Politik + Sport + Vermischtes
Wahlen in Kasachstan, Ausländerhetze und Beckham als Zugpferd - Bürgerjournalismus weltweit

- Die Erde bebte und tat sich auf. Photo: Alberto Arévalo
Global Voices : Adam Kesher berichtet von der Lage in Kasachstan. Dort werden am 18. August Wahlen abgehalten – allerdings unter einigen merkwürdigen Umständen. Ungefähr zehn Prozent der Abgeordneten des Unterhauses werden von der „Versammlung der Völker Kasachstans“ gewählt, die 1995 ins Leben gerufen wurde, dem Präsidenten Nursultan Nasarbajew untergeordnet ist und so etwas wie eine Vertretung der ethnischen Minderheiten darstellen soll. Da aber deren Zusammensetzung ebenso unklar ist wie die durch die Versammlung Gewählten, ergibt sich ein nicht sonderlich demokratisches Bild.
Auch die sogenannte „Legalisierung von Besitz und Geld“ sorgt für Probleme: die Opposition sieht dies als einen Versuch der Geldwäsche – Profiteure dieser seien vor allem Mitglieder der regierenden Nur-Otan Partei (Strahlendes Vaterland) und deren Verwandten. Immerhin zitiert Kesher den Blogger miliz-kz (Link in Russisch) der hoffnungsvoll ist, dass diese Opposition mittlerweile ein gutes Bild gibt und nicht mehr in kleine Grüppchen zerfallen ist, auch wenn das, wie er zugibt, keine große Rolle bei der Wahl spielen wird.
Bankenkrise in Kasachstan
Ein weiteres Thema, möglicherweise noch wichtiger aufgrund der Vorhersehbarkeit des Ausgangs der Wahlen, ist die derzeitige Bankenkrise in Kasachstan. Die oben erwähnte „Legalisierung“, länger anhaltende Gerüchte über einen bevorstehenden Kollaps des kasachischen Bankensystems und nicht zuletzt die US-amerikanische Finanzkrise haben dazu geführt, dass das Thema „Wahlen“ in der kasachischen Blogosphäre verdrängt wurde. Alle großen Banken haben die Anzahlungsrate bei Krediten und Hypotheken drastisch gessenkt, zwei Banken geben bis September überhaupt keine Kredite mehr aus. Für Finanzexperten steht allerdings außer Frage, dass die vorhandenen Stabilisierungsinstrumente (Gold und Devisen Reserven) und der stabile Erdölpreis ausreichen werden, um eine deutlichere Krise abzuwenden.
Erdbeben in Peru
Juan Arellanogibt einen Überblick über den Blogs und Sites, die sich mit dem Erdbeben in Peru befassen. Dabei starben in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wahrscheinlich mehr als 330 Menschen (bei 827 Verletzten).
So erzählt Niña Goya in ihrem Blog davon, wie sie und alle anderen Gäste des Cafés, in dem sie sich gerade aufhielt, in Panik aus dem Gebäude rannten, um zu flüchten. Pospost berichtet in Wort und Video von den Zerstörungen in der Stadt Pisco, der alten peruanischen Stadt, die auch Namensgeber für das beliebte südamerikanische Getränk ist. MiGeo ist das Blog eines jungen Geologiestudenten aus Lima, neben allerhand geologischen Informationen über das Erdbeben warnt er vor allem vor falscher Panik in Angst vor neuen Beben, die offenbar durch Emails und SMS angekündigt werden. Auf estalla mi alma finden sich zwei weitere Videos. Einen weiteren Überblick über verschiedene Sites bieten globalizado und die peruanische Zeitung La República.
Schließlich weist Arellano noch auf die Flickr Seite von Alberto Arevalo mit Fotos von Schäden, die in der Infrastruktur entstanden sind, hin.
Forderung des Separatistenführers in Kaschmir: Ausweisung aller Gastarbeiter
Die indische Bürgerjournalismus Seite Merinews titelt heute unter anderem mit einem Artikel über den indischen Bundesstaat Kaschmir, beziehungsweise genauer über eine Aussage, die Syed Ali Shah Geelani, eine der einflussreichsten Persönlichkeiten und Separatistenführer in Kaschmir, gemacht hat. Er habe während einer Konferenz gefordert, dass alle Gastarbeiter, meist aus Bihar stammend, das Kaschmir-Tal innerhalb einer Woche verlassen sollten.
Grund dafür sei die Vergewaltigung und Ermordung eines jungen Mädchens gewesen; zwei der vier Täter seien als Nicht-Kaschmiri identifiziert worden. Die Aussprüche, die Geelani gegen die, teils seit über 12 Jahren in der Provinz lebenden Gastarbeiter tat, sind voller rassistischer und xenophober Ressentiments. Entsprechend habe eine militante Gruppe seine Forderung sofort aufgegriffen und sei gewaltvoll gegen die Ausländer in der Region vergegangen, die seitdem in Angst und Schrecken lebten und denen zudem jetzt häufig ihr Gehalt vorenthalten werde.
Erst das Einschreiten der indischen Regierung, die die Verfolgung und Verhaftung von Geelani forderte, und die empörte Reaktion von Medien und Teilen der Bevölkerung habe dazu geführt, dass Geelani seine Aussage revidierte: Nur kriminelle Nicht-Kaschmiri sollten die Provinz verlassen… Für Menschen aus Kaschmir, die in anderen Teilen Indiens arbeiteten, könnten die Vorgänge in ihrem Bundesstaat große Probleme bedeuten, so der Autor des Artikels, Danish Manzoor.
Das Festival of Patriotic Films und ein Sieg im Cricket gegen England
In den zwei anderen Top-Artikeln der Seite beschäftigt sich zum einen Ajit Kumar mit dem Festival of Patriotic Films, das anlässlich der 150-Jahr-Feier des ersten Unabhängigkeitskrieges in Delhi stattfand, sowie zum anderen Ashok K. jha mit dem indischen Nationalsport Cricket: Gefeiert wird der Sieg gegen England in einer Serie von Testspielen.
Der Unterschied zwischen dem amerikanischen „Soccer“ und dem englischen „Football“: Soccer ist brav, unmännlich und verpönt
Ebenfalls um Nationalsportarten geht es in einem der Top Five Artikel von Ohmynews. Richard DeLaurell erklärt auf ebenso amüsante wie gut informierte Weise den Unterschied zwischen dem amerikanischen „Soccer“ und dem englischen „Football“, die auf Deutsch beide mit dem Wort „Fußball“ übersetzt werden. Allerdings bezeichnet in Amerika „Football“ „American Football“, ein Sport, in dem gepanzerte Helden mit Helmen um einen pflaumenförmigen Ball kämpfen, indem sie immer wieder gegeneinander rempeln. Soccer, also „unser“ Fußball, sei dagegen, so der Autor, in den USA eine Nischensportart, die als brav und unmännlich ein wenig verpönt sei. Viele Fußball- bzw. Soccer-Fans schienen sich zu wünschen, dass das europäische Spiel auch in Amerika den Stellenwert des amerikanischen Football einnehmen könnte – und dass sich damit auch die Bezeichnung der Sportart dem britischen und internationalem Begriff anpasse. Vielleicht könne dabei ein englischer Bursche helfen? Oder sollte sich der Star David Beckham, der schon so viele Pullover und Spieltickets verkauft habe wie kaum einer je zuvor, und sein erstes Tor für L.A. Galaxy schoss, gar dem amerikanischen Ausdruck beugen?
Was geschehen kann, wenn man einen Mietvertrag unterschreibt, ohne das Kleingedruckte zu lesen,…
…hat eine Britin erfahren, deren Geschichte Karen Lesley Evans aufgeschrieben hat: Die 79jährige Britin Ivy hatte nach dem Tod ihres Mannes beschlossen, das viel zu große gemeinsame Haus zu verkaufen, und sich von den Erträgen eine kleinere Mietwohnung zu nehmen. Als jedoch die Wohnung über ihrer renoviert wurde, kam es neben dauerndem Lärm, Staub und Behinderungen auch zu Wasserrohrbrüchen, die dazu führten, dass das Leben in der Wohnung gesundheitsschädigend wurde – Arztkosten häuften sich an. Ivy beschloss, wesentlich eher als sie es je geplant hätte, nämlich bereits sechs Monate nach ihrem Einzug, die Wohnung zu kündigen; allein das stellte sich als unmöglich heraus, sie hatte einen Jahresvertrag unterschrieben. Auf ihre Klagen über den unbewohnbaren Zustand der Wohnung wurde nicht eingegangen – Ivy zog dennoch zu ihrem Sohn und weigerte sich, die Miete zu zahlen, solange die Wohnung nicht instand gesetzt würde.
Renoviert wurde nicht, dafür aber wurde Klage gegen die Mieterin eingereicht: Anstatt sich heute eines ruhigen Alters zu erfreuen, ist Ivy jetzt bankrott.
Martin Stahlke & Marie Naumann
Photo Quelle/ Copyright: Alberto Arévalo, cc creative commons Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen (via flickr)











Ben Paarmann
[…] Nice: Adam Kesher berichtet von der Lage in Kasachstan. Dort werden am 18. August Wahlen abgehalten – allerdings unter einigen merkwürdigen Umständen. Ungefähr zehn Prozent der Abgeordneten des Unterhauses werden von der „Versammlung der Völker Kasachstans“ gewählt, die 1995 ins Leben gerufen wurde, dem Präsidenten Nursultan Nasarbajew untergeordnet ist und so etwas wie eine Vertretung der ethnischen Minderheiten darstellen soll. Da aber deren Zusammensetzung ebenso unklar ist wie die durch die Versammlung Gewählten, ergibt sich ein nicht sonderlich demokratisches Bild. Auch die sogenannte „Legalisierung von Besitz und Geld“ sorgt für Probleme: die Opposition sieht dies als einen Versuch der Geldwäsche – Profiteure dieser seien vor allem Mitglieder der regierenden Nur-Otan Partei (Strahlendes Vaterland) und deren Verwandten. Immerhin zitiert Kesher den Blogger miliz-kz (Link in Russisch) der hoffnungsvoll ist, dass diese Opposition mittlerweile ein gutes Bild gibt und nicht mehr in kleine Grüppchen zerfallen ist, auch wenn das, wie er zugibt, keine große Rolle bei der Wahl spielen wird. […]