EZB: Zinspolitisches Patt

Eigentlich hatte Jean Claude Trichet die Zinsen auf der letzten Sitzung des Zentralbankausschusses anheben wollen, da er wachsende Inflationsgefahren sieht. Nur gekonnt hat er nicht, denn die labilen Finanzmärkte in Europa lassen eine Zinsanhebung nicht zu. Weiterhin ist die Europäische Zentralbank bereit, laufend Liquidität für den Geschäftsbankenbereich durch Zins- oder

EZB.jpgEigentlich hatte Jean Claude Trichet die Zinsen auf der letzten Sitzung des Zentralbankausschusses anheben wollen, da er wachsende Inflationsgefahren sieht. Nur gekonnt hat er nicht, denn die labilen Finanzmärkte in Europa lassen eine Zinsanhebung nicht zu.

Weiterhin ist die Europäische Zentralbank bereit, laufend Liquidität für den Geschäftsbankenbereich durch Zins- oder Mengentender beim Tagesgeld den Banken zur Verfügung zu stellen. Aus der zunächst als bloße kurzfristige Vertrauenskrise und Panik nach dem Platzen der Subprime-Hypothekenmärkte in den USA bezeichneten Krise, die keine nachhaltigen Wirkungen auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum der Euroländer haben künnte, wird jetzt doch auch seitens der EZB anerkannt, dass es nicht nur um die Psychologie der Finanzmärkte geht, sondern um reale wirtschaftliche Verwerfungen, die aufgrund der Liquiditätsschwemme der letzten Jahre zu nachhaltigen Vermügensvernichtungen geführt hat und noch führen wird.

Wachstum in der EU schwächt sich ab

Die bisher für das laufende und kommende Jahr optimistische Wachstumsprognose für die EU-Mitgliedsländer hat eine erste Korrektur nach unten erfahren. Dabei sind müglich Auswirkungen der von den Finanzmärkten ausgehenden Wachstumshemmnisse seit dem Platzen der Subprime-Blase in den USA noch gar nicht berücksichtigt. Durch die Sicherung der Liquidität der Finanzmärkte in den zurückliegenden Wochen durch die EZB, ist ein Schock durch eine Liquiditätsklemme und daraus resultierende Zurückhaltung bei der Kreditvergabe der Banken im wesentlichen vorläufig verhindert worden. Allerdings ist die Korrektur der Risikobewertungen der Kreditportefeuilles noch längst nicht abgeschlossen, so dass offen bleibt, was noch an Korrekturbedarf entstehen wird.

Kurzfristige Stabilisierung ist noch keine nachhaltige Korrektur

Die bisherige Stabilisierung der Finanzmärkte ist ja keineswegs kostenlos. Die Politik der Zins- und Mengentender erhält eine weiterhin zu hohe Liquidität im Geschäftsbankensystem aufrecht. Ob diese tatsächlich dazu genutzt wird, jetzt weniger leichtfertig in der Kreditvergabe zu sein, und, durch hühere Liquiditätsreserven ein potentielles Insolvenzrisiko zu reduzieren, bleibt abzuwarten. Der Hinweis von Trichet, jetzt besonders aufmerksam die Geldmengenentwicklung der Eurozone zu verfolgen, weist daraufhin, dass es auch weiterhin Geschäftsbanken geben künnte, die diese Situation derart nutzen, ihr Spiel der Kreditschwemme von hochriskanten Kreditvergaben fortzusetzen.

Yen-Carry-Trade ist nicht nachhaltig gestoppt

Der Carry Trade aus Japan konnte ebenfalls seit dem Frühjahr nicht nachhaltig gestoppt werden. Trotz vorübergehender kurzfristiger Aufwertungen des Yen gegenüber dem Euro und dem US-Dollar, hat die japanische Zentralbank immer wieder dafür gesorgt, dass eine solche Entwicklung rasch gestoppt und wieder auf niedrige Paritäten zu den beiden anderen Leitwährungen zurückgeführt wurde. Das Motiv dahinter ist voraussichtlich die Angst vor einem deutlichen japanischen Exporteinbruch in die Länder dieser Währungsräume. Durch eine systematische Unterbewertung des Yen gegenüber dem Euro und dem US-Dollar stützt die japanische Zentralbank seit langem die japanische Konjunktur durch ihre Wechselkurspolitik. Da bereits der Export Japans in die USA deutlich aufgrund der US-Konjunkturschwäche nachlässt, würde eine deutliche Yen-Aufwertung rasch auf das japanische exportlastige Wirtschaftswachstum durchschlagen.

Da die Carry Trader mit dieser Reaktion der japanischen Zentralbank rechnen, künnen sie ihr Spiel – am japanischen Geldmarkt zu niedrigsten Zinssätzen Kredite aufzunehmen und diese auf Euro bzw. US-Dollarbasis dann zu deutlich hüheren Zinssätzen auszuleihen, immer noch weitgehend ungestürt fortsetzen.

Risiken einer zu langen unbegrenzten Liquiditätsbereitstellung

Ähnliche Gefahren bestehen bei einer zu lange andauernden Stützung der Liquidität der Geschäftsbanken durch die EZB oder Fed mittels Zins- und Mengentendern. Da das Zinsrisiko insbesondere steigender Zinssätze gering bleibt, künnten Geschäftsbanken zu dem Schluss gelangen, dass es weiterhin gewinnträchtig ist, leichtfertige Kreditvergaben und deren Verkauf mittels Kreditderivate fortzusetzen. Derjenige, der frühzeitig die Selbstbindung der Zentralbanken einer unbegrenzten zinsgünstigen Liquiditätsbereitstellung für die kommenden Monate zugrunde legt, kann insbesondere bei der derzeitig angespannten Marktlage glänzende Geschäfte tätigen.

Bei steigenden Kreditzinsen für Schuldner und bei konstanten Kreditzinsen bei der Refinanzierung durch die Zentralbanken, steigt die Gewinnmarge der kreditwilligen Geschäftsbanken sogar an. Mithin sind insbesondere diejenigen Geschäftsbanken, die bisher als solide gelten, in der komfortablen Lage unter noch günstigeren Bedingungen als vorher auf den Kreditmärkten tätig zu sein. Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich beispielsweise die Deutsche Bank oder andere ausländische Großbanken reichlich mit Liquidität seitens der Zentralbanken eingedeckt haben.

Setzt sich die Liquiditätsklemme in den kommenden Wochen oder sogar Monaten fort, dann kann man wie alle anderen Geschäftsbanken das Diskontfenster oder die Zins- und Mengentender der Zentralbanken weiterhin zu Refinanzierung nutzen. Kommt es dazu nicht und flaut die Liquiditätsklemme ab, dann hat man in der Zwischenzeit hoch rentable Geschäfte getätigt.

Mit einer zu lang andauernden Liquiditätsbereitstellung würden daher die Zentralbanken die Kreditblase wieder aufblasen helfen.

EZB fürdert Euro-Aufwertung

Durch die Beibehaltung des Hauptrefinanzierungssatzes bei 4% auf der letzten Sitzung des Zentralbankrates hat die EZB einen kurzfristigen Aufwertungsschub des Euro herbeigeführt.

Marktteilnehmer auf den internationalen Geld- und Devisenmärkten haben daraus in ihrer Mehrzahl wohl den Eindruck gewonnen, dass sich der Abstand zwischen der Federal Fund Rate der Fed mit 5,25% und dem Hauptrefinanzierungssatz von 4% bei der EZB in den kommenden Monaten reduzieren wird. Damit wird es relativ gesehen zukünftig attraktiver, Geld in der Eurozone und weniger in den USA anzulegen. Diese Geldmarktbewegungen führen zu einem zunehmenden Aufwertungsdruck des Euro gegenüber dem US Dollar. Ein Kursziel von 1,40plus in den kommenden Wochen wäre keine große Überraschung mehr.

Da in Japan eine Zinsanhebung aufgrund der zunehmenden japanischen Wachstumsschwäche und erneuter Deflationsgefahren sehr unwahrscheinlich ist, gewinnt auch der Euro gegenüber dem Yen an Attraktivität für die Geldmarktteilnehmer. Hinzu kommt der Carry Trade als risikoarmer Finanzierungsweg, wenn die japanische Zentralbank eine starke Aufwertung des Yen systematisch verhindert.

Trichets Inflationsbekämpfung durch die Hintertür

Am Ende künnte Trichet eine Inflationsdämpfung in der Eurozone dadurch erreichen, dass durch sinkende Importpreise für die Eurozone der Preisauftrieb infolge der Euro-Aufwertung gebremst wird. Allerdings wäre dies Geldpolitik durch die Hintertür, d.h. die Aufwertung der eigenen Währung dämmt den Preisauftrieb zumindest vorübergehend im Zuge einer Aufwertung des Euro ein. Da ein großer Teil des Inflationsdrucks in der Eurozone aufgrund der weiterhin kräftigen Weltkonjunktur und insbesondere der zunehmenden Knappheit an Rohstoffen entsteht, vieleicht keine schlechte Lüsung.

Photo von Chrisoph F. Siekermann via Wikipedia. Lizenz: GNU

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