Kontrolle über die eigene digitale Reputation

- Höchste Konzentration beim Surfen – aber hat der Surfer auch die Kontrolle über seine persönlichen Daten im Web? Quelle: stock.xchng
Haben Sie auch schon den Namen ihrer neuen Bekannten oder eines potentiellen Geschäftspartners in einer Suchmaschine eingegeben? – Wenn ja, gehören Sie zu der steigenden Zahl von Personen, welche das Netz für die Suche nach personenbezogenen Daten und Informationen durchsuchen. In Deutschland beispielsweise „googlet“ fast ein Drittel aller Personalberater und Arbeitgeber die Namen von Arbeitnehmern und Kandidaten, und machen sich die zahlreichen Informationsschnipsel zu nutze, um sich einen ersten Eindruck von einem Menschen zu verschaffen. Anfangs August diesen Jahres ist sogar eine Suchmaschine gestartet, die auf die Suche nach Personen spezialisiert ist (www.spock.com).
Web 2.0 lebt von persönlichen Informationen
Persönliches preiszugeben gehört zu den grundlegenden Aspekten im Web 2.0. Schnell ist eine politisch unkorrekte oder wütende Antwort in einem Forum geschrieben oder sind vermeintlich lustige Bilder vom letzten Geschäftsausflug hochgeladen. Und was erstmal online ist, wird gnadenlos von Google &Co. indiziert und abgespeichert. Aus passiven Surfern sind in den letzen Jahren aktive User geworden, welche auf Social Networking-Seiten und Online-Shops alle möglichen persönlichen Informationen und Erfahrungen hinterlassen. Dazu kommen aber auch die Inhalte, die von Dritten veröffentlicht werden, zum Beispiel in Form von Partyfotos in Onlinegalerien oder in persönlichen Weblogs, ohne dass die Betroffenen um ihr Einverständnis gefragt wurden. Und nicht selten entsteht durch die Vernetzung verschiedener einzelner Informationen ein Bild über die betreffende Person, welches nicht unbedingt korrekt sein muss.
Digitale Reputation ist wichtig für Personen und Firmen
Diese so genannte digitale Reputation ist für Privatpersonen und Unternehmen gleichermaßen bedeutend: Ein gut verlaufendes Vorstellungsgespräch kann zu Nichte gemacht werden, wenn der Personalchef noch schnell den Namen des Bewerbers „googelt“ – Datenschutz hin oder her. Negative Berichte in Online-Medien oder Blogpostings zu Themen, die ein Unternehmen lieber unter den Tisch kehren würde, sind in Suchmaschinen unweigerlich mit dem eigenen Firmennamen verknüpft. Viele Firmen haben gerade vor als negativ empfundenen Feedbacks aus der Blogosphäre Angst und verschließen sich deshalb neuen Dialogmöglichkeiten im Web 2.0. Doch gerade durch aktive Teilnahme in sozialen Medien würden die Unternehmen mit eigener Stimme sprechen, denn die Diskussion über sie können sie eh nicht verhindern oder kontrollieren.
Die digitale Reputation eines Unternehmens hat auch Einfluss auf Kaufentscheidungen von Konsumenten. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos im vergangenen Jahr belegte den steigenden Einfluss von Blogs auf Kaufentscheidungen. Demnach haben 30 Prozent der deutschen Internetnutzer bereits ein Produkt nicht gekauft, weil sie im Internet negative Kommentare oder Kritiken gelesen hatten. Es gibt aber auch die positive Seite: Mehr als die Hälfte der Deutschen gaben an, dass sie ein Produkt eher kaufen würden, wenn sie positive Bewertungen von anderen Käufern im Netz finden würden. Der nach wie vor ungebremste Trend, Persönliches zu veröffentlichen, hat auch positive Auswirkungen, auf die Werbeumsätze von Seiten wie MySpace oder Facebook. So sollen sich die Werbeeinahmen für MySpace für dieses Jahr auf rund 525 Millionen Dollar belaufen, für 2008 sollen es sogar 820 Millionen Dollar sein.
Privatpersonen lernen PR in eigener Sache zu betreiben
Aber nochmals zurück zu Privatpersonen. „Privatnutzer stehen im Internet zum ersten Mal vor der Aufgabe, Public Relations in eigener Sache zu betreiben“, erklärt Mario Grobholz, Geschäftsführer und Gründer der myON-ID Media GmbH. Ihre digitalen Spuren seien jedoch über eine Vielzahl verschiedener Webseiten und Onlinedienste verteilt. „Das gilt auch für Gerüchte und Anfeindungen, die sich im Mitmachweb unkontrolliert verbreiten. Da kämpfen Betroffene oft gegen Windmühlen“, sagt Grobholz weiter in einer aktuellen Medienmitteilung seines Unternehmens. Sein Unternehmen bietet mit www.myonid.de eine Plattform an, auf der auf der Anwender ihren guten Ruf in der Onlinewelt stärken oder verteidigen können. Dienste, welche es erlauben, erwünschte und positive Informationen von den unliebsamen oder schlicht falschen zu trennen, haben im Moment Hochkonjunktur. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ bieten verschieden Online-Firmen spezielle Services an, mit dem Ziel, die eigene digitale Reputation zu verbessern und zu kontrollieren:
claimID.com. Hier kann der Nutzer kostenlos persönliche Profilseiten über sich anlegen, die wiederum auf andere Seiten verweisen, wo persönliche Informationen zu finden sind oder der Nutzer aktiv ist – etwa auf Blogs und in Fachforen. Gleichzeitig sind die Profilseiten dann über Suchmaschinen auffindbar
naymz.com. Bietet ein Netzwerk von Personen, die für das eigene Profil bürgen. Zusätzlich kann man bei Google so genannte „sponsored links“ auf das eigene naymz-Profil schalten lassen.
ziki.com. Bietet ebenfalls das Erstellen von Profilseiten für Privatpersonen und Firmen an, auf denen Links zu anderen Webinhalten organisiert werden können.
myonid.de. Hier ist es möglich, Suchtreffer die es bereits im Internet gibt zu organisieren und zu kommentieren, sowie sich über sein eigens Netzwerk einen guten Ruf bestätigen zu lassen oder diesen aufzubauen.
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Jan v. Winried
Angepasst und unkritisch soll er sein - der neue Mitarbeiter. Mal ehrlich: wer will solche Leute in seiner Firma haben? Die “ziehen doch kein Hering von Teller”. Ich wäre jedenfalls sehr dankbar wenn mir ein Personalchef mitteilen würde, dass man mich aufgrund meiner kritischen Denkhaltung nicht einstellen wird. Die Anstellung in einem angepassten Langweilerunternehmen - für mich reine Zeitverschwendung- bleibt mir so erspart.
Allerdings hat das Thema durchaus auch eine sehr ernsthafte Dimension. Kritisches Denken wird mittlerweile von Teilen der Regierung als terroristische Grundeinstellung gewertet und durchaus mit allen Mitteln verfolgt. Der Berliner Stadtsoziologe Andrej H. wurde mit der Begründung inhaftiert, er sei der “geistige Urheber” terroristischen Gedankengutes. Wenn man diesen Gedanken “weiterspinnt”, landet man schon bald bei der Bücherverbrennung und der Verfolgung Intellektueller. Das hatten wir alles schon einmal - nur damals waren die Fahnen braun … .
Es wurde jedenfalls ein deutliches Signal an die Adresse von Wissenschaftlern gegeben: haltet euch zurück und seid “unkritisch”. Kritische Forschung soll übrigens keine Fördergelder mehr erhalten … .
Renee Schauecker
@Jan V. Winried: Für den letzten Satz mit der kritischen Forschung und den gestrichenen Fördergeldern: Gibt es dafür irgendeine Quelle?
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