Ein guter Sportler muss sich aufwärmen, um Höchstleistungen zu vollbringen. Ein ordentlicher Festivalbesucher tut selbiges, um drei Tage Live-Programm vom Feinsten standesgemäß einzuläuten und sich fit zu machen für die rund 300 Musiker verteilt auf über 40 Bands, die am vorletzten Wochenende ein regelrechtes Alpenglühen in bayrisch Jamaika veranstalteten.
Mehr als 22.000 musikbegeisterte Menschen jeder Altersklasse stürmten in diesem Jahr die Festivalwiese in Übersee am Chiemsee, um gemeinsam den Chiemsee Reggae Summer 2007 zu feiern. Das waren immerhin 5000 mehr als im Vorjahr. Knapp 300 unter ihnen konnten sich jedoch besonders glücklich schätzen. Denn sie hatten eine der begehrten Karten zum nun schon traditionellen Reggae Cruise am Vorabend des Festivals ergattert. Nach Jahcoustix mit seiner Band Dubious Neighbourhood, gaben sich diesmal Jamaram aus dem nahen München die Ehre, nachdem die acht Herrschaften schon zwei Jahre zuvor die Zeltbühne zum Kochen gebracht hatten.
“Kuschelige” Verhältnisse auf einem prall gefüllten Ausflugsdampfer
Tom (Vocals), Samuel (Acoustic Guitar/Vocals), Murxen (Drums), Benni (Bass), Sebastian (Keys), Nik (Percussion), Matthias (Alto Sax) und Hannes (Tenor/ Bariton Sax) hatten sich also bewährt und bewiesen nun auch in den teils sehr “kuscheligen” Verhältnissen eines umfunktionierten Ausflugsdampfers ohne eigentliche Bühne, was es heißt das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Und so lieferten sie sich zwei Stunden lang ein wahrhaftig wörtlich zu nehmendes Stelldichein mit ihren Fans, die sich selbstverständlich zahlreich in leuchtend gelben Jamaram-T-Shirts präsentierten und teilweise das Konzert schon mal selbst in die Hand nahmen.
Song-Wünsche wurden auf Zuruf prompt umgesetzt. Die Texte der beiden hitverdächtigen Alben “Kalahassi” aus dem Jahr 2004 und “Ookuchaka” aus dem vergangenen Jahr saßen bei ihren Getreuen so sicher, dass die Combo das Singen teilweise komplett einstellen und ihrem Publikum getrost das Zepter übergeben konnte. Ob etwa bei “Rhode Island”, “Spread some love” oder “Kalahassi” aus dem gleichnamigen Album, der Spaßfaktor mit der buntgemischten Truppe aus verschiedenen Teilen der Erde und ihrem einzigartigen Style aus Reggae, Samba, Rumba, Ska, Funk oder auch mal Soul war dermaßen garantiert, dass die von Sänger Tom Lugo initiierten Laola-Wellen den Kahn gehörig ins Schwanken brachten und im Verlauf des Abends sogar die hiesige Wasserschutzpolizei auf einem Nebenboot zum Mitfeiern animierte.
Preisgekrönt und doch nicht abgehoben…
Kein Wunder also, dass die Jungs, die sich bereits vor sieben Jahren binnen kürzester Zeit zu einem kleinen aber feinen Orchester entwickelten, erst im Februar dieses Jahres den “Austrian Newcomer Award” als beste ausländische Band und den “CREOLE Weltmusikpreis 2007” abstauben konnten. Denn nicht nur ihre musikalischen Qualitäten überzeugten in den vergangenen zwei JahrenEURopaweit auf jährlich weit über 100 Konzerten, sondern auch ihre ausgesprochene Fannähe setzt Akzente in der Musikszene.
Tom & Co. zum Anfassen war deshalb auch diesmal angesagt: Sei es gleich auf der Bühne, auf der besonders tanzfreudige Mädels zusammen mit ihren Stars die Hüften kreisen lassen konnten. Oder während des spektakulären Stagedivings von Tom, der sich gekonnt sportlich über die knieende Menge hinwegschwemmen ließ. Auch akrobatische Einlagen durften in einer so aufgeheizten Stimmung natürlich nicht fehlen. Ob Handstand oder Luftsprung €“ Jamaram sorgten selbst bei saunaähnlichen Temperaturen und äußerst eingeschränkter Bewegungsfreiheit dafür, dass der diesjährige Reggae Cruise für viele Besucher zu einem absoluten Höhepunkt des Festivals wurde. Am Ende blieb ihnen – glücklich und leicht durchgeschwitzt – nur eines zu sagen: “Danke fürEURe Vibes undEURen Schweiß!”
Ein unvergessliches Konzert für alle Beteiligten also, das der Truppe mit Sicherheit auch den ein oder anderen neuen Anhänger beschert haben dürfte. In diesem Sinne kann selbst die Redaktion nur sagen: “Spread some love” war das uneingeschränkte Motto des Abends. Denn wie unersättlich sich die dicht zusammengedrängte Masse präsentiert hat, zeigt auch unser nachfolgendes kleines Best of.
Viel Spaß beim Reinhören, Reinschauen und vielleicht sogar beim Mitsingen…
- Alpenglühen in bayrisch Jamaika
- “Solang die Sonne scheint ist alles gut!” €“ Chiemsee Reggae Summer 2007
- €œUp and down€ €“ Jahcoustix & Dubious Neighbourhood und Martin Jondo live at CRS 2007
- Chiemsee Reggae Summer 2007 – Die Künstler
- Chiemsee Reggae Summer 2007 – Impressionen
- Chiemsee Reggae Summer 2007 – “Studien in Braun”
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