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Wirtschaft

Made in China - Einfuhrstopp?

Montag, den 20. August 2007 um 12:35 Uhr von Marie Naumann

Zwei Drittel aller schädlichen Waren stammen aus China. Photo: Tuija

„Jedes zweite mangelhafte Produkt aus China“, titelte heute die Süddeutsche Zeitung; der TÜV weist darauf hin, dass Mängel bei importierten Spielwaren, Elektrogeräten und Werkzeugen stark zugenommen hätten. Besonders besorgniserregend: Kinderspielzeuge führen die Liste an: Oft können Kleinteile verschluckt werden, oft aber sieht harmlos aus, was tödlich sein kann – Anstriche, die mit bleihaltiger Farbe gemacht wurden.

Joachim Birnthaler, Geschäftsführer der entsprechenden Abteilung des TÜV habe zudem vermutet, dass die Qualitätsprobleme in den nächsten Jahren noch zunehmen würden. Die Zahlen, die heute veröffentlicht wurden, sind erschreckend – 50 Prozent der in Europa mangelhaften Ware kommt aus China, die Dunkelziffer an Mängeln der nicht geprüften Ware ist unbekannt. Unbekannt ist auch das Produktionsland bei 17 Prozent der gefährlichen Produkte; doch auch hier wird meistens China als Ursprungsland vermutet.

Einfuhrstopp gefordert

Einen Einfuhrstopp von Spielwaren aus China forderten inzwischen Verbraucherschützer. So Gerd Billen, der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen gegenüber dem Magazin „Der Spiegel“: „Das wäre ein Signal, das Peking sofort verstünde“.
Wie radikal dieser Schritt sowohl politisch als auch wirtschaftlich wäre, wird deutlich, wenn man einmal die Zahlen der Waren betrachtet, die uns aus Fernost erreichen: Zwei Drittel der hierzulande verkauften Güter werden in Asien, vor allem in China, Indien, Vietnam und Bangladesch hergestellt.
Auch in den USA schlagen die Wellen hoch, nachdem Millionen von Spielwaren zurückgerufen werden mussten – dort wird die Regierung wegen zu lascher Einfuhrbestimmungen gerügt und stärkere Importkontrollen verlangt.

China wehrt sich gegen Vorwürfe: Die meisten Spielzeuge seien sicher.

China wehrte sich inzwischen gegen die Vorwürfe aus den USA und Europa; „Medien und unverantwortliche Leute“ machten aus einem kleinen Problem ein großes“ hieß es seitens des Handelsministeriums in China: Gewisse Mängel an Produkten seien normal, da die Exportmenge in den letzten Jahren erheblich gestiegen sei; die meisten chinesischen Spielzeuge seien sicher. Dennoch kämpft der Staat jetzt um seinen Ruf und hat eine Fernsehserie gestartet, die das Vertrauen in „Made in China“ wieder herstellen soll – in der ersten Folge trat unter anderem Li Changjiang auf, der betonte, dass sein Ministerium für Qualitätsüberwachung, Inspektion und Quarantäne alles täte, um die hohe Standards zu garantieren.
Doch nicht nur Spielzeuge sind ein Problem: Inzwischen ruft der Spielzeughändler „Toys“R“Us“ Kinderlätzchen aus chinesischer Produktion zurück und in Neuseeland sei in Kinderkleidung aus China bis zu 900 Mal mehr Formaldehyd gefunden wurden als von der WHO als zulässig eingestuft wird. Diese krebserregende Chemikalie wird Textilien zugefügt, um sie knitterfrei zu machen.

Kaum Verzicht auf Billigproduktion

Nur die allerwenigsten Firmen verzichten darauf, in Billiglohnländern zu produzieren. Dazu gehört zum Beispiel die deutsche Firma HABA, die ihr bekanntes Holzspielzeug ausschließlich im fränkischen Bad Rodach produzieren lässt. Hier habe man, obwohl das Interesse an den Holzprodukten auch in den USA wächst, bewusst auf einen Deal mit einem der größten Spielzeugläden Amerikas verzichtet. „Wir sind am Massenmarkt nicht interessiert“ hieß es laut der amerikanischen Zeitung „Salt Lake Tribune“ seitens der Firma, „Das ist nicht unsere Kundschaft“. Die Qualität hat ihren Preis: Ein HABA Spielzeug kostet rund 25 Prozent mehr als ein günstiger hergestelltes Produkt. Doch an der Farbe zu sparen sei unverantwortlich – und auch in der Produktion dürfe man, will man ein Spielzeug wirklich für neugierige Kindermünder geeignet machen, sich nicht allein auf Maschinen verlassen.

Via: New York Times, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung, SaltLake Tribune

Photo Quelle / Copyright: Tuija via Flickr. Bestimmte Rechte vorbehalten.

Zum Thema:

- Made in China – Gift im Spielzeug? Ein Interview mit Ökotest

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6 Reaktionen zu “Made in China - Einfuhrstopp?”

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  1. Ronin

    am 20. August 2007 um 13:02 Uhr | Link | Kommentar melden

    Auch eine ganze Menge “Bio”-Produkte, die in den Regalen deutscher Supermarktketten landen, stammen aus China.

    Ganz abgesehen von der verheerenden Umweltblanz bei so langen Transportwegen dürfte auch hier größte Vorsicht angebracht sein.

  2. Jens

    am 21. August 2007 um 07:36 Uhr | Link | Kommentar melden

    Es gibt durchaus vernünftige Qualität, auch aus China. Nur das will bezahlt werden. Die Deutschen Produktionsstätten in China haben das erkannt und deshalb wird eben von denen ein wenig mehr Lohn bezahlt (immer noch weniger als in Deutschland) und auch die sozialen Leistungen sind immer noch besser als in den kleinen Hinterhofklitschen. Solange der durchschnittliche Einkäufer auf chinesischen Spielwarenmessen nur nach dem Preis fragt und dann “in Bausch und Bogen” abnimmt, nur um statt 1,2 EUR nur noch ,40 EUR zu zahlen, dann darf man sich nicht wundern.

    Allerdings ist es komisch, das diese (offensichtlich schon seit Jahren angemerkten) Mängel erst jetzt so akut werden. Anscheinend bereiten sich da einige schon mal auf einen handfesten Wirtschaftskrieg gegen China vor. Provozieren, damit China eine Dummheit macht (z. B. die Dollarreserven wirklich auf den Markt zu schmeißen).

  3. paule

    am 21. August 2007 um 09:06 Uhr | Link | Kommentar melden

    Was wir wiklich brauchen sind gleiche Wettbewerbsbedingungen weltweit. Wir lassen ruhigen Gewissens Menschen oft sogar Kinder unter Bedinmgungen arbeiten die den Halter eines deutschen Schäferhundes hierzulande Geld- und Haftstrafen einbrächten.

    Solanage die Verbraucher im Westen noch die Nachfragemacht haben, sollten Sie die nutzen und darauf bestehen, das Produkte nach den gelichen sozialen und ökologischen Standards produziert werden, wie hierzulande.

    Dann mag es ein paar weniger Milliardäre geben, aber in allen beteiligten Ländern würde der Breitenwohlstand deutlich steigen.

  4. Philippe Vogel

    am 29. August 2007 um 21:46 Uhr | Link | Kommentar melden

    Nur die allerwenigsten Firmen verzichten darauf, in Billiglohnländern zu produzieren. Dazu gehört zum Beispiel die deutsche Firma HABA, die ihr bekanntes Holzspielzeug ausschließlich im fränkischen Bad Rodach produzieren lässt.

    Leider ist das nicht so ganz richtig: Das Holzspielzeug wird in Deutschland produziert, auf vielen Labels des hauseigenen Stoffspielzeugs steht groß Designed in Germany und gang ganz klein made in China.

    Toll, toll, toll!

    Ich kaufe ab sofort nur noch Deutsche Produkte für mein Kind, da man hier aufgrund erforderlicher Prüfungen größere Sicherheit hat, gesundes Spielzeug zu erhalten. Leider ist es in Deutschland ganz ganz schwierig wirklich Deutsche Produkte von nicht in Deutschland gefertigten Produkten zu unterscheiden (im obigen Fall Schriftgröße = 1mm, auf der Verpackung nichts zu erkennen).

  5. Lielay

    am 23. November 2007 um 22:12 Uhr | Link | Kommentar melden

    Äh hallo? Ich habe hier zwei HABA Produkte, Mobile “Zwitscherlinge” und so ne kleine Maus, beide Produkte wurden in China produziert. Wir habe das geschenkt bekommen, ich achte sehr genau darauf, dass wir keine Produkte “made in china” kaufen.

  6. Philippe Vogel

    am 14. Januar 2008 um 21:17 Uhr | Link | Kommentar melden

    Die Nachfragemacht des Konsumenten ist schon lange kein Argument mehr, stattdessen drängt die breite Masse den Preis. Dies führt zu simplifizierten Produkten mit weniger Details oder schlechterer Qualität. Qualitativ hochwertige Produkte verschwinden aus den Theken. Leider fast genauso schnell, wie der obige Beitrag aus den Medien wieder verschwunden ist. Geschädigter ist wie immer der Verbraucher, denn er erwirbt überbezahlte Billigprodukte.

    Leider ist Made in China gekoppelt mit schlechtem Wissen von Verkäufern, da immer weniger ausgebildete Verkäufer im Laden arbeiten. Auf die Frage nach der Herkunft von Artikeln bekommt man meist pauschale Antworten.

    Positiv überrascht hat mich Real. Hier wurde zu Weihnachten günstiges Kinderspielzeug angeboten mit dem Aufdruck “Made in Germany”. Die Spielzeuge halten die Preisforderungen der Masse und alle Qualitätsstandards ein.

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