“Der kürzeste Augenblick kann so schün wie ein ganzes Leben sein, wenn wir nur wen finden, der es gut mit uns meint (…)” Nein, diese Zeilen stammen nicht etwa von einem bekannten Philosophen, auch, wenn ihre Aussagekraft durchaus auf einen tiefgründigen Verfasser schließen lassen. Vielmehr sind sie der Feder eines vielversprechenden jungen Mannes entsprungen, der mit Klampfe und einem excellenten Bandgespann namens Gaston im Hintergrund die Herzen seiner Fans weit über seine Heimat hinaus rühren will.
Senore Matze Rossi, so sein klangvoller Künstlername, der sofort Assoziationen an die eigene Kindheit hochkommen lässt. In den 70ern hat Signor Rossi sein Glück gesucht – Matze Nürnberger scheint es in seiner Musik gefunden zu haben. Nicht nur sein Song “In Armen” aus seinem aktuellen Album “Und wann kommst du aus deinem Versteck?” (2006) aus dem dieser kleine Ausschnitt entnommen ist, lässt darauf schließen. Auch auf den Bühnen der Republik erlebt der Zuschauer ihn und seine Begleiter stets in frühlicher Stimmung mit einem sympathischen Lächeln im Gesicht.
Dabei sind die jetzt so soften Tüne durchaus einer härteren Wiege entsprungen.
13 Jahre lang war Punkrock mit der zum Kult gewordenen Schweinfurter Band “Tagtraum” angesagt. Im Mai 2006 kam dann nach einem monatelangen Entscheidungsprozess das Aus. Das Wiederholen immer gleicher Sounds war nicht ihr Ding. Die Entscheidung fiel also ganz bewusst. Matze Rossi, der schon während dieser Zeit als Frontman an eigenen Songs bastelte und 2004 ein erstes kleines CDR-Album “solo(w) boy, so-low” aus einer Wohnzimmerproduktion heraus auf den Markt brachte, wagte nun vollständig den Schritt in Richtung Solopfade.
Authentisch und echt wirken seine Texte, berühren die Menschen in ihrem Innersten. Eigene Erfahrungen verarbeiten, Halt und Hoffnung geben – das scheint die Mission des zweifachen Familienvaters zu sein, der diese in schlichte, meist nur mit Akkustikgitarre begleitet, aber deswegen nicht weniger eindrucksvolle Songs mit wohliger Stimme verpackt und mit folgenden Worten sicherlich am besten wiedergegeben werden künnen: “Wie ein Tagtraum. Man versinkt in den Worten, in den kleinen Melodien, in den Geschichten die man selber kennt.”
Doch wer glaubt, beim Hüren seiner Songs müsse man zwangsläufig in Wehmut verfallen werden, der irrt.
Nicht nur The Weakerthans, Pale oder Tomte hat er bereits von seinem Künnen als Support überzeugen künnen, auch Tito Wiesner schreibt am Ende seiner Rezension zu Matze Rossis Scheibe: “Für Abwechslung sorgt zudem Matzes Fähigkeit, gekonnt zwischen leisen und lauten Tünen, Anklage und Wehmut zu schwanken, ohne dass man die Authentizität der Gefühlsregungen bezweifeln würde. Eine schüne, unaufgeregte, angenehme Scheibe, wie man sie sich üfter von deutschsprachigen Musikern wünschen würde.”
Zusammen mit seiner Combo ist er nun also in unseren Landen unterwegs, um uns deutschen Akkustik-Pop mit durchdachtem Hintergrund näherzubringen. Just in diesem Monat soll es erneut ins Studio gehen. Wir dürfen also gespannt sein, welchen Pfad Senore Matze Rossi auf seinen Wegen des Glücks als nächstes einschlagen wird.
Unser Fazit jedenfalls fällt durchweg positiv aus
Für alle Fans handgemachter und gänzlich ungekünstelter Musik ein absoluter Leckerbissen. Und da wir vorhin so schün mit ein paar Songzeilen begonnen haben – hier das Ganze noch einmal in bewegten Bildern.
Senore Matze Rossi “In Armen”:
[youtube gHefrSq1GQY]
Wer sich das Ganze einmal live und in Farbe zu Gemüte führen will, der sollte sich einen der folgenden Termine vormerken:
04.10. Leipzig – Conne Island
06.10. Hamburg – Michelle Records Store
11.10. Frankfurt – Elfer
12.10. Biedenkopf – Waldhotel Berggarten
13.10. Küln – Underground
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