Die Kreditklemme bei kurzfristigen Krediten – insbesondere auch im Interbank-Markt – ist Ausdruck einer Vertrauenskrise hinsichtlich der Transparenz der Finanzmärkte.
Geld- und Kreditmärkte galten im Vergleich zu Kapital- und Gütermärkten als vergleichsweise transparent, da es jeweils aktuelle bzw. zeitnahe Informationen über die Situation von Schuldnern und Gläubigern geben sollte. Dieses Vertrauen ist derzeit schwer erschüttert worden. Einerseits haben Hypothekenbanken systematische Fehlbewertungen ihrer Kreditrisiken bei Hypotheken insbesondere bei Subprime-Hypotheken vorgenommen, andererseits haben Hedge-Funds und andere Private-Equity-Vermögensverwaltungen sich einer effizienten Kontrolle der Finanzaufsichtbehörden entzogen. Versuche, wie zuletzt beim G8-Gipfel in Heiligendamm, wurden von den USA und Großbritannien immer wieder blockiert. Das rächt sich jetzt.
Zentralbanken stemmen sich gegen Panik
Es ist ein unschönes Wort, wenn man von Panik an den Geld- und Kreditmärkten spricht. Allerdings ist das Ausmaß mit dem insbesondere die EZB durch einen so genannten Schnell-tender in Höhe von 95 Mrd.EURo Liquidität den Geschäftsbanken zur Verfügung gestellt hat, doch Ausdruck der ernsten Besorgnis der EZB, dass aufgrund der abrupten Beendigung der Bereitschaft zwischen Geschäftsbanken – wie zuvor – bereitwillig über den Interbanken-Markt einander kurzfristig Liquidität zur Verfügung zu stellen, eine Reihe von Instituten die Insolvenz drohen würde. Wenn letztere ihre Verbindlichkeiten nicht mit kurzfristigen Krediten am Interbank-Markt glattstellen könnten, könnte dies einen Dominoeffekt auslösen. Da offenbar niemand genau das Ausmaß der Finanzierungsprobleme derzeit einschätzen kann, wurde geklotzt und nicht gekleckert. Ähnlich wie im Fall IKB ist es offensichtlich die Strategie der EZB jedweden Verdacht, dass Geschäftsbanken insolvent werden könnten durch umfangreiche Stützung entgegenzutreten.
Die Fed und auch die japanische Zentralbank verfolgen dagegen offenbar eine weniger aggressive Strategie der Stützung der Geld- und Kreditmärkte. Dies ist insbesondere im Fall der USA verwunderlich, da ja schließlich die Subprime-Krise von dort seinen Ausgangspunkt hat. Eigentlich sollte man erwarten, dass in den USA der Liquiditätsbedarf der Geschäftsbanken und Hypothekenfinanzierer wesentlich größer ausfallen müsste als inEURopa. Gleichfalls ist Japan wie die Mehrzahl der asiatischen Länder sowie der Ölproduzierenden-Länder als Gläubiger in den USA involviert. Erneut stellt sich hier ebenfalls die Frage. Ist das Vertrauen in den USA und Asien größer in die Stabilität der Finanzmärkte als inEURopa?
Es wird sich rasch zeigen, welche der beiden Strategien erfolgreicher bei der Bekämpfung der Vertrauenskrise sein wird.
Der Markt für Asset-Backed Securities ist zusammengebrochen
Trotz der Liquiditätsschwemme, die kurzfristig durch die Zentralbanken derzeit bereitgestellt werden, ist zu erwarten, dass der Markt für Asset-Backed Securities (ABS) nachhaltig Schaden genommen hat. Bei Hypothekendarlehen handelt es sich ja um Darlehen, die durch den Immobilienwert der jeweiligen Immobilie abgesichert sind. Allerdings kann dies nur dann funktionieren, wenn der Immobilienwert nicht unter den Hypothekendarlehnswert fällt.
Hinzu kommt, dass mit der Schließung von ABS-Fonds wie zuletzt durch die BNS Paribas die Eigner von derartigen Papieren zum einen auf unbestimmte Dauer ihre dortigen Anlagen nicht mehr zu normalen Konditionen an die Bank verkaufen können. Des Weiteren droht den Eignern, dass bei Schließung eines solchen Fonds sie am Ende nur noch die Werte zurückerhalten, die sich bei der Liquidation des Fonds am Markt erzielen lassen. Beides sind Risiken, die bisher bei den jeweiligen Anlegern so nicht erwartet worden sind. Mithin ist das Vertrauen in ABS-Fonds als vergleichsweise sichere Anlageform damit nachhaltig erschüttert worden. Dieses wird sich so schnell nicht wieder zurückgewinnen lassen.
Geldpolitik ist kein Allheilmittel
Die Geldpolitik ist kein Allheilmittel, um Fehlallokationen von Realkapital wie Gebäuden oder Fabriken durch massive Liquiditätsbereitstellung in seinen nachteiligen Wirkungen zu verhindern. Hausbesitzer, die aufgrund ihrer Finanzierung im Zuge der veränderten Kreditkonditionen ihre Darlehen nicht mehr bedienen können, werden um eine Insolvenz nicht herumkommen. Folgt man den Schätzungen des Joint-Economic-Committee des US-Congress, dann werden sich rund 2,2 Mill. US-Haushalte von ihrem Häuschen unter mehr oder weniger traumatischen Bedingungen trennen müssen. Kein geringer Dämpfer für die privaten Konsum in den USA, denn wer mehr oder weniger bankrott ist, hat kein Geld mehr für Konsumausgaben, die über dem Subsistenzniveau liegen. Die Hartz-IV-Empfänger in Deutschland wissen diesbezüglich ein Lied zu singen.
Kreditpositionen, die auf Ertragserwartungen basieren, die sich bei einer veränderten Marktlage auch mittel- bis langfristig nicht mehr realisieren lassen, kommen gleichfalls um die Insolvenz letztendlich nicht herum. Gelingt keine Zwischenfinanzierung geht es schneller, gelingt dies nur vorübergehend, dann dauert es etwas länger. Das Ende ist jedoch unausweichlich. Von daher ist die Hoffnung, dass die Geldpolitik allen Schuldnern und Gläubigern aus ihren Schwierigkeiten heraushelfen kann, eine Illusion. Derzeit bekämpft die Geldpolitik nur eine Panik an den Finanzmärkten, die zu einem Überschießen bei der Anpassung nach unten führen würde. Eine Konsolidierung der faulen Kredite im Sinne eines Bailout für Jedermann wird es jedoch nicht geben.
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