Malaria durch Klimawandel, eine neue Verfassung und das Grubenunglück in Utah - Bürgerjournalismus weltweit
Dem Klimawandel widmet sich der Artikel von Juliana Rotich. Sie betrachtet zwei Blogs, einen aus Afrika und einen aus Denver; beide befassen sich mit den Auswirkungen des veränderten Klimas südlich der Sahara, insbesondere in Kenia.
Der Kenya Enviromental & Political News Weblog sieht die Gefahr gesundheitlicher Auswirkungen als eines der größten Probleme für Afrika und zitiert einen Bericht des IPCC: Durch einen, wenngleich geringen, Anstieg der Temperaturen könnten Malaria übertragende Mücken jetzt auch in höheren Lagen wie zum Beispiel in Nairobi überleben, was dazu führen könnte, dass sich die Krankheit auch im afrikanischen Hochland ausbreiten könne. Obwohl es bislang nicht genügend Daten gäbe, um diese These zu untermauern, wird sie durch die Erfahrung eines Arztes im Slum von Kibera in Nairobi bestätigt: Malaria sei die am häufigstem auftretende Krankheit und eine der größten Herausforderungen, denen sich ein Arzt in dieser Region stellen müsse.
Von den Folgen des Klimawandels für die Kaffee-Plantage seiner Eltern in Schwarzafrika berichtet Dr. Pius Kamau aus Denver. In seinem ergreifenden Kommentar auf dem National Public Radio stellt er den Zusammenhang dar zwischen dem modernen westlichen Leben mit brühendheißen Starbuck’s Kaffee und benzinschluckenden Jeeps und dem Ruin der Farm seiner Familie, die nach zehn Jahren erfolgreichen Kaffeeanbaus durch die anhaltende Trockenheit vor dem Nichts stünde. Kamaus Stimme im Original hören Sie (auf Englisch) hier. Es lohnt sich, einmal reinzuhören.
Neonazi-Video in Russland
Über eines der meistdiskutierten Themen der russischen Blogosphäre schreibt Veronica Khokhlova: Ein Video, das die Ermordung zweier ethnisch als Nicht-Russen zu erkennenden Menschen durch eine Gruppe von Neonazis zeigte. Die bislang unbekannte Gruppe nenne sich selbst die Nationalsozialistische Partei Russlands und habe sich den Kampf „gegen schwarze Kolonialisten und jene, die sie unterstützten“ zur Aufgabe gemacht. Ein interessanter Beitrag zu den Debatten rund um das Video findet sich auf dem Sean’s Russia Blog: Sean bemerkt, dass durch die immer stärker auch in den Medien präsentierten echten Morde, wie Bilder von Selbstmordattentätern, Kriegen und Toten, sowie die Gewalt in Spielfilmen letztendlich dazu führe, dass nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterschieden werde – und auch die Unterscheidung zwischen Politik und Gewalt verschwimme. Die Folge wäre, dass immer mehr Menschen davon auszugehen scheinen, dass Politik und Gewalt notwendiger Weise zusammen gehörten.
Mark MacKinnon schreibt auf seinem Blog über einen äthiopischen Studenten, den er einmal interviewt hatte und gibt die Schuld für den immer stärker werdenden Rassismus dem Kreml: Zu lange habe die Regierung die Ultranationalisten toleriert – und nun seien sie nicht mehr kontrollierbar.
Anton Nossik stellt in seinem Blog eine wichtige Frage zu den Thema – weshalb werde so viel über das Video gesprochen, aber viel weniger über den Mord an sich? Vielleicht, so seine Vermutung, weil schon bekannt sei, wer das Video ins Internet gestellt habe – eine Erfolgsstory verkaufe sich einfach besser. Und niemand müsse sich um die Morde an sich kümmern.
Thailands neue Verfassung
In den kommenden Wochen wird der Thailändische König eine neue Verfassung unterschreiben, die die Regierung (sie war im September durch einen der 18 Militärputsche, die das Land in den letzten 75 Jahren erlebt hat, an die Macht gekommen), am Sonntag verabschiedet hat. Diese neue Verfassung werde, schreibt Alex Sehmer, die Macht des Landes auf eine einzelne Partei beschränken, zugleich aber für eine leichtere Überwachung der Machthabenden sorgen – und für eine leichtere Überwachung der Medien. Letzteres habe vor allem in der Blogszene für Unruhe gesorgt, zumal der Minister für Kommunikation und Technologien sich selbst als „altmodisch“ beschrieben habe und sich sicher nicht mit den neuen Formen der Medien auskenne.
Dennoch haben etwa 60 Prozent aller Thais der neuen Verfassung zugestimmt – sie sei die einzige Garantie für Stabilität im Lande.
Demokratie durch die USA
Es seien nach wie vor Edward Bernays Theorien zur Bildung von Massenmedien, die der amerikanischen Regierung zugrunde lägen, schreibt Ramzy Baroud, ein palästinensisch-amerikanischer Autor. Nach wie vor sei es die Verbindung zwischen Staat und Konzernen, die die Politik in Amerika bestimme und die oft genug dafür sorge, dass sich in Ländern, die von den USA beeinflusst würden, keine wirkliche Demokratie aufbauen könnten. Sie würden, so der Autor, von der Supermacht der vereinten Konzerne und des Staates daran gehindert, eigene, lokale Betriebe aufzubauen und ihre eigenen Ideen umzusetzen.
Amerikas Kampf für Demokratie sei der Verbindung von Konzernen und Staat entsprechend nur dann von Interesse, wenn es auch Güter gebe, die man sich mittels Marionetten-Regierungen zu eigen machen könnte – bestes Beispiel dafür seien die Wahlen in Palästina: Obwohl diese Wahlen so nah an einer demokratischen Abstimmung waren wie noch nie zuvor, Kämpfe die USA weiterhin gegen die Hamas.
Wer ist Schuld am Grubenunglück in Utah?
… fragt auf Agoravox James Anthony Mehrle. In der Grube, in der vor zwei Wochen sechs Männer verschüttet worden waren, drei Männer während Rettungsversuchen starben und sechs weitere verletzt wurden, habe es bereits seit langer Zeit Hinweise auf gefährliche Schäden gegeben. Der Grund, weshalb diese Schäden nie behoben wurden, sei einfach: Geld. Geld und das Fehlen der einst so mächtigen Gewerkschaften, deren Wirken durch die Konzerne und auch Regierungen aus wirtschaftlichen Gründen verhindert würde. Fehlende Sicherheitsstandards für die Arbeiter würden nicht mehr aufgedeckt, es würde nicht mehr dafür gesorgt, dass es den Arbeitern gut gehe – und auch die Sicherheitsvorschriften seien seit 2001 gelockert worden. Zu guter Letzt aber sei auch jeder Bürger an dem Unglück Schuld: Weshalb setzten wir uns so wenig für die Sicherheit am Arbeitsplatz ein? Und: Weshalb könne man nicht auf Energieversorgung durch Kohle verzichten?
Photo Quelle/Copyright: Global Voices, Bestimmte Rechte vorbehalten.











Readers Edition » Podcasts, Demonstrationen und ein Wikiscanner gegen Zensur - Bürgerjournalismus weltweit
[…] Der Rundgang beginnt harmlos mit dem Frühstück auf den Malediven: Gastronautics hat Menschen dort gefragt, was sie morgens essen: Hauptsächlich Chiligerichte, oder ein Fisch Curry. Aber nein, scharf sei das alles nicht, sondern ganz mild. Weiter nördlich spricht aus aus Indien via PodMasti ein Reporter zum Thema der pakistanisch-indischen Beziehungen; während Indien 60 Jahre Unabhängigkeit feiert, feiert Pakistan sein 60 jähriges Bestehen. Trotz der Spannungen zwischen den beiden Ländern gab es am 14. August an der Grenze ein gemeinsames Fest mit einem gemeinsamen Nenner: Bollywood-Musik. Aus Kibera, dem Slum in Nairobi, der bereits gestern Thema auf Global Voices war, stammt ein Interview mit dem Betreiber des Projektes J.U.M.P. (Juveniles Using Media Power), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Jugendliche an Mediengebrauch heranzuführen und mit ihnen zur gesundheitlichen Aufklärung zu arbeiten: Die Aidsraten in Kibera seien so hoch wie in Botswana – über 36 Prozent der Menschen in dem Slum seien inzwischen infiziert, Tendenz steigend. […]