Nach den jüngsten Ereignissen in Mügeln kam es fast zur gleichen Zeit zu weiteren fremdenfeindlichen Übergriffen. Diesmal während des alljährlichen Weinfestes in Guntersblum. Laut Medienberichten wurde ein Sudanese auf dem Nachhauseweg schwer verletzt. Sechs Angreifer hätten ihm eine Weinflasche auf den Kopf geschlagen und ihn getreten, als er zu Boden stürzte. Auch ein mit dem Opfer befreundeter Ägypter wurde verletzt, als der dem niedergeschlagenenen Mann zur Hilfe eilte. Angesichts dieser verurteilungswürdigen Tat erreichte die Redaktion ein Schreiben der Jusos Mainz-Bingen und der Jusos Rheinhessen, die zu diesem erschreckenden Vorfall offiziell Stellung beziehen.
“Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieser erschütternden Tat.”
So hatten in der Nacht zum 19. August drei Rechtsradikale im rheinhessischen Guntersblum zwei Afrikaner, einen Ägypter und einen Sudanesen mit den Worten “Wir machen die Neger platt” zuerst verbal, dann auch tätlich angegriffen. Beide Opfer wurden dabei verletzt, einer der beiden schwer. Beide Gruppen verurteilen die Tat, wollen ihr Mitgefühl und ihre Beschämtheit den Opfern gegenüber ausdrücken. In ihrer Pressemitteilung heißt es: “Mit Entsetzen haben die Jusos Rheinhessen und die Jusos Mainz-Bingen die Meldung des fremdenfeindlichen Übergriffes in Guntersblum aufgenommen. Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieser erschütternden Tat.” Roland Schäfer, Vorsitzender der Jusos Mainz-Bingen und Sprecher der Jusos Rheinhessen würdigt in diesem Zusammenhang aber auch ganz klar die Passanten. Diese hätten durch ihr Eingreifen Courage bewiesen. Fremdenhass und Rechtsradikalismus sei demnach kein regionales Phänomen. Es müsse auch in unserer Region ernst genommen werden. Florian Maier, Sprecher der Jusos Rheinhessen bekräftigt: “Diese feige Tat macht deutlich, dass der Kampf gegen Rechtsradikalismus auch in Rheinhessen äußerst wichtig ist. Wir werden unsere Anstrengungen weiterführen und intensivieren.” Es sei die Aufgabe der demokratischen Parteien und der Gesellschaft, diesen Kampf zu führen. Nazis haben in Rheinhessen kein Zuhause, so Schäfer weiter. “Wir hoffen, dass Polizei und Justiz hier hart und entschlossen durchgreift und solchen Keimen mit einem klaren Signal begegnet.”
Hier ist keine Toleranz geboten
In ihrem gemeinsamen Schreiben bekräftigen sie weiterhin: “Diese feige Tat zeigt, dass der Kampf gegen rechtsradikales Gedankengut und die auf dieser braunen Ideologie aufbauende Gewalt ernst genommen werden muss. Justiz und Polizei muss die Möglichkeit haben, bei rechtsradikalen Übergriffen hart und entschlossen durchzugreifen. Hier ist keine Toleranz geboten. Nach ihrer Auffassung sollte daher der Vorsatz gelten: Wehret den Anfängen.
Nach dem Übergriff der Nazis werden sie sich in den kommenden Wochen mit den Vorfällen in Guntersblum weiter auseinander setzen. Die Bevölkerung und die demokratischen Parteien sollten ihrer Meinung nach hier ein klares Zeichen setzen. “Wir wollen keine Nazis in Rheinhessen. Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt haben in unserer Region keinen Platz!”
Gezeichnet wurde die Resolution von Roland Schäfer, Vorsitzender der Jusos Mainz-Bingen und Sprecher der Jusos Rheinhessen, Florian Maier, Sprecher der Jusos Rheinhessen, Isabell Grammes, stellv. Vorsitzende der Jusos Rheinland-Pfalz.
Wie neun.scm-digital.net am vergangenen Samstag weiter berichtete, bleibt ein 29-jähriger Mann, der nach dem Überfall verhaftet wurde, weiter in Untersuchungshaft. Wie die Mainzer Staatsanwaltschaft am Samstag mitteilte, wurde ein 26-jähriger mutmaßlicher Mittäter zugleich gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen die beiden polizeibekannten Rechtsradikalen werde wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt, hieß es. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpäsident Kurt Beck (SPD) sowie Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) verurteilten die “menschenverachtende und feige Straftat” scharf. In einer gmeinsamen Erklärung betonten sie, dass rechtsradikale Umtriebe in Rheinland-Pfalz nicht geduldet würden. Beck und Peter dankten jedoch ebenso den Anwohnern, die den Überfall schnellstens der Polizei gemeldet hätten und dadurch die Festnahme der Täter ermöglicht hätten.
(no)
“Nach den jüngsten Ereignissen in Mügeln kam es fast zur gleichen Zeit zu weiteren fremdenfeindlichen Übergriffen.”
Dieser Satz impliziert, daß es sich bei den Ereignissen in Mügeln um einen fremdenfeindlichen Übergriff gehandelt hat. Es erfreut mich immer wieder zu lesen, daß manche Journalisten mehr wissen als die Polizei, die nach dem Stand der bisherigen Ermittlungen in Mügeln keinesfalls von einem solchen Tathintergrund ausgeht. Ich frage mich nur, ob dieses “mehr Wissen” mancher Journalisten auf Fakten oder auf Meinungsmache beruht. Ich vermute die letztere Begründung trifft es wahrscheinlich am besten. Ist dann der Begriff “Journalist” nicht eigentlich fehl am Platz?
Franz