nicht den Jammerstudenten zuzuordnen.

Jammerstudenten

Jammerstudenten sind Studenten, die durch ihr allsemestriges Jammern und Protestieren nur erreichen, dass ihre Studienjahre in die Länge gezogen werden, denn ein Jammererfolg ist nicht eingetroffen - die Studiengebühren müssen sie weiter einzahlen und oft haben sie sich und anderen Kollegen durch unüberlegte Protestaktionen letztendlich nur geschadet.
Aber wenn man in einem WG - Zimmer wohnt, das um die 350,- Euro oder mehr pro Monat kostet, weil es im Szeneviertel von Wien liegen muss, den neuesten Computer, ein teures Handy mit Kamera, eine eigene Waschmaschine (denn die hauseigene benutzt man nicht), ein Auto, etc. besitzt, klar, dann wird es teuer und um auf diese Dinge nicht verzichten zu müssen, wird der Sündenbock eben woanders gesucht.

Eine weitere Studentenjammerfraktion, sind die
Esoterikalternativbirkenstockschlapfen-Studenten. Diejenigen, die die Hippiebewegung am liebsten in die Gegenwart rufen wollen, eigentlich “total antikapitalistisch” sind, selber aber sauteure Bionahrung kaufen, zu sämtlichen Heilpraktikern pilgern um deren teure Heilmittelchen und Therapien zu konsumieren, im Zuge dessen aber zur nächsten Trafik wandern, um die tägliche Zigarettenpackung zu besorgen. Ganz zu schweigen von der monatlichen Marihuanalieferung und den oftmals stattfindenden mit hohen Kosten verbundenen Partyausflügen. Selten suchen sie die Uni auf, weil sich ihr Chakra nicht dazu besonnen fühlt. Absurder Weise sind diese Studenten aber diejenigen, die am meisten aufschreien, wenn es ums Geld geht.
Denken - ein Nachdenken über sich selbst, das wäre jedoch einmal der erste Schritt, um so manche Unannehmlichkeiten zu beseitigen. Und es wäre wesentlich produktiver, als aufzuschreien und das Übel vorrangig woanders zu suchen.

Foto: Cheggy via Flickr.com. Bestimmte Rechte vorbehalten.

Zum Thema:

- Boykotte an Thüringer Hochschulen
- Studentenproteste
- Wenn der Wolferl mit dem Gusi…
- Wenn’s mal wieder länger dauert - Das deutsche Trauma von der Studiendauer

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4 Reaktionen zu “Alljährliches Studentenjammern in den Startlöchern”

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  1. paule

    am 10. August 2007 um 11:44 Uhr | Link | Kommentar melden

    Das angeblich gemütliche Studentenleben vergangener Tage ist auch nur dann ein solches, wenn man es liebt auf Sozialhilfesatz zu leben. Bummelstudenten haben schon immer gut draufgezahlt, nämlich jedes Semester ein halbes Jahresgehalt ihres zukünftigen Jobs. Und der war damals in der Regel kein unbezahltes Dauerpraktikum.

    Den Seniorenspruch vom früher war alles billiger betrachtet niemals die Realwerte sondern stets nur Nominalwerte. Kann man getrost vergessen.

    In Österreich mögen ja Studenten vom Kindergeld und ähnlichem leben und studieren können in Deutschland geht das definitiv nicht. Auch gibt es beim nördlichen Nachbarn nicht für die Mehrzahl der Studenten ein Stipendium, wie es nach den Äußerungen der Autorin in Österreich der Fall ist.

    Naja und die dann folgende Aufstellung der Lebensumstände eines typischen Studenten ist das übliche Sammelsurium an Vorurteilen, wie es nur der losläßt, der sich in privilegierter Lage befindet.

    Zum guten Schluss kommt dann auch noch eine Centgenaue Berechnung der zumutbaren Studiengebühr. Fragt sich warum 728 € und nicht 729 €. Soll uns hier vielleicht die jährliche Verdoppelung der Studiengebühren schmackhaft gemacht werden ?

    Man kann über Sinn und Unsinn von Studiengebühren vielerlei sinnvolle Gedanken haben, aber die subjektive Klischeesammlung des Artikels enthält nicht einen davon.

  2. Gerrard

    am 10. August 2007 um 12:03 Uhr | Link | Kommentar melden

    schade…Es hätte ein guter Artikel werden können, so ist es doch nur billige Polemik geworden.

    Die Autorin zeigt in ihrem Artikel leider das niedrige Niveau, welches sie in ihrem Artikel bei den “Dauerstudenten” und “Jammerlappen” kritisiert.

    Zum Thema: Meiner Erfahrung (Studiengebühren in Deutschland) wird nicht über die Studiengebühren an sich gejammert, sondern es wird kritisiert, dass sich trotz Studiengebühren die Situation an den Universitäten nicht ändert (überfüllte Hörsäle, mangelhafte Lehrmittel, mangelhafte Professoren, unzumutbare Büroöffnungszeiten, etc.).

  3. Oliver

    am 10. August 2007 um 12:31 Uhr | Link | Kommentar melden

    Die Argumentation im Artikel lässt sich zusammenfassen: “Die sollen sich nicht beschweren, denn das ist ja gar nicht soviel Geld.” Ich nehme an, die Autorin ist bereit -da das ja nicht soviel Geld ist- einfach so mal für den nächstbesten Studenten den Betrag zu übernehmen -soviel Geld ist das ja nicht, und ob es jetzt Sinn macht, dass die Gebühr erhoben wird oder nicht ist völlig belanglos.

  4. Andy

    am 10. August 2007 um 12:38 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ein guter Artikel, der sehr schöne beschreib, wie das “gefühlte” Verhalten der heutigen Studenten - auch in Deutschland - ist.
    Wirklich interessant wäre eine Auswertung darüber, wie “Protestierer” und Studienthema korrelieren.

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