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Politik + Social Media

Hacker in der UN, Ägyptens Zukunft und das estnisch-russische Verhältnis - Bürgerjournalismus weltweit

Donnerstag, den 16. August 2007 um 19:38 Uhr von Redaktion Readers Edition
Diese Worte waren an
Ban Ki-Moon gerichtet…
Foto: Wikipedia

Hacked By Kerem 125 M0sted And Gsy That Is CyberProtest Hey Ysrail and Usa dont kill children and other people Peace for ever No war”

Diese politische Nachricht hinterließ am 12. August ein Hacker, dem es gelang, sich auf die Internetseite der UN einzuklinken, auf der die Reden von Ban Ki-Moon nachzulesen sind.

Ronda Hauben fasst auf OhmyNews die Diskussionen der internationalen Hackerszene zusammen, die sich in Blogs über das Ereignis austauschen. Obwohl man als Laie denken könnte, dass die UN eine der bestgeschützten Internetseiten der Welt habe, ist dem nicht so - ein Schlüsselwort (”dont” ohne Apostroph) weise darauf hin, wie man das System überliste. Generell, so ließe sich aus den Bemerkungen der Blogger schließen, sei es immer wieder erstaunlich, dass die größten Unternehmen oft die schlechtesten Sicherheitsvorkehrungen hätten; sie kauften offenbar alles, was ihnen angeboten würde. Noch erstaunlicher ist wohl, dass die Nachricht des „Cyberterroristen“, wie der Hacker trotz seines Aufrufs zu Frieden genannt wurde, auch am Montag Abend noch zu lesen gewesen sei.

Ein anderer Artikel auf OhmyNews, wieder einmal von Alan Mota, befasst sich mit dem Rücktritt von George W. Bushs politischem „Architekten“ und ältesten Berater Karl Rove. Einen wesentlichen Grund dafür sieht der Autor in seiner Analyse nicht etwa in der Sehnsucht nach der Familie, die der Politiker als Grund angibt, sondern als eine Art Flucht vor den Anklagen, denen er sich stellen müsse: Rove werde unter anderem von sowohl Demokraten als auch Republikanern der Erpressung und des illegalen Verhaltens während der Wahlkampagnen verdächtigt. Zudem soll er Staatsanwälten aus politischen Gründen gefeuert haben. Als weniger großes „Tier“ könne er mit milderen Strafen rechnen – denn die juristische Munition werde jetzt für jemand wichtigeres benötigt, der sich noch im Weißen Haus befände….

Global Voices

“Von Nasser zu Mubarak und weiter” lautet der Titel einer sehr schönen Blogschau von D B Shobrawy, die sich die Beschreibung von Ägyptens Entwicklung zum Leitfaden gemacht hat. Maryanne Stroud Gabbani beispielsweise erinnert an die schwierige Zeit nach der Revolution während Nassers Bemühungen, das Land zu sozialisieren. Forsoothsayer beschreibt die schwierige Stellung der Frau, für die das Gesetz “Der Staat ist dafür verantwortlich, Gleichheit für alle Bürger zu schaffen” oft nicht zuträfe.

Einen Blick in die Zukunft dagegen wirft Zeinobia, die ihrem Land eine radikale politische Änderung prophezeit.

Oh nein! “Estadao” hat mich entlarvt! Screenshot via charles.pilger.com.br

In Brasilien habe, so schreibt José Murilio Junior eine klassische Zeitung (Estadao) in der Blogosphäre für Aufruhr gesorgt, indem sie in einer Werbung für ihre eigene Website Blogger mit Affen verglich und auf diese Weise versucht habe, die Informationsquelle Blogs (die in Brasilien einen erstaunlich hohen Stellenwert hat) als wertlos darzustellen. Das Video auf Youtube ist leider auf Brasilianisch). Dass viele Blogs diesen Angriff persönlich nahmen und die Diskussion aus dem Netz inzwischen auch von anderen Printmedien aufgegriffen wurde, kann im Grunde nur als sehr gelungene Marketingstrategie bezeichnet werden. Das einzige Mittel, damit umzugehen sei wohl Humor – und etliche Blogs (hier der von Charles Pilger) machten sich über den „Angriff“ durch Estadao lustig.

Agoravox

Aleks Tapinsh beschäftigt sich mit einer in den estnischen Medien verbreiteten Umfrage über das russisch-estnische Verhältnis. Dieses Verhältnis bezeichnet 90 % der Esten und 73 % der russischen Minderheit in Estland als äußerst schlecht – kein Wunder nach den Verwerfungen im russisch-estnischen Verhältnis, die es im April diesen Jahres gab, nachdem die estnische Regierung beschlossen hatte, ein sowjetisches Kriegerdenkmal in Tallinn zu verlegen. Gewaltsame Proteste seitens der russischen Minderheit und schwere diplomatische Störungen zwischen den beiden Ländern waren die Folge. Dieses gestörte Verhältnis nun wieder in bessere und vorallem freundlichere Bahnen zu lenken – dazu ist der Goodwill beider Länder nötig, ist nun das Ergebnis der Studie: 58 % aller „ethnischen Esten“ und immerhin 64 % aller „etnischen Russen“ in Estland sind der Meinung, dass sich die Krise nur beilegen läßt, wenn beide Länder aufeinander zugehen. Diese Abkehr von bloßem Schwarz-Weiß-Denken gibt Anlaß zur Hoffnung.
James Anthony Mehrle Jr aus New York hat sich kürzlich den Spielfilm „Little Miss Sunshine“ angesehen und kommt, angeregt durch das Thema des satirischen Films, in dem es um Schönheitswettbewerbe für Kinder geht, zu dem Schluß, dass ein solcher Wettbewerb das verkehrteste sei, was man einem Kind antun könne. Kinder sollten Kinder sein, die spielen, aufwachsen und lernen sie selbst zu sein, anstatt zu versuchen, Perfektion hinsichtlich des geforderten „Complete Package“ (Aussehen, Schönheit, Haltung, äußerliches Selbstbewußtsein) zu erlangen. Gerade die Kinder, die nicht zu den Gewinnern der Wettbewerbe gehören, würden durch die Botschaft „Du bist nicht perfekt genug so wie Du bist“ einen erheblichen Schaden erleiden – und das nur weil häufig ehrgeizige Eltern von ihrem Kind Dinge erwarten, die sie selbst nicht erreichten.

Marie Naumann & Martin Stahlke

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4 Reaktionen zu “Hacker in der UN, Ägyptens Zukunft und das estnisch-russische Verhältnis - Bürgerjournalismus weltweit”

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  1. Ilja Kogan

    am 16. August 2007 um 21:23 Uhr | Link | Kommentar melden

    Liebe Frau Naumann und Herr Stahlke,

    vielen Dank für Ihre Zusammmenfassung.
    #####
    Noch erstaunlicher ist wohl, dass die Nachricht des „Cyberterroristen“, wie der Hacker trotz seines Aufrufs zu Frieden genannt wurde, auch am Montag Abend noch zu lesen gewesen sei.
    ####
    Was würden Sie alternativ vorschlagen?

    http://www.unodc.org/unodc/terrorism_definitions.html
    Siehe die 4. Version.

    Terrorism is an anxiety-inspiring method of repeated violent action, employed by (semi-) clandestine … group …for.. political reasons, whereby… the direct targets of violence are not the main targets. The immediate human victims of violence are generally chosen … selectively (representative or symbolic targets) from a target population, and serve as message generators. Threat- and violence-based communication processes between terrorist (organization), (imperilled) victims, and main targets are used to manipulate the main target (audience(s)), turning it into a target of terror, a target of demands, or a target of attention, depending on whether … or propaganda is primarily sought” (Schmid, 1988).

    (Ich habe es aus reinen Verständniss-Gründen gekürzt, bei Sachen, bei dennen ich glaube, dass es diesen Fall nicht betrifft)
    Wenn die politische Nachricht nicht da gewesen wäre, würde es eine rein Kriminelle Handlung sein. So könnte aber die mit der politischen Meinung verbundene Straftat, die auf die Beinflussung großer Massen abzielt als ein terroristischer Akt ausgelegt werden. Und weil die “Gewalt” eben nicht reel, sondern virtuell war, ist es eben ein “Cyberterroristischer” Akt. Nur weil sie sich mit der Aussage identifizieren können, bedeutet nicht unbedingt, dass die Tat auch gut ist.

    Wie gesagt, es wäre wirklich sehr interessant zu erfahren, wie sie diese Tat, die durchaus starken einseitige und propagandistische Züge trägt bezeichnen würden.

  2. Marie Naumann

    am 17. August 2007 um 11:06 Uhr | Link | Kommentar melden

    Lieber Herr Kogan,

    haben Sie herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Zwei Dinge möchte ich dazu antworten: Zum einen ist der Überblick tatsächlich eine Zusammenfassung dessen, was auf anderen Bürgerjournalismus Seiten zu lesen ist; der Begriff “Cyberterrorismus” stammt nicht von uns.
    Zum anderen aber finde ich Ihre Frage, wie wir diese Tat bezeichnen würden, interessant - da kann ich allerdings nur für mich selbst antworten:
    Sie berufen sich auf die Terrorismus-Definition von Schmid und unterstreichen, dass die Nachricht, da sie eine kriminelle Straftat verbunden mit einer politischen Meinung darstellt, als Terrorismus, virtuellen oder eben “Cyberterrorismus”, bezeichnet werden könnte. Das hieße, dass auch jeder Grafitti-Sprayer, der eine politische Nachricht auf einer Hauswand hinterläßt, als Terrorist bezeichnet werden könnte. Soweit würde ich selbst in keinem Fall je gehen. (Gewissermaßen, könnte man sagen, handelt es sich bei dem Hacker somit um einen virtuellen Sprayer.)
    Meines Erachtens lassen Sie in Ihrer Argumentation einen wesentlichen Aspekt des Terrorismus, der ja auch in der von Ihnen zitierten Definition anklingt, außer acht, nämlich den Aspekt der “immediate human victims of violence”, der unmittelbaren menschlichen Opfer der Gewalt. Im Fall des Hackers gab es keine menschlichen Gewaltopfer.
    Gewiss könnte man jetzt argumentieren, daß auch die Übertretung des geschützten virtuellen Raumes der UN eine Form von Gewalt sei. Ich selbst würde jedoch nicht soweit gehen, diese Form von Grenzüberschreitung als Terrorismus zu bezeichnen, zumal der Inhalt der Nachricht, den man nicht ausser acht lassen kann, gleichgültig, ob man ihr zustimmt oder nicht, weder einen Aufruf zur Gewalt, noch eine Drohung, noch eine direkte Beleidung jedweder Art beinhaltet.
    Die Definition des Terrorismus, auf die ich mich berufen möchte, ist jene von Kofi Annan, die besagt, dass eine Handlung “als terroristisch zu bezeichnen ist, falls diese mit dem Ziel verfolgt wird, Tod oder ernsthafte Verletzungen an Zivilisten oder Nicht-Kämpfenden zu verursachen mit der Absicht, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder eine Regierung oder internationale Organisation so zu beherrschen, dass diese etwas bestimmtes tut oder nicht tut.” All das triftt auf den “Cyber-Sprayer” nicht zu.
    Annans Defintion von Terrorismus birgt meines Erachtens einen weiteren Vorteil: Hält man sich an sie, wird verhindert, dass es zu einem inflationären Gebrauch des Begriffes, der mit dem Tod von tausenden Menschen in Verbindung zu setzen ist, kommt. Für einen solchen inflationären Gebrauch ist - meiner Meinung nach - die Bezeichnung des UN-Hackers als “Cyberterrorist” ein schönes Beispiel.

    Als alternative Bezeichnung, wie man den Hacker bezeichnen könnte, hat mir Ihr Vorschlag gut gefallen: Als Straftäter, dessen Tat eine politisch einseitige Aussage mit propagandistischen Zügen birgt.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Marie Naumann

  3. Ilja Kogan

    am 18. August 2007 um 15:09 Uhr | Link | Kommentar melden

    Leibe Frau Naumann,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Ich stimme mit Ihnen überein, frage aber: Wieso steht das nicht oben im Artikel?

    Lassen Sie grob ihre Antwort Zusammenfassen:
    Ist der Mensch ein Terrorist?
    Nein
    Warum nicht?
    Weil seine Tat kein Kapitalverbrechen ist

    Damit kann ich sehr gut leben.
    Was steht jedoch im Artikel:
    ####
    dass die Nachricht des „Cyberterroristen“, wie der Hacker trotz seines Aufrufs zu Frieden genannt wurde
    ####
    Ist der Mensch ein Terrorist?
    Nein
    Warum nicht?
    Weil er zum Frieden aufgerufen hat.

    Auf die Gefahr hin als Korinthenkacker dazustehen habe ich das bemängelt.

    Aber ich freue mich, dass wir das Mißverständniss klären konnten.

    MfG
    Ilja Kogan

  4. Marie Naumann

    am 23. August 2007 um 12:54 Uhr | Link | Kommentar melden

    Lieber Herr Kogan,
    diese Argumentation steht deshalb nicht im Artikel, weil es sich mit der Reihe “Bürgerjournalismus weltweit” um eine Darstellung dessen handelt, was auf anderen Bürgerjournalismusprojekten steht. Aus dem gleichen Grund ist im Artikel auch der Begriff “Cyberterrorismus” zu lesen - wir haben ihn übernommen, weil er in dem zitierten Artikel eine Rolle spielt.
    Mehr zu dem Projekt lesen sie hier: http://www.readers-edition.de/2007/06/29/global-digest-buergerjournalismus-weltweit/
    Mit den besten Grüßen,
    Marie Naumann

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