Immer wieder wird es zum Thema: Youtube zeigt Nazi-Videos. Bereits im Sommer letzten Jahres machte die Organisation Naiin.org, die sich dem Kampf gegen €žCyber-Crime€œ verschrieben hat, auf Youtube-Clips aufmerksam, die menschenverachtende und hetzerische rechtsradikale Inhalte zeigten, unter anderem Spiegel Online berichtete. Auch jetzt geriet die Video-Plattform wieder in den Blick der Medien, da sich zum Beispiel Clips der verbotenen Band €žLandser€œ, sowie der nationalsozialistische Propaganda-Film €žJud Süss€œ und anderes faschistisches Bild- und Tonmaterial auf der Seite fänden.
Tatsächlich ist Youtube voll rechtsradikaler Videos, und auch die Kommentarfunktion zu den entsprechenden Beiträgen lassen einem ob der Mischung von Dummheit und rechtsradikalem Hass die Haare zu Berge stehen.
“Verbrechen an der Jugend”
Youtube hat seinen Sitz in Kalifornien, und dort sind rechte Hassbotschaften €“ wie in den allermeisten Ländern dieser Welt €“ nicht illegal. Dennoch ist der Verband Jugendschutz.net, die 1997 von den Jugendministern ins Leben gerufene Stelle für Jugendschutz im Internet, berechtigt zu klagen: Der Inhalt der Videos widerspricht klar den Nutzungsbedingungen der Plattform. Auch Samuel Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erwägt deshalb Strafanzeige zu erstatten und erklärte gegenüber Mainz Report: €žIch erwarte, dass die Staatsanwaltschaft, dass die Behörden, dass auch die Bundesregierung gegebenenfalls dagegen eintritt und dagegen vorgeht.€œ Zu recht, bestätigt ihn indirekt Hajo Funke, Soziologieprofessor an der FU Berlin, denn solche Inhalte seien eine indirekte Aufforderung zum Mord und €žhaben in der Vergangenheit – etwa Landser-Texte €“ auch als Auslöser für Mordtaten in Deutschland gedient.€œ Dass Youtube Nazi-Propaganda offeriere, sei €žein Verbrechen an der Jugend€œ.
Keine leichte Aufgabe
Dass die Betreiber von Youtube nicht in der Lage sind, den ungeheuren Arbeitsaufwand zu bewältigen, den es bedeuten würde, jeden Beitrag einzeln zu überprüfen, ist nachvollziehbar. Statt dessen verlassen sich die Betreiber der Plattform (wie viele andere auch) auf die Vernunft und das Bewusstsein seiner Zuschauer Videos, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, zu melden. Anschließend werden die beanstandeten Videos jedoch nicht gelöscht, sondern sind fortan nur noch angemeldeten Nutzern der Plattform zugänglich.
Hier aber beginnt das eigentliche Dilemma für den Jugendschutz; die Anmeldung für den kontrollierten Bereich verläuft folgendermaßen: Durch einen Klick bestätigt, dass man volljährig ist, wird man weitergeleitet, registriert sich mit einem Nutzernamen und wird fortan bei jeder Anmeldung als Mitglied begrüßt €“ verglichen damit sind Kontrollen vor dem Tanzabend in der Disko um die Ecke eine unüberwindbare Hürde.
Für den Jugendschutz ist das verständlicher Weise unhaltbar €“ und dass auf mehr als hundert Mahnungen seitens der ansonsten sehr erfolgreichen Organisation Jugendschutz.net nicht reagiert wurde, mehr als frustrierend.
Sommerloch
Dass jedoch gerade Youtube jetzt in den Blick der Medien gerät, ist wohl eher dem Sommerloch und der letzten Reportage des Mainz-Report zu verdanken, als den einschlägig rechten Inhalten von Youtube-Videos, deren Existenz schon seit langem bekannt ist.
Wesentlich besorgniserregender scheint dagegen die Tatsache, dass es jedem auch nur mäßig Internetkundigen mit Hilfe einer beliebigen Suchmaschine innerhalb weniger Sekunden möglich ist, nicht nur Youtube-Beiträge zu rassistischen oder faschistischen Themen zu finden, sondern auch die Homepages rechtsradikaler Hetzer. Das Angebot dieser Seiten, angefangen mit dem Verkauf einschlägiger Abzeichen, Musik, Texten und Kleidung bis hin zur Verbreitung von Hetzschriften und Terminen rechter Treffs sollte wirklich in das Blickfeld von Politik und Medien gerückt werden: Was die Youtube-Diskussion im kleinen darstellt, ist weniger das Problem dieser einen Plattform, sondern des Internets an sich.
Regelmäßig berichtet zu dem Thema der watchblog npd-blog.info sowie die Bundeszentrale für Politische Bildung.
Im Inneren entsteht der Wandel. Wären nicht so viele im inneren Ausländer-, Juden-, Menschen- oder Anders-feindlich (heterophobie) würden die jungen das nicht aufnehmen und laut rausschreien.
Nur weil mans nicht auf der Strasse rausschreit ist es um keinen Deut besser.
Sind wir denn nicht alle Erdenbürger? Diese Erkenntnis setzt sich anscheinend nur langsam durch.
Verbote, Zwangslöschungen etc bringen generell nur eine Verstärkung von dessen gegen das man ist. Siehe Alkohol- und Drogenpolitik, oder “Kampf gegen den Terror” (der weniger mit Anschlägen als mit der Angst davor spielt und sie schürt statt mindert)