Die USA haben nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eine Wirtschaftspolitik verfolgt, die den von Paul A. Samuelson in seinem Lehrbuch genannten Problem, mit knappen Mitteln eine Wahl zwischen Kanonen und Butter wählen zu müssen, widerspricht. Ökonomisch konnten sich die USA beides zugleich nicht leisten. Der Krieg gegen den Terror hätte wirtschaftliche Einschränkungen für die Bevölkerung zur Folge haben müssen, wäre er solide finanziert worden. Stattdessen wurde die Budgetrestriktion durch massive Kreditaufnahme der privaten Haushalte zu niedrigsten Zinssätzen und laxer Bonitätsprüfung aufgehoben. Damit konnte man sich dann beides leisten.
Man konnte den Krieg gegen Terror finanzieren und zugleich als “spending Republicans” durch massive Steuersenkungen insbesondere zugunsten der Spitzeneinkommen und einzigartig günstige Kreditbedingungen die Konsumbedürfnisse der Bevölkerung befriedigen. Anstelle des Diktums von Paul A. Samuelson Kanonen statt Butter in einer modernisierten Form Raketen statt Häuser, galt nun unter der Bush-Administration beides zugleich.
Voodoo-Economics 2.0
Allerdings schieben seither die USA insbesondere die privaten Haushalte sowie der Staat eine Schuldenpyramide vor sich her, die Jahr für Jahr dramatischere Ausmaße annimmt. Finanziert wird diese Kreditblase durch das Ausland, was zu dem viel diskutierten doppelten Defizit im Staatshaushalt und der Zahlungsbilanz geführt hat. Eigentlich ist dies inzwischen sogar ein dreifaches Defizit, da die Verschuldung der privaten Haushalte in den USA noch als weiteres wichtiges Element der Lage hinzukommt. Wurde die von Ronald Reagan betriebe Wirtschaftspolitik auf Basis der Laffer-Kurve von seinem früheren Budget-Direktor David Stockman als Voodoo-Economics persifliert, so hat die derzeitige Bush-Administration analog zum Web 2.0 eine Voodoo-Economics 2.0 zur Grundlage ihrer Wirtschaftspolitik gemacht.
Ein New Deal ist notwendig
Da – um es mit einem deutschen Ökonomen Erich Schneider zu benennen – wurde und wird derzeit statt €ždes kalten Sterns der Knappheit€œ, d.h. eine nachhaltigen Konsolidierung der Ausgaben- und Einnahmenseite der öffentlichen Haushalte, der privaten Haushalte sowie der Zahlungsbilanz, derzeit noch der Glaube gepflegt, es ließen sich die Grundlagen solider Haushaltsführung auf Dauer außer Kraft setzen.
Trotz seit Jahren anhaltender massiver Kritik fast aller renommierten Ökonomen wie beispielsweise Stiglitz, Obstfeld, Rogoff. Blinder/ Yellen zufolge erweist sich insbesondere auch in den USA die Bush-Administration unwillig und unfähig wirkungsvolle Maßnahmen zu einer Konsolidierung zu ergreifen. Da die Amtszeit von Bush definitiv in rund sechzehn Monaten endet, wird es wohl auch keine echten Anstrengungen mehr in dieser Richtung geben.Wie man mit diesem Finanzdebakel fertig werden kann, bleibt dann seinem Nachfolger bzw. Nachfolgerin überlassen.
Eine Reregulierung der Finanzmärkte zur Schaffung von mehr Transparenz und Verantwortung der privaten Finanzinstitutionen wird dabei ein wesentlicher Bestandteil sein müssen. Conduits, wie sie derzeit als außerhalb der Finanzaufsicht und der Bankbilanzen existierende rechtlich selbständige Finanzinstitutionen bestehen, sollten abgeschafft werden. Sie sind eines der Verfahren mit dem eine wirkungsvolle Bankenkontrolle verhindert worden ist.
Die Immobilienblase ist jetzt geplatzt
Mit dem Ausbruch der lange erwarteten Immobilienkrise am Hypothekenmarkt ist ein letztendlich unvermeidlicher Anpassungsprozess in Gang gekommen. Leider findet er unkontrolliert und nur unter massiver Stützung durch die Fed zumindest die Liquidität des Bankensystems zu erhalten statt. Die Zusammenbrüche der Hypothekenfinanzierer hat schon seit dem vergangenen Jahr begonnen und ist seither nicht mehr zum Stillstand gekommen. Mit dem Amerikaner eigenem Galgenhumor kann man die Chronologie der Zusammenbrüche unter der Website des Implodometers verfolgen. Es bleibt offen, ob nicht wie in der Savings and Loans Krise in den 1980er Jahren am Ende der Steuerzahler für eine Stabilisierung der Hypothekenbanken aufkommen muss. Damals führte ebenfalls eine Deregulierung der Finanzmärkte zu einer fehlgeleiteten Kreditvergabe, die über 1000 Banken und Sparkassen in den Ruin trieb.
Dies ist voraussichtlich erst der Anfang einer umfassenderen Krise
Wegen der fortdauernden anderen Ungleichgewichte auf den jeweiligen Einnahmen und Ausgabenseiten werden weitere drastische Korrekturen in absehbarer Zukunft unvermeidbar sein. Wenn daher von einer drastischen Rezession der USA immer wieder gewarnt wird, so ist es genau diese fragile Lage der US-Wirtschaft, die derzeit durch entsprechende Anlässe, wie der Weigerung ausländischer Kapitalgeber die amerikanischen Defizite weiterhin durch den kauf entsprechender Schuldtitel zu finanzieren, die Weltwirtschaft in schwere Turbulenzen stürzen kann.
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Irgendwie theoretisch ganz gut. Nur blendet die klassische Volkswirtschaftslehre die Realwertbetrachtung in vielen Fällen aus. Die realen Werte wie Häuser etc bleiben. Ihr Nominalwert sinkt. Normale Menschen werden so in ihrer Existenz vernichtet oder ihnen wird zumindest in den Ländern, die kapitalfinazierte Renten bevorzugen, die gesamte Daseinsvorsorge geraubt. Für die meisten anderen bedeutet es schlicht und ergreifend, dass die Zahlen auf ihren Konten kleiner werden, der Realwert dieser Zahlen dabei aber vielleicht sogar noch zunimmt.