Die Signale für eine erste Zinssenkung der Federal Funds Rate der US-Notenbank verdichten sich. Es ist offenbar bereits jetzt vom Markt eingepreist, dass 25 Basispunkte am 18. September der Zinssatz nach unten gesenkt werden wird. Damit ist die Zinswende vollzogen. Allerdings wird diese Zinssenkung allein kaum ausreichen, um die Finanzmarktkrise in den USA, insbesondere beim Hypothekenmarkt, zu stabilisieren. Es werden also eine Reihe von weiteren Zinsschritten folgen müssen.
Krisengipfel: Bernanke, Paulson und Dodd
Mit einem gestern einberufenen spektakulären Treffen von Ben Bernanke, dem US-Zentralbankpräsidenten, Finanzminister Henry Paulson und Christopher Dodd, dem Vorsitzenden des Bankenausschusses des US-Kongresses, fand ein erstes offizielles hochrangiges Krisentreffen nach Ausbruch der Subprime-Krise und ihrer Ausweitung auf die weltweiten Finanzmärkte statt. Der zuvor zur Schau getragene Berufsoptimismus wurde durch eine realistischere Einschätzung der Lage korrigiert. Damit ist ein erster wichtiger Schritt getan worden, um überhaupt die Frage beantworten zu wollen, was die Geld- und Finanzpolitik in den USA zur Bekämpfung beisteuern kann. Die bisher verkündete Einschätzung, der Markt würde es allein schon richten und es bestünde kein wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf, musste fallengelassen werden. Erst jetzt ist die Agenda frei, um über geeignete geld- und finanzpolitische Maßnahmen öffentlich zu diskutieren. Henry Paulson versteht offensichtlich als ehemaliger Chef von Goldman Sachs die Probleme der Wall Street besser als Ben Bernanke. Sein starres Festhalten an einer restriktiven Geldpolitik wegen bestehender Inflationsgefahren in den USA, wurde von einigen Kommentatoren als Rookie Mistake, d.h. Anfängerfehler, gebrandmarkt. Bernanke ist um seine derzeitige Rolle nicht zu beneiden.
Quadratur des Kreises
So einfach, wie es sich einige Analysten in ihren Kommentaren in den Medien machen, dass eine Zinssenkung die Finanzmärkte rasch zur Ruhe bringen könnte und die US-Wirtschaft dann ihre sanfte Landung fortsetzen könnte, ist die Lage nicht.
Der Glaube, dass ein kleiner Zinsschritt wie am Ende letzter Woche beim Diskontsatz allein genügen könnte, den bereits eingetretenen wirtschaftlichen Schaden zu heilen, wird sich nicht erfüllen.
Das derzeitige Momentum einer deutlich ansteigenden Risikoprämie und aufgrund der bisherigen Finanzkrise sinkender Bereitschaft Kreditnehmern mit niedriger Bonität wieder Kredite einzuräumen. wird durch Zinssenkungen allein nicht beseitigt werden.
Beim gestrigen Krisengipfel wurde deshalb auch bereits über Maßnahmen laut nachgedacht, dass man den insolventen oder kurz vor der Insolvenz stehenden Eigenheimbesitzern direkt durch staatliche Hilfsmassnahmen beispringen müsste. Der U.S. Housing and Urban Development Secretary Alphonso Jackson hat einen Vorschlag gemacht, die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac durch Heraufsetzung ihrer Beleihungsgrenzen für Immobilienfinanzierungen in die Lage zu versetzen, in die sich öffnende Finanzierungslücke einzuspringen. Man versucht auch Wege zu finden, die Insolvenzverfahren gegen zahlungsunfähige Hypothekenkreditnehmer aussetzen, so dass die derzeit stattfindende Insolvenzwelle zunächst gestoppt werden kann. Warren Buffett hat ebenfalls die kritische Lage erkannt und durch seine Absichtserklärung in die vor der Insolvenz stehende Countrywide Financial, einem der größten US-Hypothekenfinanzierer, investieren zu wollen, einen Beitrag dazu geleistet, den Dominoeffekt einer Insolvenzwelle bei den US-Hypothekenfinanzierern zu stoppen. All diese Aktionen stützen den US-Hypothekenmarkt. Ob sie ausreichen werden, bleibt abzuwarten.
Was Ben Bernanke den Angstschweiß auf die Stirn treiben muss, ist der Umstand, dass die US-Zinspolitik nun aus Sicht der US-Regierung zur Gefangenen der Finanzmarktkrise geworden ist. Damit wird derzeit die Sicherung der Preisstabilität zweitrangig.
Was bedroht die US-Preisstabilität?
Zuletzt war die US-Inflationsrate, offiziell gemessen am Verbraucherpreisindex, insbesondere wenn man die Kerninflationsrate dafür heranzieht, bereits in den von der Fed gesetzten Zielkorridor, der sogenannten Comfort Zone, von 1 bis 2% zurückgegangen. Mithin besteht zunächst derzeit kein erkennbares größeres Inflationsrisiko.
Eine Zinssenkung würde darüber hinaus die Finanzierung der öffentlichen Haushaltsdefizite ebenso wie die der privaten verbilligen. Mithin auch hier wäre eine Zinssenkung ein positiver Beitrag zur Stabilisierung der Lage.
Bleibt jedoch die Frage, ob die ausländischen Kapitalanleger eine Phase sinkender Zinsen in den USA dazu nutzen könnten, ihre Anlagen aus den USA in andere Länder außerhalb des US-Dollar Währungsraums umzuschichten. Hier liegen offensichtlich erhebliche Risiken für die US-Konjunkturpolitik. Unilaterale Zinssenkungen in den USA verändern die Zinsparitäten zwischen den Zinssätzen der anderen Länder, wie beispielsweise derEURozone oder dem Yen. Da offensichtlich eine einzelne Zinssenkung nicht ausreichen wird, um die Konjunktur in den USA vor einer harten Landung zu bewahren, weckt die Erwartung, dass dieser weitere folgend werden. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer.
Wechselkursturbulenzen und drohende Kapitalflucht
Kommt es jedoch zu einem größeren Abfluss von Auslandskapital aus den USA, dann hat dies nicht nur einerseits direkt zinssteigernde Effekte – es sinkt das Kapitalangebot -, sondern es wirkt sich auch negativ auf den US-Dollar-Wechselkurs aus. Der Dollar wertete dann entsprechend den jeweiligen Kapitalströmen gegenüber anderen Währungen deutlich ab.
Dieser Wechselkurseffekt führt jedoch auch zu einem Anstieg der Importgüterpreise, wenn die ausländischen Exporteure ihre Exportpreise nicht durch Senkung ihrer Exporterlöse niedrig halten. Diese importierte Inflation bei einer deutlichen Abwertung des US-Dollar wird jedoch auch die Gesamtinflation in den USA anheizen. Mithin wäre die Zinssenkung wie sie derzeit zur Stabilisierung der Finanzmärkte nur dann sinnvoll, wenn es nicht einerseits zu einer deutlichen Kapitalflucht ausländischer Anleger aus den USA kommt, die direkt die Zinsen insbesondere bei langfristigen Anlagen nach oben treiben könnte, sowie nicht zu einem deutlichen Anstieg der Inflation in den USA aufgrund einer Abwertung des US-Dollar gegenüber den anderen Weltwährungen und damit einer einhergehenden importierten Inflation.
Verrechnet sich die Fed bei ihrer Zinspolitik, weil es keine ausreichende Unterstützung des Auslands insbesondere der ausländischen Kapitalgeber gibt, dann kann die Zinssenkung als Mittel der Stabilisierung der US-Konjunktur scheitern. Durch die hohe Abhängigkeit von Auslandskapital ist die Handlungsfähigkeit der US-Notenbank beschränkt.
Ein Spiel mit ungewissem Ausgang
Mithin könnten die Analysten, die derzeit Zinssenkungen als Allheilmittel der US-Finanzmarktkrise preisen eine böse Überraschung erleben. Wie die bereits stark verunsicherten ausländischen Kapitalanleger reagieren werden, ist kaum exakt vorherzusagen. Aufgrund der Vertrauenskrise in die Solidität der amerikanischen Finanzinstitutionen seien es Rating-Agenturen, Geschäftsbanken, Hedge-Fonds, Private-Equity-Firmen sowie der Finanzaufsicht, die offenbar in der einen oder anderen Weise zur Kreditblase beigetragen haben, ist das bereits verlorene Vertrauenskapital nicht leicht zurück zu gewinnen. Nur ein überzeugendes Konzept für eine nachhaltige Konsolidierung kann das verlorene Vertauen der ausländischen Anleger zurückgewinne. Zinssenkungen sind kein Zaubermittel.
Photo: h.lunke via Pixelio.de
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150 GByte Festpaltte kostet 1500 Dollar, einige Jahre später kostet einer mit 3 GHZ und 300 GByte Festplatte ebenfalls 1500 Dollar, ergibt nach Lesart der US-Statistikbehörde minus 50% Inflation für dieses Produkt.
Die wahre Inflationsrate in den USA liegt viel höher.
Immer mehr US-Bürger verarmen-auch wenn die Statistik etwas anderes aussagt.
Die USA sind eine Weltmacht im Niedergang.