Dass Hunde und Katzen uns anrühren, wenn sie in Not sind, hat die große Reaktion auf den Artikel über einen Hundezwinger, der vor einiger Zeit in der Readers Edition erschien, bewiesen. Dass diese These auch für Länder gilt, in denen ganz und gar andere Zustände herrschen, lesen wir in einem Blogpost von Tanya Kremen, den Veronica Khokhlova auf Global Voices übersetzt hat.
Kremen, eine ukrainische Journalistin hatte in einem Spendenaufruf gelesen, dass die Katzen eines Tierheims außerhalb Kiews keine Nahrung mehr hätten und besuchte das Tierheim, um zu helfen. Sie traf dort auf Asya Vilgelmovna, die hunderte Hunde und Katzen versorge €“ allein mit der Hilfe eines Tierarztes, der die Behandlung der Tiere nutze, um seine Studenten zu unterrichten. Die einzigen Einnahmen, mit denen sie sich und ihre Schützlinge über Wasser hält, sind Spenden und Sachgeschenke; viel zu wenig, um den Betrieb wirklich ausbauen zu können, und auch die vielen Tiere, die zu ihr kämen, zu versorgen.
In einem Kommentar zu dem Post klingt eine Beschwerde an: “Unsere Menschen sterben wie Hunde, Kinder werden in Waisenhäuser gesteckt€¦ Denken die eifrigen Tierschützer auch daran?”
Kremens Antwort darauf ist: “Ich bin der Meinung, dass der Ursprung beider Probleme, der gleiche ist.”
Reisen auf Staatskosten
Eine Funken gezündet hat in Tunesien der Blogger Astrubel, der dieses Video mit Photos der tunesischen “Airforce one” postete und es wagte zu fragen: Wer nutzt das Flugzeug des Präsidenten? Wer unterstützt die Flüge ins Ausland und wie viele davon sind tatsächlich politische Reisen?
[youtube XRW2BJOewcc]
Bislang, so lässt sich aus den von Amira Al Husseini übersetzten Kommentaren erfahren, seien diese Fragen Tabu gewesen €“ doch es sei schon sehr auffallend, dass ein Großteil der Flüge in die ModestädteEURopas führten; und dass nie in den Medien über diese Reisen berichtet würde. Natürlich könnte es sein, dass der Flieger für andere Regierungszwecke genutzt würde oder gar den Transport des Tunesischen Fußball Teams €“ doch ist das wirklich so? Sami Ben Gharbia stimmt in die Fragen ein, leitet sie deutlich in Richtung auf die First Lady €“ und schreibt letztendlich: “Es würde mich nicht wundern, wenn der Präsident selbst nichts davon weiß.”
Agoravox
Kanadische Polizisten als Agents Provocateurs
Jon Newton berichtet von einem Vorfall während einer Demonstration im kanadischen Montebello, Quebec. Dort fand kürzlich der “North American Summit” (Kanada, USA und Mexiko) statt. Der Protest richtete sich vor allem gegen die SSP (Security Prosperity Partnership of North America) der drei Länder und, auf lokalerer Ebene gegen TILMA (Trade, Investment and Labour Mobility Agreement). In die Gruppe der überwiegend gewerkschaftlich organisierten Demonstranten hatten sich auch drei vermummte Herren gemischt, die mit Steinen in der Hand dazu aufforderten, den Kampf mit der anwesenden Polizei zu suchen €“ dummerweise wurden sie als Agents Provocateurs der Polizei enttarnt. Noch blöder für die Polizisten war, das Paul Manly, ein Dokumentarfilmer, mit seiner Kamera zur Stelle war und die Aufdeckung filmte, berichtet Newton. Später dann liefen harmlose Ausschnitte des Videos im kanadischen Sender CTV und ein Experte erklärte dazu, dass solche Dinge (das Einsetzen von Agents Provocateurs) in Kanada nicht passieren könnten. Dumm gelaufen, denn bis dahin hatten bereits 30.000 User das Video bei YouTube gesehen €“ das komplette Video wohl gemerkt:
[youtube St1-WTc1kow]
US-Amerikanische Senatoren und der Sex
Mit dem Fall (im doppelten Sinne) des US-amerikanischen Senatoren Larry Craig aus Idaho beschäftigt sich James Anthony Mehrle Jr. Der Republikaner, der Zeit seiner politischen Karriere stark und deutlich gegen Rechte für Homosexuelle und für die “traditionellen Werte” eingetreten ist, wurde am elften Juni in der Toilette des Minnesota-Saint Paul International Airport festgenommen. Er hatte versucht zum Nebenmann in der Nachbartoilette Kontakt aufzunehmen. Offenbar auf eine Weise, die typisch ist für Männer, die öffentlichen Sex suchen. Nichts ungewöhnliches an diesem Ort offenbar, gilt die Toilette doch als Schwulenklappe. Der Nebenmann war jedoch ein Polizist in Zivil und auf der Lauer und nahm die Annäherungsversuche zum Anlass, den Senator zu verhaften. Anschließend gab Craig zu, sich derart verhalten zu haben und zahlte eine Strafe von 575 Dollar €“ sein erster Versuch auf die missliche Lage zu reagieren, scheiterte, da der Polizist in Zivil auf die ihm vor die Nase gehaltene Visitenkarte des Senators und die Frage ob das nicht helfen würde, die Sache fallen zu lassen, nicht so reagierte wie es sich der Senator erhofft hatte.
Nun dauerte es zwar fast drei Monate, doch die Sache kam doch noch ans Licht der veröffentlichenden Medien €“ und Craig änderte plötzlich seine Aussage. Er sei nicht schwul und sei es auch nie gewesen. Das Geständnis habe er aus Verwirrung heraus gegeben. Und überhaupt, er habe halt eine besonders weite Sitzposition auf der Toilette (weshalb sein Fuß rhythmisch an den Fuß des Polizisten in der Nachbarkabine stieß €“ laut Polizei ein klassisches Erkennungszeichen) und er habe, als er mit der Hand unter der Kabinenwand in die Nachbarkabine langte, nur nach einem heruntergefallenen Papier gesucht (weder sei dort Papier gewesen noch habe der Senator welches aufgehoben, so der festnehmende Polizist).
Republikanische Heuchelei
Für Mehrle ist dieser Fall ein klassisches Beispiel der republikanischen Heuchelei €“ und noch mehr, ein Zeichen für das Scheitern dieser Heuchelei. Damit meint er weniger den Vorfall als solchen, sondern vielmehr die Reaktion der Republikanischen Partei. Denn schon werden von Senatskollegen der eigenen Partei Rücktrittsforderungen laut. Und das, so Mehrle, war ganz anders, als der Republikaner David Litter im Juli diesen Jahres als Kunde eines Callgirlrings enttarnt wurde: Von dem Senator aus Louisiana, der zu Zeiten von Clintons Affäre mit Monica Lewinsky dessen sofortigen Rücktritt aufgrund von “Unmoral” verlangte, wollte niemand, dass dieser zurücktritt. Der große Unterschied zwischen den beiden Senatoren Litter und Craig? Wenn Craig zurückträte, übernähme ein republikanischer Politiker seinen Sitz, im Gegensatz dazu würde der Sitz des Republikaner Litter an einen Demokraten fallen.
New Yorker gesünder als andere US-Amerikaner
Über eine auf den erste Blick ziemliche verblüffende Feststellung berichtet Erica Barnett auf worldchanging.com. Die Lebenserwartung der Bewohner des Big Apple steigt ständig €“ und zwar in einem weit höheren Maß als es beim Rest der Bevölkerung der USA der Fall ist. Zur Zeit liegt die Lebenserwartung der New Yorker bei 78,9 Jahren €“ Neun Monate mehr im sonstigen Land. An der fallenden Mordrate könne es nicht liegen, da diese proportional im gleichen Maß falle wie anderenorts in den USA. Die Erklärung so Barnett, ist einfach: Es liegt an der Infrastruktur der Stadt, der sozialen wie auch der technischen: In New York Auto zu fahren ist in den meisten Fällen purer Wahnsinn. Also nutzen die New Yorker den öffentlichen Nahverkehr und vor allem laufen sie. Treppen hinunter zur U-Bahn, Treppen hinauf auf die Strasse und für kurze Wege wird gar nicht erst die U-Bahn bemüht, sondern gleich zu Fuß gegangen. Und all das €“ in der Stadt die niemals schläft und keine Zeit zu verschenken hat €“ schnell. Die Bewohner der größten Stadt der USA flanieren nicht, sie bewegen sich flott und zügig. Und so wird die ganze Stadt zu einem großen Fitnessstudio.
Photo: Screenshot via WDR.de
Martin Stahlke & Marie Naumann
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