Ruanda – nachhaltige Hilfe durch fairen Kaffeehandel

Es ist vier Uhr morgens, mein Tag beginnt. In der jetzigen Lebensphase benötige ich keinen Wecker, da meine innere Uhr mir den Tagesbeginn meldet. Ich stehe an der Kaffeemaschine, die mit frischem Kaffeemehl aufgefüllt ist. Das heiße Wasser blubbert durch die Maschine. Ich rieche frisch gebrauten Kaffee. Der sahnige Kaffeeschaum

regk.jpg Es ist vier Uhr morgens, mein Tag beginnt. In der jetzigen Lebensphase benötige ich keinen Wecker, da meine innere Uhr mir den Tagesbeginn meldet. Ich stehe an der Kaffeemaschine, die mit frischem Kaffeemehl aufgefüllt ist. Das heiße Wasser blubbert durch die Maschine. Ich rieche frisch gebrauten Kaffee. Der sahnige Kaffeeschaum zerfällt auf der Oberfläche in der Tasse. Allein der Vorgeschmack und der Geruch betören mich. Ich widme mich der Morgenzeitung und koste den ersten Schluck Kaffee, der irgendwo in Afrika, Asien oder Südamerika angebaut und gepflückt wurde…

Ich lebe in einem westfälischen Dorf in Deutschland. Dort gehört Kaffee in jeden Haushalt, in jedes Gasthaus, in jeden Kaffeeshop und speziell in jedes Cafe, zu jedem Treffen und zu jedem Beisammensein. Viele Leute machen auf Grund dieser Verhältnisse in unserer Kultur aus der Versorgung mit Kaffee ein gutes Geschäft. Vom Kaffee lebt eine ganze Industrie, auch im Handel und in der Gastronomie ist er ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Mit Ausnahme der Kaffeebauern in Afrika erhalten alle Beteiligten ihren fairen Anteil am Kaffeegeschäft.

In Afrika, z. B. in Ruanda, werden die Kaffeefrüchte per einem Kilogramm mit einemEURo gehandelt. In Deutschland bezahlte ich neulich mehr als neunEURo für ein Kilo gemahlenen Kaffee.

Auf der Kaffeepackung lese ich Reizworte wie: “extra mild, entsäuert, magenschonend, umweltfreundlich €¦.” Dies sind für mich heute alles leere Worte, Slogans und Worthülsen. Die Werbung auf den Kaffeepackungen wirkt auf mich wie billiges und flaches Gerede, dass den Absatz fördern soll, aber in keiner Weise auf die armen, hart malochenden Menschen auf den Kaffeeplantagen hinweist.

Falsches Mitleid? Ich kenne Kaffeebauern in Afrika aus eigener Anschauung und muss sagen, ihre Plantagen und Häuser umgibt nichts von der in der Literatur beschriebenen Aura. Die modische Ausstattung wie in unseren Kaffeehäusern €“ teilweise noch in schwerem, antiken Plüsch – und Plumstil – hat Afrika nie erreicht. Statt in Wohlstand leben dort auch die Kaffeebauern nur an der Überlebensgrenze. Bei den Kleinbauern und in den Genossenschaften wird nicht über die neuesten Kaffeespezialitäten gesprochen. Schlechte Weltmarktpreise, Dürre, das nackte Überleben, wie werden morgen die Kinder satt, beherrschen ausnahmslos die Gesprächsthemen. Die häufigen Trockenperioden machen Angst und führen die Abhängigkeit vom Wetter, Markt und Kaffe schonungslos vor Augen.

Kaffee hat eine lange Geschichte und seinen Ursprung in Afrika.

Arabische Händler sorgten für die Verbreitung des Kaffees in der gesamten Welt. Geistliche und Gelehrte trinken bevorzugt Kaffee, da er wach hält, geistig anregt und den Kopf klar macht. Kaffee hat mehr als alle anderen Getränke die Welt verändert. DieEURopäischen Kaffeehäuser waren die Brutstätten für gravierenden Wandel in England, Frankreich, Deutschland und Österreich. Kaffeehäuser wurden sogar von Regierungen und Herrschern verboten, um klar denkende Menschen mit revolutionären Gedanken nicht aufkommen zu lassen. Auch der amerikanische Unabhängigkeitskrieg hat seinen geistigen Ursprung in einem New Yorker Kaffeehaus gehabt. Selbst heute finden viele Geschäfte, Sitzungen, Meetings, gesellschaftliche und auch romantische Treffen unter Kaffeedampf statt. Kaffee ist eine ergiebiger Geschäftszweig, an dem leider der afrikanische Kaffeebauer kaum Teil hat.

Was muss denn nun geschehen, dass es den Ruandischen Kaffeebauern in Zukunft besser geht?

Ein erster Schritt wäre der freie Marktzugang in den Industrieländern. Speziell Ruanda möchte nicht als die Hand aufhaltende Entwicklungsnation gesehen werden. Es wünscht sich vielmehr freie Märkte in den Kaffee konsumierenden Ländern, damit erst einmal der Rohkaffee zu marktgerechten Preisen verkauft werden kann.

Zweitens sollten die noch aus der Kolonialzeit stammenden Einschränkungen, die den afrikanischen Kaffeebauern die Ausfuhr gerösteten und abgepackten Kaffees verbieten, aufgehoben werden. Der afrikanische “Arabische Kaffee” ist übrigens von hervorragender Qualität, was die kürzlich erfolgreiche Markteinführung in China einmal mehr bestätigt.

Die Politik der westlichen Welt, die UNO und die unterschiedlichsten Hilfsorganisationen behaupten, die Armut in Afrika müsse gezielt und verstärkt mit finanzieller Hilfe bekämpft werden. Dieser lobenswerte Ansatz berücksichtigt aber nicht, dass die Afrikaner weniger Geschenke erwarten, als dass sie vielmehr die Möglichkeiten suchen, eigene Werte zu schaffen, die ihren Lebensstandard verbessern. Eine Lösung wäre z. B. geboten, wenn die Afrikaner nicht nur Kaffee, Tee, Baumwolle usw. anbauten, sondern auch die Veredlung dieser Produkte durch sie vor Ort erlaubt wäre. Der unbegrenzte Warenaustausch (Bartergeschäfte) würde den Lebensstandard in Afrika entscheidend steigern.

Der bisherige einseitige Warenfluss ist im wahrsten Sinne des Wortes unfair, da die parallel laufenden Geldströme immer zu Gunsten des wirtschaftlich Stärkeren manipuliert werden.

Für eine Tasse Kaffee werden fünf Gramm Kaffeemehl benötigt. Die Tasse wird zwischen 1,5 und 2,5EURo gehandelt. Aus einem Pfund Kaffee gewinnt man folglich 100 Tassen zu einem Verkaufspreis von 150 bis 250EURo. Nach aktuellen Preisen erhält der afrikanische Kaffeebauer für ein Pfund Kaffeefrüchte durchschnittlich 0,5EURo. Rechnerisch erhält der afrikanische Kaffeebauer somit weniger als ein halbes Prozent vom Marktwert des Kaffeemehls. In den Lehrbüchern der westlichen Welt wird von mindestens drei Prozent Umsatzrendite gesprochen. Sollte dieser Lehrsatz nicht auch für Afrika gelten?

Fairer Handel kann sich nur auf der Basis gerechter Produktwerte entfalten. Jeder muss die Möglichkeit erhalten, nach seinen Fähigkeiten Produktwerte zu schaffen und diese auf freien Märkten (ohne Zölle, Subventionen, Handelsschranken) in Geld umzusetzen.

Es ist nun fünf Uhr am Morgen und ich brühe mir erneut eine Tasse Kaffee auf. In Gedanken bin ich in Ruanda bei den Kleinbauern und in den Genossenschaften. Mein Wunsch, zu helfen und Lösungen zu finden, ist unbändig.

Als ersten Schritt beschließe ich, für jede getrunkene Tasse Kaffee einenEURo als Marktausgleich zu Gunsten der Kaffeebauern in Ruanda zu spenden. Über 85 Prozent der dortigen Bevölkerung lebt von der Arbeit in der Landwirtschaft. Ich bin sicher, dass meine Dauerspende, ich werde nämlich weiterhin Kaffee trinken, über die Franziskaner-Mission ungemindert und zielsicher die Hilfsbedürftigen in Ruanda erreicht.

Auf Dauer muss das Spendenaufkommen in Abstimmung mit den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe werden, der einzige Weg aus der Abhängigkeit. Dafür setze ich mich ein. Übrigens ein Besuch in Afrika ändert unweigerlich das Weltbild und dessen Maßstäbe…

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  1. Anzumerken bleibt, nicht DER WESTEN verdient, sondern nur einige wenige, nämlich genau die Händler. Dies ist ein immer wieder vergessenes Merkmal jeglichen internationalen Handels. Da hilft auch nicht die Forderung nach Öffnung des Marktes, der würde im besten Fall nur dazu führen, dass statt eines Jakobs ein Achmed die Margen abgreift. Dem Bauern wäre dadurch nicht geholfen.