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Politik + Klimawandel

Vergiftete Muttermilch, ein Sicherheitszaun und Herzinfarkte durch den Klimawandel - Bürgerjournalismus weltweit

Donnerstag, den 6. September 2007 um 20:09 Uhr von Redaktion Readers Edition

 „Wenn man denkt, dass etwas sicher ist und sich dann das Gegenteil herausstellt, ist das meistens ein Schock. Aber das hier, dass war ein ECHT GROSSER Schock“ schreibt Blogger Wadai no Pon Pon, nachdem gestern bekannt wurde, dass die Muttermilch japanischer Frauen mit einem Stoff belastet ist, der dem toxischen PCB ähnelt. Dass die ursprünglichste Quelle von Nahrung für Neugeborene vergiftet sein könnte, birgt tatsächlich einigen Schrecken; Chris Salzberg hat auf Global Voices die ersten Reaktionen zu dem Fund zusammengestellt.

Giftige Nahrung - giftige Körper

Blogger Mumon erklärt wie das Gift in die Körper der Frauen gelangte: Vermutlich über Fisch, der in Japan nicht nur in großen Mengen gegessen, sondern auch verarbeitet würde; die Anreicherung von Giften im Fisch wiederum sei auf die globale Umweltverschmutzung zurückzuführen und zieht auch eine direkte Verbindung zu der steigenden Krebsrate in China. Ein Großteil der Schuld sei in den großen Industrienationen zu suchen, zu der auch Japan gehöre. Blogger Risamine folgt der Theorie von Abraham Maslow und sieht das größte Problem nicht allein in der Verschmutzung selbst, sondern vor allem darin, dass gerade Bewohner von Schwellenländer in Asien kämpften, um zu überleben – und sich daher wenig Gedanken machen könnten, wie man die Umwelt schützen könnte.

Tagebücher einer europäischen Guerilla

Im Juli war in Kolumbien nach einer Razzia in einem Lager von Aufständischen das Tagebuch einer holländischen Frau gefunden worden, die die letzten fünf Jahre Teil der bewaffneten Guerilla des Landes gewesen war. Etliche Teile dieser Tagebücher wurden bereits von spanischen und englischen Medien veröffentlicht und natürlich finden sich auch Kommentare zu den Schriften von Tanja Nijmeijer, unter den Rebellen als „Eillen“ bekannt, in den Blogs des Landes.
In allen Beiträgen zu dem Thema wird Verachtung für Europäer deutlich, die dächten, die FARC sei cool und kämpfe für soziale Gerechtigkeit. Juliana Rincón Parra hat etliche der Kommentare übersetzt – unter anderem den von Blogger Paul O’Leary, der die Texte der Holländerin zusammenfasst: Sie beschreibe die FARC als Gefängnis und Müllhalde, als eine Organisation, in der einige Rolex Uhren trügen und andere wie Tiere behandelt würden. „Ficken und Töten, Ficken und Töten, bis die Welt zuende sei,“ sei die Essenz des Erlebten.

Über-Leben im Irak

Drei Blogs, aus denen Salam Alil in seiner Kolumne „Landing at the Iraqi Blogodrome“ zitiert, befassen sich mit dem täglichen Leben im Irak; erschreckende Berichte von Inside Iraq beschreiben, wie es ist, plötzlich zum Ziel von amerikanischen Schützen zu werden; zwar hätten alle überlebt, doch die Tochter der betroffenen Familie habe zwei Finger verloren und der Vater habe nun eine Metallplatte, die seine Schulter zusammenhalte. Die Amerikaner hätten sich entschuldigt. Dass man jedoch trotz Bomben und Schüssen ein normales Leben führt, beschreibt Sunshine’s mama, die mit ihrer Familie ein Picknick machte – bis die Weide unter der sie saß, von einer „verlorenen“ Kugel zerfetzt wurde.

OhmyNews

Seit den vier Jahren, in denen der wahrscheinlich umstrittenste Zaun der Welt errichtet wurde, hat die Anzahl der Selbstmordattentate, vor denen er schützen sollte, tatsächlich drastisch abgenommen, berichtet Yehonathan Tommer aus Isreal. Doch für das Leben der Palästinenser bedeute der Zaun eine erhebliche Erschwerung ihrer Lebensbedingungen; er habe Familien getrennt, Bauern von ihren Feldern und Olivenhainen. Der Autor gibt etliche Beispiele und stellt die entscheidende Frage: Wie lange wird diese Grenze noch stehen bleiben? „Bis der Frieden kommt“, ist die Antwort eines Palästinensers, „Doch das Leben jetzt ist sehr schwer. […] Es kommt auf die Amerikaner an.“

Je älter der Berg, desto blauer ist er. Photo: Dona Gibbs, Screenshot OhmyNews

Szenen aus Grönland

Dona Gibbs war Teilnehmerin einer dreiwöchigen Expedition rund um Grönland; heute ist der erste Teil der Serie, die sie dazu verfasst, erschienen. Ihre Beschreibungen und vor allem auch phantastischen Bilder geben dem Leser eine gute und sehr atmosphärische Vorstellung von der Reise – die sicher nicht immer leicht ist, und an der 48 Personen teilnehmen, um Tiere zu beobachten. Und natürlich Eisberge.

Agoravox

Heuschreckenplage im Jemen

Omar Barsadwad erzählt von einem Schrecken biblischen Ausmaßes, das die Region Hadramaut seines Heimatlandes Jemen heimsucht: Eine Heuschreckenplage. In den letzten Wochen hat er schon des öfteren davon gehört, dass große Schwärme durch das arabische Land ziehen. Und deren Spuren – unvorstellbar große Schäden auf den Feldern und für die Ernte - gesehen. Doch vor wenigen Tagen erst hat er dann einen solchen Schwarm mit eigenen Augen gesehen: Ein dunkler massiver Schatten am Himmel, von dem er erst gar nicht wußte, was es ist. Es erinnerte ihn an den Film „Die Mumie“ - in rasender Geschwindigkeit zog der riesige Schwarm vorbei, und noch bevor ihm richtig klar wurde, was das eigentlich ist, war er schon wieder weg. Der Schaden für die Region und den Jemen insgesamt geht mittlerweile in die Millionenhöhe, weite Teile der Ernte wurden vernichtet.

Treehugger

Von dem Zusammenhang erhöhter Gefahr von Herzinfarkten und dem Klimawandel erzählt Jasmin Malik Chua. Bei der großen europäischen Hitzewelle 2003 starben 35000 Menschen, allein 15000 davon in Frankreich, wo die Hitze besonders stark war. Dr. Karin Schenck-Gustafsson vom schwedischen Karolinska Institut, so Chua, sagt, dass, wenn es tatsächlich einige Grad wärmer wird in den nächsten fünfzig Jahren, die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen geben würde. Die Hitze führt dazu, dass mehr Blutkörperchen in die Haut gesangdt werden, wo die Temperaturen kühler sind. Der Blutdruck fällt, der Herzschlag steigt – eine oft tödliche Mischung, gerade für ältere Menschen. Wie viele Menschen allerdings durch ein bestimmten Temperaturanstieg an Herzproblemen leiden würden oder gar daran sterben würden, ließe sich nicht vorausberechnen. Zu viele unterschiedliche Faktoren würden eine Rolle spielen. So zum Beispiel eine durch den Klimawandel ansteigende Luftverschmutzung. Aber, so zitiert Chua Dr. Claudio Ceconi von der European Society of Cardiology, gegen diese gefahr ließe sich etwas tun: Mehr Sport treiben, das Herz stärken – allerdings am besten dann, wenn gerade keine Hitze herrsche.

Marie Naumann & Martin Stahlke

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