Tansania: Privater Wildtierpark auf Hadza-Gebiet

Der neuste Plan der tansanischen Regierung sieht vor, einer küniglichen Familie der Vereinigten Arabischen Emirate Land der Hadza, eines der letzten verbliebenen Jäger-Sammler-Volkes, als privates Safari-Gelände zu überlassen. Es geht um 2500 Quadratmeilen des Eyasi Hochlandes südlich des Ngorongoro-Schutzgebietes. Die Hadza wurden nie dazu befragt – und werden nun plützlich

hadza.jpgDer neuste Plan der tansanischen Regierung sieht vor, einer küniglichen Familie der Vereinigten Arabischen Emirate Land der Hadza, eines der letzten verbliebenen Jäger-Sammler-Volkes, als privates Safari-Gelände zu überlassen. Es geht um 2500 Quadratmeilen des Eyasi Hochlandes südlich des Ngorongoro-Schutzgebietes.

Die Hadza wurden nie dazu befragt – und werden nun plützlich als Gesetzesübertreter behandelt, weil sie auf ihrem eigenen Land jagen. Schon aufgrund früherer Vereinbarungen der tansanischen Regierung mit privaten Unternehmen wurde das Gebiet der Hadza leergeschossen, während die Hadzabe gleichzeitig als “Wilderer” ins Gefängnis gesteckt wurden – was sie oft nicht überlebten. In den Augen der tansanischen Beamten sind die Hadza primitive Wilde, die es zu ihrem Besten aus dem Busch zu vertreiben gilt. Der Beamte des Öffentlichen Dienstes Philip Marmo nennt sie “rückständig” und sagt, sie würden von Schulen, Straßen und anderen Projekten begünstigt, welche die Künigsfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate für sie vorgesehen habe. Die Hadza, welche bis vor kurzem keine Verwendung für Geld, organisierte Religion oder gemessene Zeit hatten, sollten “zur Schule gehen, Kleider tragen und anständig sein.”

Doch nun haben die Hadza-Ältesten nach einem Treffen beschlossen, Widerstand zu leisten.

Der deutsche Verein “Freunde der Naturvülker” lädt auf seiner Homepage dazu ein, den Widerstand mit Protestschreiben zu unterstützen.

Das wird vermutlich auch nicht die letzte Auseinandersetzung mit Indigenen sein: Die Regierung Tansanias will die Anzahl der Besucherankünfte aus dem Ausland in den nächsten drei bis vier Jahren auf eine Million verdoppeln. Dafür sollen zum einen auf Sansibar mehr Hotels gebaut werden andererseits aber auch im 14763 Quadratkilometer großen Serengeti Nationalpark. Während in Maasai Mara, dem 3000 Quadratkilometer großen kenianischen Teil des Wildreservates, 4700 Zimmer zur Verfügung stehen, sind es im tansanischen Teil lediglich 940. Zu diesen sollen ungeachtet der Proteste von Umweltaktivisten in den nächsten fünf Jahren 4500 Zimmer dazu kommen. In Maasai Mara und dem Serengeti National Park kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Maasai, die in den letzten zwanzig Jahren wiederholt erleben mussten, wie ihr Überleben und ihre Rechte dem Schutz der Wildtiere und dem Tourismus geopfert wurden.

Quellen: www.naturvoelker.org, 29.08.07; www.Northstatescience.blogspot.com 10.06.2007; www.ipsnews.net 17.04.2007

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Danke für diesen Beitrag!
    Ich habe die Protestaktion unterstützt, da die Hadza ja hier die schwachen gedemütigten Unschuldigen sind denen meine Sympathie gehüren muss. Ich spiele dabei natürlich “nur” die mir zugedachte Rolle in diesem Spiel auf mehreren Ebenen. Denn welchen Bezug habe ich zu den Hadza? Haben wir irgendeine Gemeinsamkeit? Eigentlich nicht. Wir nehmen nur an es sind Menschen, die Menschenrechte haben. Wie viele Hadza haben je von Menschenrechten gehürt? Gibt es überhaupt einen solchen Begriff in ihrer Sprache?
    Alle Teilnehmer an der Unterschriftenaktion sind die mittelbaren Gegenspieler der arabischen “Investoren” auf globaler Ebene. Unterschriften gegen hohe Geldsummen. Lokal stehen maximal 1000 Hadza gegen einen Staatsapparat mit dem sie eigentlich nichts verbindet als das gemeinsame “Territorium”.

    Man sollte sich fragen, was für die Hadza und andere San in Afrika die bestmügliche Zukunft sein künnte. Leben unter Abgeschiedenheit in einem eingezäunten Reservat, dessen Grenzen unter hüchstem Aufwand bewacht werden müssten? Wer würde dies finanzieren? Kann man erwarten, dass die “Bewacher” uneigennützig und selbstlos ihre Aufgabe gegen alle Verlockungen und Begehrlichkeiten des “Beutestaats” und seiner Amtspersonen durchsetzen werden?

    Wer ausser den Hadza hat überhaupt ein Interesse am Status quo?
    Wie kommen die Hadza, deren Kultur keinen Bezug zu Besitzrechten an Land hat, denen hierarchische Machtstrukturen fremd sind, dazu die UNO oder die Weltüffentlichkeit anzurufen? Ist ein global agierendes Naturvolk nicht ein Widerspruch an sich?

    Zudem müchte ich noch anmerken, dass alle San/Buschmänner schon vor der Ankunft der Kolonialherren Verdrängungsprozessen in immer kargere Gebiete ausgesetzt waren. Auch die Massai waren daran beteiligt.