Football’s coming home?

Am heutigen Mittwochabend (21.00 Uhr, live in der ARD) tritt die deutsche Nationalmannschaft in der neuen Wembley-Arena zum Kräftemessen mit England an. Ein Duell also, das immer schon höchste Brisanz versprach. Auch wenn es dieses Mal deutlich freundlicher als gewohnt zugehen soll – englische Fans planen eine Choreographie, mit der

beckhamAm heutigen Mittwochabend (21.00 Uhr, live in der ARD) tritt die deutsche Nationalmannschaft in der neuen Wembley-Arena zum Kräftemessen mit England an. Ein Duell also, das immer schon höchste Brisanz versprach. Auch wenn es dieses Mal deutlich freundlicher als gewohnt zugehen soll – englische Fans planen eine Choreographie, mit der sie sich bei Deutschland für die WM 2006 bedanken wollen – so werden sich beide Auswahlteams nichts schenken. Zumal die “Three Lions” das letzte Spiel im alten Wembley-Stadion unbedingt vergessen machen wollen (im Jahr 2000 siegte Deutschland durch ein Hamann-Tor mit 1:0). Doch auch die DFB-Elf hat etwas gutzumachen: 2001 setzte es mit dem 1:5 in München ein regelrechtes Debakel gegen den Erzrivalen, was heftige Kritikwellen gegen das damals von Rudi Völler trainierte Team auslöste.

Die selbsternannte Heimat des Fußballs

Neben den internationalen Ländervergleichen bietet aber auch die nationale Premier League viel Gesprächsstoff. Durch zumeist ausländische Investoren ist auf der Insel viel Geld in Umlauf gebracht worden. Das hat zur Folge, dass immer bessere Spieler nach England wechseln. Der FC Chelsea mit dem russischen Öl-Milliardär Roman Abramowitsch (der im Übrigen den Geldhahn für seinen Klub zudrehen will) ist da nur das berühmteste Beispiel. Allein in diesem Sommer wurden sage und schreibe geschätzte 637 MillionenEURo für neue Spieler ausgegeben (Quelle: www.transfermarkt.de).
Verständlich, dass zahlreiche Fans den englischen Premiership mittlerweile als die stärkste Liga der Welt einschätzen und damit den Spaniern sowie den zuletzt durch Wettskandale und Rassismusvorfälle in Verruf geratenen Italienern den Rang abgelaufen haben. Neben den einheimischen Spielern um Frank Lampard (Chelsea), Steven Gerrard (Liverpool) oder Wayne Rooney (Manchester United) sind hier auch ausländische Stars wie Didier Drogba, Andrey Shevchenko (beide Chelsea), Fernando Torres (in diesem Sommer für 35 MillionenEURo nach Liverpool gewechselt) oder Cristiano Ronaldo (ManU) zu finden. Gepaart mit einer absoluten Fußballverrücktheit im “Mutterland des Fußballs” und Stadien mit Tribünen, die bis an den Spielfeldrand reichen, ergibt das eine faszinierende Mischung.

Wer glaubt, dass hierbei nur die großen Klubs beteiligt sind, liegt allerdings falsch. Dank der finanzkräftigen Inhaber der Vereine wird die Diskrepanz zwischen den Topklubs und denen aus dem unteren Tabellensegment eher kleiner denn größer. So verpflichtete beispielsweise Manchester City unter anderem mit Valerij Bojinov, Rolando Bianchi und Martin Petrov international begehrte Spieler – und das als Tabellenvierzehnter des Vorjahres! Ähnliches passierte bei West Ham United (15.) und sogar bei Aufsteiger Sunderland FC, die beide ebenfalls über 40 MillionenEURo für neue Akteure ausgaben.

Beleg für den Erfolg des englischen Wegs ist auch die gerade beendeteEURopapokal-Saison: drei der vier Halbfinalisten der Champions League kamen aus England. Dass der tatsächliche Sieger dann AC Mailand hieß, schmälert die eindrucksvolle Bilanz nur schwach.

Die Gegenseite

Rosige Aussichten für den englischen Fußball also? Mit Sicherheit, doch natürlich regt sich auch Widerstand. Insbesondere in Deutschland, wo die Übernahme eines Vereins durch einen Investor, der mehr als 50% eines Vereins besitzt, verboten ist. Die Anhänger sehen darin den Sinn des Spiels verloren und fürchten, dass der Fußball zum reinen Business verkommt. Dennoch soll eben diese Regel schon bald auch hierzulande gelockert werden.

Dass zudem manche auch in anderen Ländern noch das große Glück (und Geld) suchen, zeigen die Beispiele David Beckhams und Thierry Henrys. Ausgerechnet Englands Ikone und Nationalmannschaftskapitän Beckham hat seiner Heimat schon 2003 in Richtung Spanien den Rücken gekehrt, um bei Real Madrid anzuheuern. Nach vier mehr oder weniger erfolgreichen Jahren jetzt der Wechsel in die USA: in der schwach besetzten MLS (Major League Soccer) kickt “Becks” bei Los Angeles Galaxy für ein kolportiertes Gehalt von 250 MillionenEURo für fünf Jahre. Ebenfalls nach Spanien zog es dieses Jahr den französischen Star-Stürmer Thierry Henry, der Arsenal London verließ, um sich dem FC Barcelona anzuschließen.

Ein weiterer Makel im englischen Fußballidyll ist der mäßige Erfolg des Nationalteams: der WM-Triumph von 1966 im eigenen Land war der einzige Titel, den man erringen konnte. Seitdem ist bei Welt- undEURopameisterschaften regelmäßig schon in den ersten Runden Schluss. Doch genau da wollen die “Three Lions” heute gegen Deutschland ansetzen – am besten mit einem Sieg.

Dietmar Hamann schießt das letzte Tor im alten Wembley Stadion:

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  1. Anmerkung des Autors: Die Bildunterschrift ist irreführend, da David Beckham heute wohl nicht spielen kann. Sie wurde geändert, ist nicht von mir.