Die letzten sieben der in Afghanistan entführten südkoreanischen Missionare sind am vergangenen Donnerstag von der Taliban freigelassen worden. Die Regierung in Seoul hat den Forderungen der Entführer nachgegeben und will bis zum Jahresende die 200 stationierten Soldaten abziehen.
Ob man den Ausgang des Geiseldramas als gut bezeichnen kann ist strittig.
Für die 21 Freigelassenen und ihre Angehörigen konnte es natürlich nicht besser ausgehen und von Herzen gönnt man ihnen nach der mehrwöchigen Tortour das Wiedersehen mit ihren Familien und Freunden.
Dennoch, zwei Tote und den Sieg der radikalislamischen Taliban hat man zu beklagen. Das, so fürchten Politiker, könne die Taliban zu weiteren Entführungen motivieren. Denn ist man einmal erpressbar, ist man es auch ein zweites Mal. Die afghanische Regierung hatte aus diesem Grund die Forderungen der Taliban, Gleichgesinnte aus dem Gefängnis zu entlassen, abgelehnt. Auf diese Weise versucht man den Entführern den Wind aus den Segeln zu nehmen, denn wenn ihre Forderungen kategorisch abgelehnt werden, sehen sie bald in Entführungen keine Sinn mehr.
Südkorea dagegen wählte den kurzsichtigeren Weg, zum Wohle der 21 Frauen und Männer, denen der Tod drohte.
Seoul versprach, bis Jahresende die 200 Soldaten abzuziehen und in Zukunft keine christlichen Missionare mehr an den Hindukusch zu schicken. Letzteres könnte schwierig werden, weil die ca. 17.000 südkoreanischen Missionare, die auf der ganzen Welt verteilt arbeiten, ja nicht von der Regierung, sondern von christlichen Hilfswerken und Missionsgesellschaften ausgesandt werden. Wahrscheinlich wird es bei einer Reisewarnung für die arabische Welt bleiben.
Dass der Ausgang der Entführung keine negativen Auswirkungen auf die Geiselnahme des 62-jährigen Bauingenieurs Rudolf B. haben wird, bleibt zu hoffen. Die eher kriminelle Talibangruppe, die den Deutschen am 18. Juli in der Provinz Wardak entführt hatte, könnte sich nun bestätigt fühlen und auf Zahlung der deutschen Regierung beharren. Diese allerdings bleibt bei ihrer Politik: Deutschland ist nicht erpressbar.
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