Hurrikan Katrina, “Mantogate” in Südafrika und ein Kommentar zu Sarkozy - Bürgerjournalismus weltweit
Artikel von Redaktion Readers Edition vom 29.08.2007, 16:25 Uhr im Ressort Politik, Social Media | No Comments
Zwei Jahre ist es her, dass [1] Katrina den Süden der USA heimsuchte. Die Stadt New Orleans gehörte zu den am stärksten betroffenen Regionen; der Wirbelsturm richtete dort verheerende Schäden an, als er die Deiche der Stadt brechen ließ. Hunderttausende mussten ihre Häuser verlassen, in Notunterkünften ausharren; viele verloren alles, viele kehrten nicht wieder zurück. Was der Sturm für die Bewohner der Stadt bedeutete, und wie es sich heute in New Orleans lebt, [2] beschreibt in einem Interview auf [3] OhmyNews Joe Mathis.
Die Folgen des Sturms sind noch lange nicht überwunden
Der Fünfzigjährige dreifache Vater wurde in New Orleans geboren und arbeitet dort, wie vor ihm sein Vater, im Bauwesen. Dass er seine Stadt liebt wird aus seiner Beschreibung deutlich, in der er auf die vielen verschiedenen kulturellen Einflüsse die die Stadt prägen, eingeht, wie die Franzosen, die die Stadt gründeten, die Spanier, Iren, die Spuren, die der Sklavenhandel hinterließ ebenso wie die deutschen Siedlungen und italienischen Immigranten – von allen sei in New Orleans etwas zu finden – und alle heutigen Bewohner hätten gleichermaßen unter den Folgen des Sturm zu leiden. Mathis, der heute noch mit einem Teil seiner Familie (seine älteste Tochter zog nach dem Hurrikan nach Boston) in einem Wohnmobil vor seinem zerstörten Haus lebt (ein Schicksal, das er mit ca. 30.000 anderen teilt), beschreibt seine Flucht vor zwei Jahren und das Gefühl der Rückkehr.
Obwohl gerade das von vielen anderen eingeklagt wird, ist er nicht der Meinung, der Staat solle die Stadt wieder aufbauen: Die Regierung könne und solle zwar helfen, doch verantwortlich für den Wiederaufbau seien die Leute selbst. Der Wiederaufbau läge auch in der Natur des Menschen – in dem Trieb zu überleben und weiterzumachen, ob in einem Erbebengebiet, einem durch Krieg zerstörten Ort oder eben in New Orleans.
Traumata
Wie hart und schwierig ein solcher Wiederaufbau jedoch ist, liest sich auf “[4] Metroblogging New Orleans“, dem Placeblog der Stadt. Hier [5] stellt Dan Frazier die Frage: “Was soll aus uns werden?” – und schreibt über seine Frustration, dass ein guter Katastrophenschutz am Geld scheitern soll; anders als Mathis sieht der Radiomoderator viele Hindernisse, die dazu beitragen, dass die Stadt nach wie vor “verkrüppelt, funktionsuntüchtig, einige sagen sogar: tot” sei, in der Regierung. Und oft sei es schwer, wenn nicht gar unmöglich, in New Orleans, in dieser Ungewissheit, was werden wird, zu leben. Auch sein Blog-Kollege [6] Craig Giesecke leidet unter den Zuständen – für ihn sind die Traumata, die er und seine Nachbarn erlitten zu vergleichen mit den Kriegstraumata von Soldaten.
Das Ausmaß des Sturmes wurde in vielen Videos festgehalten - hier eines davon:
[7] Global Voices
“Mantogate” nennt [8] Sarah Britten auf dem Times Blog die Situation, in der sich die Südafrikanische Gesundheitsministerin Manto Tshabalala-Msimang befindet; dass die Bevölkerung ihr nicht wohlgesonnen ist, steht fest. Die Reaktionen auf die jüngsten Skandale beschreibt [9] Muhammad. Die Ministerin, die ohnehin wegen ihrer Stellungnahme zu Aids in der Kritik steht (sie empfiehlt gegen die Erkrankung Knoblauch und Rote Beete) sei erneut ins Kreuzfeuer geraten, nachdem sie durch Bestechung und das Ausnutzen von bestimmten Verbindungen vor anderen eine neue Leber erhalten habe, die sie wegen ihres Alkoholismus bräuchte.
Diebstahl in Botswana
Dass sie in Botswana wegen Diebstahls verurteilt worden ist, ist wohl nur das I-Tüpfelchen auf einer Reihe von Skandalen. Dennoch weigere sich der Präsident Thabo Mbeki, die Ministerin zu entlassen - er ging sogar soweit, die Bevölkerung aufzufordern, doch Beweise für eine Misswirtschaft seitens des Gesundheitsministeriums zusammenzutragen, was [10] die Democratic Alliance gerne tat. In der Blogosphäre Südafrikas zeigt sich die Empörung, wie zum Beispiel bei [11] Kak Duidelik, aber auch die Witze über die Situation, wie auf [12] thesouthafricaninsult, wo Anekdoten und Comics zu der Ministerin gesammelt werden.
[13] Agoravox
Einen nicht überraschend [14] konservativen Blick wirft der Autor “[15] liberally conservative” auf den momentanen Lieblingsfeind der USA in der westlichen Welt, Frankreich. Genauer gesagt beschäftigt er sich mit den jüngsten Äußerungen des französischen Präsidenten Sarkozy. Seit dem Irakkrieg und Frankreichs Weigerung an dem Angriff auf den Irak teilzunehmen gilt das europäische Land in den USA als eine Nation der Feiglinge und Verräter – was seinerzeit nicht nur zu einem Boykott französischer Waren, sondern sogar zu einer Umbenennung der Pommes Frites in den USA führte (Von “French Fries” zu “Freedom Fries”). Zwar ist auch in den USA in weiten Teilen der Bevölkerung die Erkenntnis gewachsen, dass die Idee, das Land zwischen Euphrat und Tigris anzugreifen, vielleicht keine so richtig gute und vor allem nicht sonderlich durchdachte Idee war, doch konservative Denker, wie “liberally conservative” lassen sich davon nicht abhalten, am Feindbild des verräterischen Frankreichs festzuhalten.
Änderung des französischen Kurses
Nun hat der neue Präsident Sarkozy eine Reihe verschiedenster Thesen und Forderungen außenpolitischer Art kund gegeben und “liberally conservative” meint eine Änderung des französischen Kurs festzustellen – doch all das kommt zu spät und ist nicht glaubwürdig. Die Aussage Sarkozys, dass ein atomar bewaffneter Iran auf keinen Fall hinzunehmen sei, so “liberally conservative”, müsse zu der Frage führen, ob Sarkozy glaube, Frankreich wäre eine Supermacht und wie die Franzosen glauben könnten, einen Krieg gegen den Iran führen zu können. Sarkozys Kritik an Russland (”Russland drängt zurück auf die Weltszene in dem es seine Aktivposten, nämlich Öl und Gas, nutzt und dies mit einer gewissen Brutalität. Wenn man eine große Macht ist, sollte man nicht brutal sein”) verwundert “liberally conservative”, doch das “französische Säbelrasseln”, wie er es nennt, nutzt wenig, sobald die Sprache auf den Irak kommt: Eine klare Zeitlinie bezüglich des Rückzugs ausländischer Truppen aus dem Irak fordert Sarkozy, und eine wahrhaftige nationale Versöhnung müsse stattfinden – für “liberally conservative” ist all das ein weiteres Zeichen französischer Feigheit. Wieder einmal zeige Frankreich sein wahres Gesicht: Starke Worte, doch sobald die Diskussion auf den Irak kommt, spreche Sarkozy “wie ein Linker im Kongress [..] Ein wahrer Franzose.” Frankreich habe durch die Opposition gegenüber den US-amerikanischen Angriffsplänen die USA in dem damaligen Streit mit der UN unterminiert. Jetzt sei es eh zu spät für eine Aussöhnung mit Frankreich den Irak betreffend, denn den Preis für die “Befreiung des Landes” (Irak) und den “Kampf gegen den Terrorismus” habe die USA schließlich alleine gezahlt.
Photo Quelle / Copyright: Brande Jackson via [16] Flickr, [17] Bestimmte Rechte vorbehalten.
Marie Naumann & Martin Stahlke
Artikel aus "Readers Edition": http://www.readers-edition.de
Link zum Artikel: http://www.readers-edition.de/2007/08/29/hurrikan-katrina-mantogate-in-suedafrika-und-ein-kommentar-zu-sarkozy-buergerjournalismus-weltweit/
Links im Artikel:
[1] Katrina : http://de.wikipedia.org/wiki/Hurrikan_Katrina
[2] beschreibt in einem Interview: http://english.ohmynews.com/ArticleView/article_view.asp?menu=A11100&no=379652&rel_no=1
38;back_url=
[3] OhmyNews: http://english.ohmynews.com/
[4] Metroblogging New Orleans: http://neworleans.metblogs.com/
[5] stellt Dan Frazier die Frage: http://neworleans.metblogs.com/archives/2007/08/what_will_becom.phtml
[6] Craig Giesecke: http://neworleans.metblogs.com/archives/2007/08/excuse_this_ent.phtml#more
[7] Global Voices : http://www.readers-edition.de/schreiben/www.globalvoicesonline.org
[8] Sarah Britten: http://blogs.thetimes.co.za/britten/2007/08/24/could-mantogate-be-marketing-gold/
[9] Muhammad: http://www.globalvoicesonline.org/2007/08/28/south-africas-health-minister-under-fire-from-public-op
inion/
[10] die Democratic Alliance gerne tat: http://www.mg.co.za/articlePage.aspx?articleid=317415&area=/breaking_news/breaking_news__nation
al/
[11] Kak Duidelik: http://www.kakduidelik.co.za/?p=521
[12] thesouthafricaninsult: http://www.thesouthafricaninsult.iblog.co.za/2007/08/22/another-manto-joke/
[13] Agoravox: http://www.agoravox.com/
[14] konservativen Blick: http://www.agoravox.com/article.php3?id_article=6677
[15] liberally conservative: http://www.agoravox.com/auteur.php3?id_auteur=4686
[16] Flickr: http://www.flickr.com/photos/brandejackson/442515560/
[17] Bestimmte Rechte: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/deed.de