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9to5: Getting Things Done – Piraterie, Partisanen und Patizipation

Samstag, den 25. August 2007 um 13:37 Uhr von alexander günther
War eines der wesentlichen Themen der Nacht: Wie sollte Musik in
Zukunft vertrieben werden?
Photo: pixelio.de

Die zweite Nacht von 9to5 stand unter dem Motto “Getting Things Done” und demgemäß hatte man sich vorgenommen ‘Butter bei die Fische’ zu bringen.

Schließlich lassen sich all die hehren Blütenträume von einer besseren Arbeitswelt schon besser umsetzen, wenn für die praktischen Fragen wie Copyright, Steuerrecht, Rechtsformen und Strukturen akzeptable Lösungen gefunden werden. Ob dies vom Publikum auch so gesehen wurde oder ob es dann doch eher am Freitag lag – auf jeden Fall war es an diesem Abend dann auch deutlich voller im Radialsystem.

Eine der heikelsten Fragen in diesem Rahmen steht gleich am Anfang der Nacht

Zum Thema “Musik und Ökonomie” haben sich Thees Uhlmann (Grand Hotel van Cleef), Lars Lewerenz (Audiolith Records), Christiane Rösinger (Flittchen Records) und Gudrun Gut (Monika Enterprise) - allesamt Vertreter von bekannten Indie-Labels - zu einer Diskussion zusammengefunden, um sich über die Problematik von veränderten Produktions- und Vertriebsbedingungen in der Musikbranche auszutauschen.

Die anfangs etwas orientierungslos dahinplätschernde Debatte gewinnt durch die lustvoll-fatalistische Einschätzung Rösingers, dass man, “da mit Musik heute eh kein Geld mehr zu verdienen sei, auch einfach den Majors den Job überlassen könne”, etwas an Fahrt. Von den anderen Diskutanten wird dies mit Verweis auf den Erhalt der musikalischen Vielfalt in Deutschland vehement abgelehnt. Bald darauf findet das Gespräch auch schon zur eigentlichen Gretchenfrage, die die Musikbranche umtreibt: Woran läge es denn, dass man mit Musik heutzutage kein Geld mehr verdienen könne?! Doch nur daran, dass man sie Dank der Möglichkeiten des Internets auch umsonst bekäme! Sei dies nun gut oder schlecht? Ist es eine Demokratisierung von Kunst oder schlichtweg Diebstahl?

Für die Besitzer eines kleinen, um die Existenz bangenden Labels kann es sich hier nur um eine rhetorische Frage handeln. Natürlich ist File Sharing in ihren Augen verwerflich. Unterschiede treten hier höchstens in der Härte der Beurteilung zu Tage. Uhlmann begibt sich in dieser Frage herausfordernd in die Position, das Problem durch härtere Strafen zu regulieren. Letztlich wäre er für alles, was bedeuten würde: “Make them pay”. Gut appellierte darauf an alle, keine Musik zu kopieren, da durch ein solches Verhalten die blühende Indie-Kultur zu Grunde gehen würde. Einzig Rösinger, die zugegebenerweise auch nicht als Paradebeispiel eines Labelmachers durchgehen kann, gab erneut die Fatalistin und bekundete, dass sie schon gerne Geld für ihre Platten bekäme, bevor sie aber von keinem gehört würden, könne sie auch damit leben, dass sie umsonst in die Hände von Musikinteressierten kämen. Diese Ansicht bleibt selbstredend eine versprengte Einzelaussage und findet selbst in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum keinen Widerhall.

Diese beschäftigt sich eher mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten des Dilemmas. Das Stichwort “Kulturflatrate” fällt hier, wie auch die Möglichkeit von Open-Source-Software, die Musik-Downloads auf Spendenbasis ermöglichen würden. Eine mittelgroße Spaltung zwischen Publikum und Podium entsteht durch eine eher harmlose Frage. Ein Zuhörer berichtet von der Variante, dass einer gekauften Vinyl-Platte ein Kupon beilag der ihn dazu berechtigte die Musik der gekauften Platte als mp3 legal herunterzuladen. Er sähe hierin ein angenehmes Serviceangebot und die Möglichkeit, die Musik, welche ihm gefalle auch bequem mobil zu genießen. Irritierenderweise kanzelten Uhlmann und Gut diesen Vorschlag brüsk ab und verwarfen ihn als unnötigen Schnickschnack mit dem allein die “Großen” der Branche versuchen würden sich beim Konsumenten anzubiedern. Der Versuch sich auf veränderte Produktions- und Vertriebsbedingungen einzustellen sieht sicher anders aus. So endet die Diskussion schließlich bewusst fazitverweigernd und ein allmächtiges “schön-dass-wir-mal-drüber-geredet-haben-Gefühl” macht sich breit.

Nachtaktives Einzelgängertum…

Als nächste Veranstaltung habe ich eine Lesung ausersehen. Helmut Höge soll pünktlich zur Geisterstunde aus seinem neuen Buch “Wölfe – Partisanen – Prostituierte” vortragen. Das umfangreiche und gut recherchierte Werk beschäftigt sich mit den Gemeinsamkeiten dieser drei Spezies und wie sie sich vornehmlich in “deregulierten Volkswirtschaften” vermehren würden. Dass es zu dieser Lesung gekommen ist, hat, wie Höge eingangs erwähnt, nicht zuletzt den Autor selbst ein wenig überrascht. Ihm wäre nicht ganz klar was sein Buch zum Phänomen der “digitalen Bohème” beitragen könne. Möglicherweise habe das nachtaktive Einzelgängertum, was den drei Gruppen samt und sonders zu eigen ist, die Assoziationen der Veranstalter geweckt. In jedem Falle hat so ein äußerst geistreicher und interessanter Beitrag seinen Platz bei 9to5 gefunden.
Es ist in diesem Rahmen schier unmöglich den Inhalt des Gesagten nur annähernd wiederzugeben, besagtes Buch sei jedoch jedem wärmstens empfohlen.

Instant Messaging für die tägliche Kommunikation

Nach kurzer Pause geht es dann weiter mit praktischen Ratschlägen zum schöneren Leben im Netz. Erneut versucht Tim Pritlove vom CCC ein wenig Klarheit in Gewohnheiten und Routinen des Netzalltages zu bringen. Dieses Mal arbeitet er sich an der Frage ab, welche Online-Tools für welche kollaborative Zwecke am dienlichsten ist. Mails und Foren kommen hier am schlechtesten weg. Mails seien schon allein wegen ihrer unheilbaren Verspamung diskreditiert und würden einen sinnvollen Gedankenaustausch auch durch jede Menge anderer Nachteile behindern. Für die tägliche Kommunikation hebt er Instant Messaging hervor. Kein Spam, kontrollierbarer Feedback und Integration in andere Werkzeuge sprächen eindeutig für dieses Tool. In Fragen öffentlicher Teilnahme und Projektkoordination empfiehlt Pritlove mit Leidenschaft ein viel zu selten genutztes aber nahezu ideales Mittel – Wikis. Diese informieren und repräsentieren mit einfachsten Mitteln den Stand der Dinge und bieten eine umfassende Dokumentation aller Vorgänge. Für Abstimmungen schließlich rät er einfach zu Second Life. Dies sei hier tatsächlich das probateste Mittel.

Nach diesem Vortrag gebe ich mich dann informationsüberflutet wie am Vortag, dem Amüsement hin und lausche der Vielzahl an Klängen die allerorten erschallen.

Mehr zum Thema:

- 9to5: Burning Money - Müßiggang, Sicherheit und Geldvernichtung
- 9to5: Die Branchenmesse für Branchenmessenhasser
- Instant Messaging für Jeden

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