Religion macht arm

Gott verteilt keine guten Karten, dieser Schluss liegt nahe, wenn man einer Untersuchung von Michael Martin von der Cambridge University vertraut. Der Brite hat in mühevoller Kleinarbeit eine Liste der am wenigsten religiösen Länder der Erde aufgestellt – Spitzenreiter ist dabei das Land, dessen Bewohner von sich selbst am häufigsten

relgo.jpgGott verteilt keine guten Karten, dieser Schluss liegt nahe, wenn man einer Untersuchung von Michael Martin von der Cambridge University vertraut. Der Brite hat in mühevoller Kleinarbeit eine Liste der am wenigsten religiösen Länder der Erde aufgestellt – Spitzenreiter ist dabei das Land, dessen Bewohner von sich selbst am häufigsten sagen, dass sie nicht an Gott glauben.

.

.

.

.

.

.

Die Liste liest sich dann so:

1. Schweden
2. Vietnam
3. Dänemark
4. Norwegen
5. Japan
6. Tschechei
7. Finnland
8. Frankreich
9. Südkorea
10. Estland

Deutschland folgt auf Platz elf, dahinter liegen Russland, Ungarn, die Niederlande, Großbritannien und Belgien, auf Platz 19 folgt Israel, auf 20 Kanada. Erstaunlich ist, wie diese Liste der der reichsten Länder der Welt gleicht, auf der sich mit Norwegen, Japan, Dänemark, Schweden, Großbritannien, Finnland, Niederlande, Belgien, Deutschland, Frankreich und Kanada gleich elf Länder wiederfinden.

Zu viele, als dass die Parallele zufällig sein kann. Unbeantwortet aber bleibt die Frage nach Huhn und Ei: Macht Religion arm? Oder Reichtum ungläubig?

Quelle: politplatschquatsch.blogspot.com


Mehr zum Thema:

- Mit Kopftuch zurück in die Zukunft?
- Papapizza und das Gnadenbild
- “Koran im Kopf” – eine Innenansicht des islamischen Fundamentalismus
- “Der jetzige Dalai Lama ist ein Glücksfall” – Ein Interview
- Evolution und Schöpfung. Bemerkungen zum Diskurs.
- Gibt es einen Gott? – Ein Kommentar

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Es wird beides sein bzw. die Frage löst sich auf, wenn man €žReichtum€œ bzw. den Willen, reich zu sein als €žReligion€œ bzw. etwas religiöses begreift. Dann bräuchte der Religiöse keinen Reichtum und der Reiche wäre auf seine eigene Art religiös: Die Reichtums-Religion ersetzt dann nur die Ursprungs-Religion.

    Ich vermute ein ausgeprägtes Kompensationsbedürfnis in säkularisierten Gesellschaften. Irgendwie muss das Sinnvakuum ja gefüllt werden, was liegt da näher, als es sich richtig €žgut€œ gehen zu lassen bzw. alles dafür zu tun, dass es einem wenigsten materiell gut geht. Das System funktioniert dann im Prinzip ähnlich wie Religion, ist also €žErsatzreligion€œ. Statt Kirchen gibt es dann Einkaufstempel (in die man Samstags Nachmittags genauso regelmäßig und selbstverständlich geht wie der Christ im Bayern des Hochmittelalters Sonntags zur Kirche ging), und das Erlösungswerk der Religion wird vom Heilsversprechen der Konsumgüterindustrie abgelöst (man achte mal in der Werbung auf religiöse Metaphern!). Je mehr dann DARAN (also an die Soteriologie des Geldes) glauben, desto stärker wirkt sich das dann gesamtgesellschaftlich aus, also konkret: in makroökonomischen Kennzahlen.

    Wobei das dann auch nicht immer funktioniert (s. Vietnam). Das wiederum könnte an dem unterschiedlichen historischen Ablösungsprozess des religiösen durch das säkulare Heilssystem liegen. Es bedarf zum wirtschaftlichen Erfolg wohl mehr als nur abnehmender Religiosität, sondern es muss auch die €žrichtige€œ Religion sein, die aufgegeben wird!

    Übrigens lässt sich in diesem Zusammenhang ein signifikanter Unterschied zwischen (ehemals) protestantischen und katholischen Ländern ausmachen: Die protestantischen (USA, Kanada, Skandinavien) sind €žreich€œ, die katholischen (Spanien, Portugal, Italien, Lateinamerika) sind €žarm€œ. Das liegt wohl an der protestantischen Prädestinationslehre (Gnade Gottes erweist sich bereits auf Erden, also heißt es, sich ranzuhalten… Nicht umsonst kommt der Calvinismus bei M. Weber als Entstehungsbedingung des Kapitalismus vor) bzw. an der Sozial- und Wirtschaftslehre des Katholizismus (Werkgerechtigkeit, Solidarität). Es wäre sicher spannend zu ergründen, wie die €žEx-Religion€œ der einzelnen Länder auf die Ausbildung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und Institute gewirkt hat.

    Was nun €“ jenseits von €žarm€œ und €žreich€œ €“ das bessere Lebenskonzept ist, das ist wohl eine ganz andere Frage…

    Josef