Anti-Schwulen Demo, Neo-Faschisten und Gonzales’ Rücktritt - Bürgerjournalismus weltweit

- Anti-Homosexualität in Uganda. Foto: Jackfruity.blogspot.com / creative commons
Ein Artikel der Stanford-Studentin Katherine Roubos auf dem Daily Monitor, in dem sie die erste Konferenz von Ugandas Gemeinschaft für Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle (LGBTI) beschreibt, hat in dem afrikanischen Land für Empörung gesorgt, sogar eine Anti-Homosexualität-Demo wurde ins Leben gerufen. In Uganda ist Homosexualität verboten, die Teilnehmer der LGBTI-Konferenz waren deshalb, als sie sich für ein gleichberechtigtes Leben in Würde aussprachen, maskiert aufgetreten.
Rebekah Heacock, die selbst zu den Ereignissen postete, gibt auf Global Voices eine Übersicht der ersten, teils erschreckenden Reaktionen, wie zum Beispiel von Bloggerin Samantha, die Homosexualität für unnatürlich und unmoralisch hält und die gleichgeschlechtliche Liebe mit Korruption, Raub bei Armen, Lügen, Dreck und sogar Mord vergleicht. Der britische Guardian berichtete weiterhin, dass auch der Minister für Ethik und Rechtschaffenheit an der Demonstration gegen Schwule und Lesben teilgenommen habe und damit eine Verschärfung der Anti-Homosexualitätsgesetze unterstützte. Mehrere Demonstranten hatten die Ausweisung der jungen Journalistin gefordert; der Herausgeber des Daily Monitor, Aga Khan jedoch unterstütze sie und betonte die Unparteilichkeit ihres Berichts. Beim Verfassen dieses Artikels war der Text jedoch nicht mehr aufzufinden.
Schriftstellerinnen bevorzugt
Nur ein anderer Artikel habe in der letzten Zeit in Uganda mehr Kommentare hervorgerufen: Jener von Glenna Gordans, die über die Erfolge von ugandischen Schriftstellerinnen schrieb. Interessant die etwas aggressive Antwort von Iwaya: Ob man nicht einmal darüber nachgedacht hätte, dass Männer schließlich Geld verdienen müssten, um die Familie zu ernähren? Schließlich seien sie diejenigen, die Verantwortung trügen und würden diese Verantwortung auch nicht abgeben! Auch sei es für eine Frau als zugehörige einer benachteiligten Gruppe, leichter, veröffentlicht zu werden… die Verlage warteten nur auf die Manuskripte weiblicher Autoren und missachteten die Männer.
Feuersbrünste in Griechenland
Dass Griechenland gegen die heftigsten Feuerbrünste seit langem kämpft, ist inzwischen international bekannt – über sechzig Menschen wurden zum Opfer der Flammen, unzählige sind obdachlos. Dass die Brände auch in Griechischen Blogs besprochen werden, versteht sich von selbst; Yazan Badran gibt auf Global Voices eine Zusammenstellung einiger Posts: Californiakat gibt Tipps zur Vermeidung von Waldbränden, die allerdings angesichts der vermutlich meist durch Brandstifter gelegten Feuer gut gemeint, aber eher überflüssig sind, betabug gibt berichtet von seinen eigenen Erlebnissen in Athen, wo er Löschflugzeuge aus Kanada und Russland sowie einen Helikopter beobachtet, und Tina schreibt auf der Seite Athena von ihrer Vermutung, wer die Hauptschuld an den Bränden trage: Die globale Erderwärmung, die für immer trockenere, heißere und längere Sommer sorge – und somit für die perfekten Bedingungen für Waldbrände.
Beauty Queen
Auf ein Video, das vermutlich weltweit für Vergnügen und Kommentare sorgte, weist Amira Al Hussaini hin. Das Video zeigt Miss Teen South Carolina, wie sie auf die Frage „weshalb ein Fünftel aller amerikanischen Schüler nicht in der Lage seien, ihr eigenes Land auf einer Karte zu finden“ versucht, eine Antwort zu geben. Wir wollen es Ihnen nicht vorenthalten:
Faschisten in Ungarn?
Einer der Top Artikel von OhmyNews befasst sich ausführlich mit Ungarn. John Horvath stellt die Frage „Bewegt sich Ungarn in Richtung Faschismus oder ist es ohnehin schon längst auf dem Weg dorthin?“ Anlass für diesen düsteren Ausgangspunkt ist die Gründung der „Ungarischen Garde“, die am Wochenende auf der Budapester Burg ihren Fahneneid leistete. Diese neue Gruppierung würde von vielen als eine neo-faschistische gesehen – insgesamt jedoch sei das Land, entsprechend seiner zwei-Parteien Regierung gespalten: Die politisch Linken kämpften gegen die neue „Garde“, die Rechten unterstützten die Organisation, die als paramilitärischer Ausleger der Jobbik-Bewegung zu verstehen sei („Jobbik“ steht für „weiter rechts“).

- Fahneneid der “Ungarischen Garde”. Screenshot via Tagesschau.de
Da sich das ungarische Militär, seitdem nur noch Freiwillige daran teilnehmen, stark reduziert hat, bestünde bei vielen Befürwortern die Hoffnung, dass sich die neue Garde in jenen Bereichen beteiligen könnte, die in Benachteiligung geraten seien, etwa der Katastrophenschutz. Doch insgesamt sei zu befürchten, dass die „Ungarische Garde“ der Anfang des Endes eines demokratischen Ungarns sei. Horvath sieht in der Gründung gar den Beginn eines neuen Faschismus – auch wenn man seit einigen Jahren in Ungarn von einer „Jüdischen Renaissance“ spricht. Am 23. Oktober, dem 51. Jahrestag der ungarischen Revolution werde sich die wirkliche Rolle der „Ungarischen Garde“ zeigen – der Tag, der zugleich die erste Jährung der blutigen Kämpfe im letzten Jahr ist, steht unter ganz eigenen, angespannten Vorzeichen.
Über die Verhaftungen im Zusammenhang mit dem Mord an der Journalistin Anna Politkowskaya schreibt Ludwig de Braekeler. Die Readers Edition hat den Artikel für Sie übersetzt, sie finden ihn hier.
Der Rücktritt des us-amerikanischen Justizministers Alberto Gonzales beschäftigt gleich zwei Autoren. Seinem Namen alle Ehre macht der Autor „Liberally Conservative“ (’reichlich konservativ’), der sich in seinem Beitrag über die von ihm festgestellte Planlosigkeit der Demokraten ärgert, die in beiden Häusern des Kongress – dem Senat und dem Repräsentantenhaus – seit der Wahl 2006 die Mehrheit haben. Sämtliche Gesetzesvorlagen der Demokraten wären gescheitert und die Forderungen der Partei, wie Rückzug aus dem Irak oder eine Erhöhung der Steuern, und damit verbunden eine Stärkung des Wohlfahrtsstaates, wären Unsinn und keineswegs durchsetzbar. Die einzigen Erfolge, die die Demokraten vorzuweisen hätten, seien der Rückzug Karl Roves und eben der Rücktritt Gonzales’. Allerdings kriegt auch die Republikanische Partei ihr Fett weg: Rückgratlos sei es, wie sich die Partei den Forderungen der Demokraten gegenüber verhalte, unverständlich, dass sie nicht eingreift, wenn jemand wie Ted Kennedy über Gesetze und Gerechtigkeit rede.
John Cole hingegen beschäftigt sich mit dem Grund des Rücktritt und kommt zu dem Schluß, dass Gonzales aus den falschen Gründen zurückgetreten ist. Der tatsächliche Grund für den Rücktritt ist der Druck, der gegen ihn entstand, nachdem herauskam, dass die Entlassung von acht Bundesanwälten im Dezember 06 politische Gründe hatte – ein Desaster für die von der Verfassung geforderte Trennung von Politik und Justiz. Doch Cole macht noch einmal auf die Zweifel aufmerksam, die schon bei der Nominierung Gonzales’ existierten. Denn noch bevor Gonzales Justizminister wurde, bezeichnete er die Genfer Konvention als „obsolet“ (vor allem in Bezug auf das Thema Folter von Kriegsgefangenen) und erfand den Begriff des „feindlichen Kämpfers“, für den, im Gegensatz zu einem klar als Soldat gekennzeichneten Gegner, die eh als veraltet erkannten Genfer Konventionen nicht gelten würden. Die Errichtung des Camp X-Ray in Guantanamo war eine Konsequenz aus dieser Haltung, laut John Cole müssen auch die Folterungen in Abu Ghraib als Folge gesehen werden. All dies war für Cole Grund genug, dass Gonzales niemals Justizminister werden hätte dürfen. Dass er nun wegen der Entlassungen von Bundesanwälten zurücktreten müsse, sende noch nachträglich das Signal: Die Befürwortung von Folter ist legitim.
Marie Naumann & Martin Stahlke










