Die seit rund zwei Wochen ausgebrochene Vertrauenskrise, die derzeit ihren massivsten Ausdruck in einer weltweiten Liquiditätskrise des Geschäftsbankensystems findet, zeigt schonungslos institutionelle Schwächen globaler Finanzmärkte auf. Immer komplexere Finanzderivate, die weltweit gehandelt werden, führen zu massiven Problemen bei der Transparenz der mit entsprechenden Fonds verbundenen Risiken.
Scheinbar risikoarme Fondanleihen entpuppen sich als erheblich risikobehafteter als es den Anschein hat. Für dieses Versagen tragen insbesondere auch die Ratingagenturen, die als externe neutrale Kontrollinstanzen entsprechende Bewertungen bereitstellen sollen, einen erhebliche Verantwortung. Nicht zuletzt wegen der Fehlbewertungen, die jetzt bei ABS-Fonds insbesondere im Subprime-Hypothekenmarkt offensichtlich geworden sind, fragen sich weltweit Anleger, wie viel Vertrauen in diese Ratings gesetzt werden kann. Auch bei Enron oder Worldcom merkten die Rating-Agenturen viel zu spät, was in diesen Unternehmen an Kapitalvernichtung stattgefunden hatte.
Basel II und die Verhinderung eines besseren Risikomanagements
Spätestens seit der Asien- und Russlandkrise 1998 war allen Beteiligten insbesondere auch dem IWF und der BIZ klar, dass eine weltweite Liberalisierung der Finanzmärkte im Zuge der Globalisierung eine neue Finanzarchitektur erforderlich macht. Nationale Finanzaufsichtbehörden wie das BaFin in Deutschland oder die SEC in den USA können nur in begrenztem Umfang den globalen Finanzverkehr überwachen und Risiken, die sich bei grenzüberschreitenden Finanzmarkttransaktionen ergeben, erfassen. Die Lösung des Monitoring-Problems durch den IWF durch den regelmäßig veröffentlichten Global Financial Stability Report sowie durch die BIZ konsolidierten Finanzmarktstatistiken reichen hierfür bisher nicht aus.
Der Versuch durch Basel II die Geschäftsbanken zu einer kontinuierlichen Risikobewertung ihrer Finanzportefeuilles zu zwingen ist jedoch seither immer wieder auf Widerstand gestoßen. Ein zentrales Element gegen die rasche und vollständige Umsetzung von Basel II war immer wieder, dass es die Kreditzinsen für Kreditnehmer niederer Bonität deutlich anheben würde. Der bisher offenbar nicht korrigierte Bias bei der Bonitätsprüfung der Banken, schlechte Risiken ihrer Kreditnehmer zu optimistisch zu bewerten, sollte im Zuge der Reform reduziert, wenn nicht gar verhindert werden. Insbesondere die USA und Großbritannien aber auch andere Länder haben an eine Verzögerungstaktik sowie einer sukzessiven Aufweichung der Regeln von Basel II betrieben. Diese Nachlässigkeit rächt sich jetzt. Wäre der ursprüngliche Zeitplan eingehalten worden, dann wären in diesem Jahr bereits die Basel II-Regeln intakt.
Ratingagenturen sind keine Alternative
Ratingagenturen wie Moods, Saving and Poors oder Fitch sind keine Alternative zu einer wirkungsvollen öffentlichen globalen Finanzaufsicht. Sie sind Wirtschaftsunternehmen, die miteinander um Ratingaufträge der zu bewertenden Unternehmen konkurrieren. Würde eine Agentur deutlich schlechtere Ratings als andere erteilen, dann wanderten die Unternehmen zu den Schönfärbern ab. Schliesslich bezahlten sie die Ratingagenturen dafür, ein positives Rating zu erhalten. Mithin stehen diese Agenturen vor dem Dilemma den Kunden zufrieden zu stellen und andererseits die Anleger, die diese Wertpapiere erwerben ein objektives Rating zu liefern. Offensichtlich ist der wirtschaftliche Druck der Auftraggeber größer als das öffentliche Interesse der Gemeinschaft der Anleger.
Was ist zu tun?
Es ist erneut festzustellen, dass es einer in sich konsistenten globalen Finanzarchitektur bedarf, die vor Manipulationen dominanter Einzelinteressen dem Allgemeinwohl der weltweiten Anlegerinteressen verpflichtet ist. Diese erforderte eine wirksame Kontrolle auch der Finanzinvestoren, die als Nicht-Banken wie Hedge-Fonds oder Private-Equity sich der Finanzaufsicht wirkungsvoll entziehen. Durch Offshore-Niederlassungen in der Karibik oder anderswo gelingt es ihnen, unkontrolliert weltweit die Liquidität auf den Geld- und Kapitalmärkten auszuweiten. Dies führt zu erheblichen spekulativen internationalen Kapitalbewegungen, die durch regulatorische Eingriffe der nationalen Zentralbanken nur unvollkommen kompensiert werden können. Man kuriert dort am Symptom einer unerwünschten weltweiten Liquiditätsschöpfung, aber man verfügt über kein Instrumentarium, die weltweite Geldschwemme zu begrenzen.
Die Bullen an den Finanzmärkten spekulieren geradezu auch diese Situation, da die Zentralbanken als Lender-of-Last-Resort zwar in einer Krise das Schlimmste durch massive Liquiditätshilfen wie derzeit verhindern, aber dem Übel an der Wurzel nicht abhelfen können.
Mithin steht spätestens mit dem Ende der jetzigen weltweiten Finanzmarktkrise erneut das Problem einer stabilen globalen Finanzmarktordnung auf der Agenda des IWF, der BIZ sowie der G8-Staaten.
Hierzu zählt auch ein globales Wechselkurssystem, das globale Ungleichgewichte wirksam frühzeitig korrigiert und verhindert, dass durch Kursmanipulationen einzelner Länder, wie notorisch in Asien, ein exportorientiertes Wirtschaftswachstum zu Lasten anderer Länder durch nachhaltige Unterbewertung der eigenen Währung vermieden wird. Der Worte sind seit Jahren genug gewechselt worden. Es müssen Taten folgen. Wir brauchen dringend eine bessere globale Governance der Finanzmärkte, die sich an den Interessen der weltweiten Anleger orientiert und insbesondere die Kleinanleger wirkungsvoll vor Manipulationen von Insidern schützt.
Foto: Dave Gorman via Flickr. Bestimmte Rechte vorbehalten
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