Made in China – Einfuhrstopp?

€žJedes zweite mangelhafte Produkt aus China€œ, titelte heute die Süddeutsche Zeitung; der TÜV weist darauf hin, dass Mängel bei importierten Spielwaren, Elektrogeräten und Werkzeugen stark zugenommen hätten. Besonders besorgniserregend: Kinderspielzeuge führen die Liste an: Oft können Kleinteile verschluckt werden, oft aber sieht harmlos aus, was tödlich sein kann €“ Anstriche,

chinash.jpg€žJedes zweite mangelhafte Produkt aus China€œ, titelte heute die Süddeutsche Zeitung; der TÜV weist darauf hin, dass Mängel bei importierten Spielwaren, Elektrogeräten und Werkzeugen stark zugenommen hätten. Besonders besorgniserregend: Kinderspielzeuge führen die Liste an: Oft können Kleinteile verschluckt werden, oft aber sieht harmlos aus, was tödlich sein kann €“ Anstriche, die mit bleihaltiger Farbe gemacht wurden.

Joachim Birnthaler, Geschäftsführer der entsprechenden Abteilung des TÜV habe zudem vermutet, dass die Qualitätsprobleme in den nächsten Jahren noch zunehmen würden. Die Zahlen, die heute veröffentlicht wurden, sind erschreckend €“ 50 Prozent der inEURopa mangelhaften Ware kommt aus China, die Dunkelziffer an Mängeln der nicht geprüften Ware ist unbekannt. Unbekannt ist auch das Produktionsland bei 17 Prozent der gefährlichen Produkte; doch auch hier wird meistens China als Ursprungsland vermutet.

Einfuhrstopp gefordert

Einen Einfuhrstopp von Spielwaren aus China forderten inzwischen Verbraucherschützer. So Gerd Billen, der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen gegenüber dem Magazin €žDer Spiegel€œ: €žDas wäre ein Signal, das Peking sofort verstünde€œ.
Wie radikal dieser Schritt sowohl politisch als auch wirtschaftlich wäre, wird deutlich, wenn man einmal die Zahlen der Waren betrachtet, die uns aus Fernost erreichen: Zwei Drittel der hierzulande verkauften Güter werden in Asien, vor allem in China, Indien, Vietnam und Bangladesch hergestellt.
Auch in den USA schlagen die Wellen hoch, nachdem Millionen von Spielwaren zurückgerufen werden mussten €“ dort wird die Regierung wegen zu lascher Einfuhrbestimmungen gerügt und stärkere Importkontrollen verlangt.

China wehrt sich gegen Vorwürfe: Die meisten Spielzeuge seien sicher.

China wehrte sich inzwischen gegen die Vorwürfe aus den USA undEURopa; €žMedien und unverantwortliche Leute€œ machten aus einem kleinen Problem ein großes€œ hieß es seitens des Handelsministeriums in China: Gewisse Mängel an Produkten seien normal, da die Exportmenge in den letzten Jahren erheblich gestiegen sei; die meisten chinesischen Spielzeuge seien sicher. Dennoch kämpft der Staat jetzt um seinen Ruf und hat eine Fernsehserie gestartet, die das Vertrauen in €žMade in China€œ wieder herstellen soll €“ in der ersten Folge trat unter anderem Li Changjiang auf, der betonte, dass sein Ministerium für Qualitätsüberwachung, Inspektion und Quarantäne alles täte, um die hohe Standards zu garantieren.
Doch nicht nur Spielzeuge sind ein Problem: Inzwischen ruft der Spielzeughändler €žToys€œR€œUs€œ Kinderlätzchen aus chinesischer Produktion zurück und in Neuseeland sei in Kinderkleidung aus China bis zu 900 Mal mehr Formaldehyd gefunden wurden als von der WHO als zulässig eingestuft wird. Diese krebserregende Chemikalie wird Textilien zugefügt, um sie knitterfrei zu machen.

Kaum Verzicht auf Billigproduktion

Nur die allerwenigsten Firmen verzichten darauf, in Billiglohnländern zu produzieren. Dazu gehört zum Beispiel die deutsche Firma HABA, die ihr bekanntes Holzspielzeug ausschließlich im fränkischen Bad Rodach produzieren lässt. Hier habe man, obwohl das Interesse an den Holzprodukten auch in den USA wächst, bewusst auf einen Deal mit einem der größten Spielzeugläden Amerikas verzichtet. €žWir sind am Massenmarkt nicht interessiert€œ hieß es laut der amerikanischen Zeitung €žSalt Lake Tribune€œ seitens der Firma, €žDas ist nicht unsere Kundschaft€œ. Die Qualität hat ihren Preis: Ein HABA Spielzeug kostet rund 25 Prozent mehr als ein günstiger hergestelltes Produkt. Doch an der Farbe zu sparen sei unverantwortlich €“ und auch in der Produktion dürfe man, will man ein Spielzeug wirklich für neugierige Kindermünder geeignet machen, sich nicht allein auf Maschinen verlassen.

Via: New York Times, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung, SaltLake Tribune

Photo Quelle / Copyright: Tuija via Flickr. Bestimmte Rechte vorbehalten.

Zum Thema:

- Made in China €“ Gift im Spielzeug? Ein Interview mit Ökotest

Kommentare

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  1. Auch eine ganze Menge “Bio”-Produkte, die in den Regalen deutscher Supermarktketten landen, stammen aus China.

    Ganz abgesehen von der verheerenden Umweltblanz bei so langen Transportwegen dürfte auch hier größte Vorsicht angebracht sein.