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Politik + Social Media

Podcasts, Demonstrationen und ein Wikiscanner gegen Zensur - Bürgerjournalismus weltweit

Dienstag, den 21. August 2007 um 17:21 Uhr von Marie Naumann
On Air - Stimmen aus aller Welt. Photo: Tim Heinrichs-Noll via Pixelio.de

Meist geht es auf Global Voices um ernsthafte Themen, oft genug um Krieg und Krisen oder Unterdrückung von Menschen und dem Recht, seine eigene Meinung frei zu äußern. Umso erfreulicher ist heute die Global Voices Podcast Show – in einem Streifzug durch weltweite Radiosendungen und Podcasts hat Georgia Popplewell buchstäblich Stimmen aus aller Welt zusammengetragen. Ihre Fundstücke wurden dann in der Südkaribik zu einer wahren Netzperle zusammengeschnitten, auf der man den verschiedensten Akzenten, Musikrichtungen und Atmosphären lauschen kann. Die jeweils vollständigen Interviews können Sie jeweils hören, wenn Sie auf die Links klicken – allerdings immer auf Englisch.

Frühstück auf den Malediven…

Der Rundgang beginnt harmlos mit dem Frühstück auf den Malediven: Gastronautics hat Menschen dort gefragt, was sie morgens essen: Hauptsächlich Chiligerichte, oder ein Fisch Curry. Aber nein, scharf sei das alles nicht, sondern ganz mild.
Weiter nördlich spricht aus aus Indien via PodMasti ein Reporter zum Thema der pakistanisch-indischen Beziehungen; während Indien 60 Jahre Unabhängigkeit feiert, feiert Pakistan sein 60 jähriges Bestehen. Trotz der Spannungen zwischen den beiden Ländern gab es am 14. August an der Grenze ein gemeinsames Fest mit einem gemeinsamen Nenner: Bollywood-Musik.
Aus Kibera, dem Slum in Nairobi, der bereits gestern Thema auf Global Voices war, stammt ein Interview mit dem Betreiber des Projektes J.U.M.P. (Juveniles Using Media Power), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Jugendliche an Mediengebrauch heranzuführen und mit ihnen zur gesundheitlichen Aufklärung zu arbeiten: Die Aidsraten in Kibera seien so hoch wie in Botswana – über 36 Prozent der Menschen in dem Slum seien inzwischen infiziert, Tendenz steigend.

Ein DJ aus Saudi Arabien…

Aus Saudi Arabien berichtet auf Mideast Youth der Trance-Dj Momo, der neun Jahre seines Lebens in den USA auflegte, über die Schwierigkeit nun wieder in seinem Heimatland zu leben: Hier sei Trance nahezu unbekannt und er könne von seiner Arbeit als DJ kaum noch leben – doch er hielte an seiner Musik fest. Wie ein Photoblogger arbeitet, erfährt man durch Budacast in einem Beitrag aus der ungarischen Hauptstadt: Per Zufallsgenerator suche sich der Photograph eine Strasse in Budapest aus, die er dann mit seiner Kamera aufsucht. Aus Zimbabwe kommt die Stimme von „The Pulse“ auf African Files: Die Sorge um das eigene Land ist kaum zu überhören – die Krise, in der Zimbabwe steckt, hätte eigentlich schon gestern bekämpft werden sollen.
Für Tierfreunde ist der letzte Beitrag: Die koreanischen Kimchi-Girls bringen uns ihre Sprache bei: Die vorgestellte Lektion hat die Sätze „Wow, ist das ein niedlicher Welpe!“ zum Thema… Was antwortet man darauf: „Nein, ich finde das Kätzchen da viel süßer!“. Auf Koreanisch.
Das gesamte Podcast hören Sie hier:

OhmyNews

Protestaktion gegen die Spiele in China

300.000 Flüchtlinge aus Nordkorea befänden sich zur Zeit in der Volksrepublik China, jeden Tag würden Hunderte zurück nach Pjöngjang geschickt, wo ihnen Haft, Folter und immer öfter auch Exekution drohten. Das seien die Worte von Demonstranten in Seoul gewesen, die gegen eine Austragung der Olympischen Spiele in China protestierten, schreibt Colin Moore. China, so hieß es, missachte die Menschenrechte, indem es die Flüchtlinge auswiese. Was mit ihnen in Nordkorea geschehe, wurde von den Demonstranten in recht auffälliger Weise dargestellt: Die Gruppe hatte sich als Flüchtlinge und chinesische Polizisten verkleidet, letztere schlugen immer wieder auf die „Flüchtlinge“ ein, um so die Aufmerksamkeit der Menschen in einer der belebtesten Strassen der Stadt zu erlangen.

Neue „Dämme“ in den Niederlanden

Dass die Niederländer gut sind im Dammbauen, ist bekannt – dass sie in neuartige Toilettensysteme kleine Dämme einbauen, um das Flüssige vom Festen zu trennen, scheint zunächst allerdings merkwürdig. Doch wie Angelique van Engelen beschreibt, hat es großen Wert, Urin aus dem Abwassersystemen zu separieren – nicht nur stelle sich so eine leichtere Entsorgung des Abwassers ein, das nicht mehr von Phosphaten befreit werden müsse, sondern man könne das Urin auch noch gewinnbringend an Firmen verkaufen, die Düngemittel herstellen und es so recycelten. Männer müssten nun allerdings wirklich lernen, sich hinzusetzen.

AgoraVox

Wer zensiert auf Wikipedia?

Über ein sehr interessantes Programm, entwickelt von Virgil Grifith, schreibt auf AgoraVox heute Jon Newton. Ein „Wikiscanner“, eine erstaunlich einfache Anwendung, erlaube es zu erkennen, wer was wann auf Wikipedia verändere und ediere. Es verwundere vermutlich nicht sehr, dass es vor allem große Firmen und Regierungen sind, die sich auf Wikipedia tummeln, um ihre Seiten „rein“ zu waschen, andere wiederum schlecht zu machen oder Kritik im eigenen Eintrag zu löschen. Technisch beweisen, welche Person hinter den Einträgen stünde, könne man zwar über die IP Adressen der jeweiligen Computer nicht – doch sei es zu vermuten, dass, wenn ein PC in einer bestimmten Firma stünde, entweder ein Angestellter oder ein Gast der Firma der Benutzer sei.

Handy am Steuer birgt keine Gefahr

Eine Untersuchung der Berkeley Universität zum Zusammenhang zwischen Unfällen und dem Telefonieren während des Autofahrens stellt Marginal Revolution vor. Wie sich herausstellte, finden in der Zeit, in der am meisten via Mobiltelefone gesprochen würde, ebenso viele Unfälle statt, wie sonst auch. Dass der Gebrauch des Handys beim Autofahren besonders gefährlich sei, sei somit eine Mär; dennoch warnt die Autorin vor zu schnellen Rückschlüssen – Untersuchungen könnten auch einmal in eine falsche Richtung führen.

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