Diktaturen, Neonazis in Israel und US-Wahlkampf auf Spanisch – Bürgerjournalismus weltweit

€žViele Südamerikanische Länder wurden im letzten Jahrhundert von Militärdiktaturen geführt, so wie Paraguay (1954-1989), Uruguay (1973-1985), Chile (1973-1990) und Argentinien (1966-1973 und 1976-1983), aber anders als in den anderen Ländern wurden in Brasilien die Verantwortlichen der Militärherrschaft (1964-1985) und der Verbrechen dieser Jahre nie verfolgt. Ein Amnestie-Gesetz wurde verabschiedet, das

streikbras.jpg€žViele Südamerikanische Länder wurden im letzten Jahrhundert von Militärdiktaturen geführt, so wie Paraguay (1954-1989), Uruguay (1973-1985), Chile (1973-1990) und Argentinien (1966-1973 und 1976-1983), aber anders als in den anderen Ländern wurden in Brasilien die Verantwortlichen der Militärherrschaft (1964-1985) und der Verbrechen dieser Jahre nie verfolgt. Ein Amnestie-Gesetz wurde verabschiedet, das allen Brasilianern, aktiven Zivilisten wie Armeeangehürigen die Freveltaten unter der Militärflagge verzieh.€œ

So schreibt Paula Góes auf Global Voices. Dass es jetzt dennoch wieder zu einer Auseinandersetzung mit der gewalttätigen Vergangenheit des Landes kommt und damit zu Streit zwischen Armee und Politikern, liegt an der Verüffentlichung eines Buches, welches sich mit dem Thema befasst. Unter dem Titel €žDas Recht auf Wahrheit und Erinnerung€œ berichten die 500 Seiten, Ergebnis von elf Jahren Recherche, von Entführungen, Exekutionen, Folter und Vergewaltigungen während der Diktatur. Proteste gegen das Buch seien vor allen Dingen seitens der Armee geäußert worden; so gab es wenige Tage nach Erscheinen ein üffentliches Statement, in dem es hieß, dass mit der Verüffentlichung der Daten das Recht auf Amnestie verletzt würde – Das Buch sei, so hieß es gar im Blog eines Offiziers, als Rückschritt zu verstehen und als Angriff auch auf das heutige Militär. Andere Stimmen begrüßten das Buch als längst überfällige Enthüllung der Wahrheit.

Gewalt im Nordkaukasus

In Inguschetien haben Anschläge auf Zivilpersonen in den letzten Monaten stark zugenommen, berichtet Veronica Khoklova. Unter den letzten Opfern sei die Familie eines Russischlehrers gewesen, zwei Koreaner und ein Russischer Arzt. Um die Sicherheitskräfte vor Ort zu unterstützen, seien 2.500 Militärs in die Region, die etwa 460.000 Einwohner hat, gesandt worden. Während eines Sondereinsatzes solcher Truppen kam ein 21jähriger ums Leben, der des Mordes an der Lehrerfamilie verdächtigt wurde. Ein Journalist, der zufällig anwesend war, berichtet in seinem Blog von der Empürung eines Militärs über den Tod des jungen Mannes – und begibt sich vor Ort. Dort interviewt er getrennt voneinander, wie er betont, Augenzeugen; deren Aussagen deckten sich, der Mann sei unbewaffnet gewesen, eine Granate ihm erst nachdem er erschossen wurde, in seine Hand gerückt worden. Die Ereignisse in Inguschetien erinnern mehrere Blogger an Tschetschenien und Marina Litvinovich, Garri Kasparovs Unterstützerin, klagt Putin auf ihrem Blog des fehlenden Interesses an – und verlinkt dieses Desinteresse mit den kommenden Wahlen.

Wahlen in Marokko

Über die Reaktionen auf die Wahlen in Marokkko berichtet Jillian York – die Resultate seien überraschend gewesen, da gegen Erwarten nicht die Islamistische Partei PJD (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung), sondern die konservative Istiqlal (Unabhängigkeits) Partei mit 52 Sitzen gewonnen habe. Die PJD bekam 47.

Ohmynews

Neonazis in Israel

Die Verhaftungen von 8 jugendlichen Neo-Nazis aus Tel Aviv habe Israels Gesetzgeber aus ihrer Sommerpause aufgeschreckt, so berichtet Yehonathan Tanner aus Israel. Ein 9. Jugendlicher, vermutlich der Anführer der Bande, sei aus dem Land geflohen – ihm schrieben die anderen Männer zwischen 17 und 19 Jahren zu, sie in die rechten Aktivitäten miteinbezogen zu haben. Alle der acht bekannten sich zu ihren Taten, die von dem Tragen von Nazi-Symbolen (auch als Tattoo), dem Beschmieren von Heiligtümern bis zu Angriffen auf orthodoxe Juden reichten. Auch belastendes Video-Material sei gefunden worden, sowie Hinweise auf eine Verbindung zu internationalen Nazi-Gruppen.

Komplott gegen Immigranten?

Alle Verhafteten waren vor etwa zehn Jahren aus Russland nach Israel gekommen – weshalb die Mutter von einem in den Vorwürfen einen Komplott der Israelischen Regierung gegen Immigranten aus der ehemaligen Sowjetrepublik sehe: €žWir sind Israelis und Juden€œ, verteidigte sie sich. Bislang sei die Regierung davon ausgegangen, dass es in Israel kaum Grund gäbe, innerhalb des Landes gegen Nazis vorzugehen – jetzt würden Gesetze angestrengt, die derartige Verbindungen unter Strafe stellten.

Agoravox

Demokratische Wahlkampfdebatte in den USA auf Spanisch

Der konservative Blogger Rob Port aus North Dakota schreibt seine Meinung zu einem Detail des Vorwahlkampfs der demokratischen Partei in den USA. Sieben der acht Kandidaten haben am vergangenen Sonntag eine Fernsehdebatte abgehalten – so weit nichts Unübliches. Diese Debatte allerdings wurde vom Sender Univision, dem grüßten spanisch-sprachigen Fernsehsender der USA übertragen. Ein stetig wachsender Anteil der US-Amerikaner spricht spanisch, viele gar als einzige Sprache. Deshalb wurden erstmals bei einer TV Debatte die Fragen in Spanisch gestellt, und den Kandidaten per Knopf im Ohr ins Englische übersetzt. Diese antworteten dann in Englisch und die Antworten wurden wiederum simultan ins Spanische übertragen.

Rob Port kommentiert diesen Vorgang nun in für deutsche Leser bekannt klingender Weise: Er sei beileibe nicht xenophob, Immigration sei eine wundervolle Sache und der beste Weg mit den vielen illegal in den USA lebenden Latinos umzugehen, wäre, ihnen das Erlangen der Legalität zu erleichtern. Aber, ohne Frage, die USA seien nun mal die USA und nicht Mexiko, Kuba, Frankreich oder England. Und ‘Amerika sei amerikanisch dadurch, dass es eben amerikanisch ist’. Und wer Teil dieses Amerikas sein wolle, müsse eben auch beweisen, dass er amerikanisch sein will, sich integrieren will – und wie, so Port, wollen die Immigranten dies schaffen, wenn sie nicht die Sprache sprechen? Solange sie dies nicht tun, würde immer eine Barriere herrschen. Und, so Port weiter, wer auf die existierenden Verständigungsprobleme in der Form, in der die demokratischen Kandidaten dies nun taten, eingehe, sei mitschuldig an der Verstärkung und Aufrechterhaltung dieser Barriere. Aber dies, so der bekennende Republikaner Port, sei ja eh die Strategie der Linken: Die Bevülkerung in Opfergruppen zu unterteilen, die es sonst so gar nicht gäbe.

Die Stimme zu erheben ist uramerikanisch

James Anthony Merle Jr wirft mal wieder einen Blick auf den Irakkrieg. 60 – 73 Prozent, je nach Umfrageinsitut, seien mittlerweile gegen den Krieg. Diese würden sich mehr oder weniger laut gegen die Verursacher wenden, Bush, Cheney, Rumsfeld, Perle, Wolfowitz und andere. Verständlich, so Mehrle, doch das wären nur die einfachen Ziele. Auch die Demokraten hätten in dieser Hinsicht Dreck am Stecken. Und bevor er seinen Artikel mit dem Hinweis endet, dass der Vorgang des €žDie eigene Stimme erheben€œ nicht nur der Anfang der USA gewesen sei, sondern auch so amerikanisch wie Apfelkuchen, wirft er noch ein paar Zahlen in den Raum: 3.742 U.S. Soldaten sind bislang im Irak gestorben, 27.767 sind verwundet und 600 Milliarden US Dollar hat das Abenteuer bislang gekostet, es wird erwartet, dass Päsident Bush nächstes Jahr weitere 200 Milliarden verlangen wird.

Marie Naumann & Martin Stahlke

Photo: Screenshot via Global Voices

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