Hass, Feindseligkeit und Entfremdung - ein Kommentar

- Die israelischen Staatsgründer ahnten nicht, dass ein Gesetz gegen Anti-Semitismus notwendig sein könnte. Photo: Wikipedia
Die israelischen Neo-Nazi-Gangs reflektieren ein sozioökonomisches Problem. Die Gruppe von acht jungen Neo-Nazi-Rowdys, die über das Wochenende in Israel verhaftet wurden, hat die meisten Israelis und Juden, die im Bewusststein der abscheulichen Gräueltaten des Holocaust in der Hitler-Ära leben, zu Recht bestürzt.
Symptom für Gewalt
So entsetzlich ihr Bestehen ist, könnten Neonazis wesentlich weiter verbreitet sein als angenommen, worauf auch die israelische Polizei hinweist. Und somit wären sie symptomatisch für die Übel, die die zivile Gesellschaft untergraben, wie häusliche Gewalt, sektiererische Diskriminierung und die Einnahme der Palästinagebiete.
Die brutalen rassistischen und antisemitischen Taten, die von diesen Jugendlichen gegen Gastarbeiter, Drogenabhängige, Obdachlose, Homosexuelle und Ultraorthodoxe begangen wurden, waren ohne Sinn. Dahinter verbarg sich keine Ideologie und keine Strategie, außer offener Hass und grausame Feindseligkeit. Die leeren Schlagwörter, Nazi-Grüße und die auf die Körper tätowierten Symbole sind Ausdrücke, die jenen von satanischen Kulten, die anderswo praktiziert werden, nicht unähnlich sind.
Videos gaben belastende Hinweise
Ihre Gräueltaten zu dokumentieren und entsprechende Videos auf Nazi-Internetseiten zu veröffentlichen, war dumm und lieferte den Gesetzeshütern, die sie beobachteten, eine belastende Reihe an Beweismaterial.
Sie werden des Vandalismus, der Gewaltanwendung und extremer rassistischer Diskriminierungen angeklagt, vor Gericht gestellt und nach dem israelischen Strafgesetzbuch verurteilt werden. Anders als in den meisten europäischen Staaten hat Israel kein Gesetz, um Holocaust-Leugner und Anti-Semiten zu verfolgen. Die Gesetzesväter dachten nicht mal im Traum daran, dass solche Taten in einem jüdischen Staat geschehen würden.
Integration gescheitert?
Im Alter zwischen 16 und 19 Jahren sind die Kriminellen kaum junge Erwachsene. Der älteste unter ihnen ist 21. Alle wanderten als kleine Kinder unter dem Rückkehrgesetz mit ihren Eltern aus der ehemaligen Sowjetunion nach Israel ein.
Was waren das für Nöte, die sie im Zuge der Anpassung an ein neues Land erfahren hatten? Wurden sie als Gojim (Nichtjuden) erniedrigt oder geächtet? Welchen sozialen oder wirtschaftlichen Druck mussten ihre Familien aushalten? Wer waren ihre Vorbilder? Welche Unzulänglichkeiten mussten die Schulabgänger ertragen? Welche Narben hat der obligatorische Militärdienst bei ihnen hinterlassen? Diese Fragen stellt die israelische Führung nicht und Erzieher sind nicht in der Lage zu antworten.
Eine Änderung des Rückkehrgesetzes wäre zu kurz gedacht
Einige israelische Politiker machen es sich hier sehr leicht. Eine Änderung des Rückkehrgesetzes zu fordern, um halachische Reinheit zu gewährleisten, könnte nicht ausreichen, um Kriminelle auszusieben. Doch zugleich würden Juden in gemischten Ehen an einer Einwanderung nach Israel ausgeschlossen. Die meisten der 1.000.000 früheren Sowjet-Juden – 30 Prozent von ihnen leben in einer gemischten Ehe – sind gesetzestreu und hart arbeitende Mitglieder der Gesellschaft. Sie haben enorme Beiträge für die israelische Wissenschaft, Musik, den Sport, die darstellenden Künste und die Wirtschaft geleistet. Ihre Kinder dienen loyal und gewissenhaft in der Armee und sterben auch für ihr Land. Unter den Tausenden von legalen Drückebergern vor dem Militärdienst, die die israelische Regierung jedes Jahr akzeptiert, sind sie nicht zu finden.
Verbannung ist keine Lösung
Das Rückkehrgesetz beharrt nicht fanatisch auf einer orthodoxen jüdischen Ahnenreihe der Mütter, will man eine Einreisegenehmigung in den Staat Israel erhalten und sich dort den jüdischen Menschen anschließen. Hitler war da liberal; auch Menschen mit jüdischer Abstammung väterlicherseits waren Juden.
Die israelische Regierung war immer zögerlich, wenn es darum ging eine israelische Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Die Forderung, jemanden für kriminelle Taten, die unter israelischen Recht geschehen, zu deportieren oder zu verbannen, wie der Innenminister Meir Sheetrit vorschlägt, wäre ein Blindgänger. Israel hat keine, wie Großbritannien im 18. Jahrhundert, australische Strafkolonie. Auch keinen Gulag wie die Sowjetunion. Kein Land würde sich einverstanden erklären, verurteilte Rassisten, Rowdys und Sadisten aufzunehmen.
Hilfe zur Selbsthilfe - für alle
Die Gerichte werden diese Teenager für ihre abscheulichen Straftaten für schuldig befinden. Gleichzeitig sollte die israelische Gesellschaft diesen schwachen und gescheiterten Bürgern ihre Anteilnahme und Unterstützung zukommen lassen – ob Jude oder Araber - um ihnen zu helfen sich selbst zu helfen. Auf diese Weise würden sich mehr potentielle Antisemiten und Neonazis da draußen mit der jüdischen Mehrheit positiv identifizieren und nicht, Gott bewahre, versucht sein, der Hamas oder der Hisbollah beizutreten, um ihrem Groll und ihrer Feindseligkeit auf die Gesellschaft, die mit ihrer Notlage nicht klarkommt, Luft zu machen.
Dieser Artikel erschien zuerst auf OhmyNews. Die Übersetzung und Veröffentlichung durch die Readers Edition geschieht mit freundlicher Genehmigung von OhmyNews.











Tim Gerdes
Die “intellektuelle Kapazität” von Neonazis - und ich gehe mal davon aus, dass diese israelischen dazugehören - sieht man am besten an polnischen Hitlerverehrern. Bekanntlicherweise gab es im Weltbild des Gröfaz für Polen genau zwei Schicksale. Entweder - insbesondere als Intellektueller - oder als jemand, der nicht hart körperlich arbeiten kann, der sofortige Tod oder späterer Tod durch “Verbrauch durch Arbeit”.
Nun gibt es also Menschen, die einen verbrieften Mssenmörder anbeten, der öffenlcihund schriftlich Kund und zu Wissen getan hat, dass er ebendiese Menschen ausnahmslos töten möchte.
Für die hier angesprochenen ehemaligen Russen gilt das selbe.
Insofern erübrigt es sich nicht, inwieweit diese Menschen von einer Gesellschaft ausgegrenzt und gedemütigt wurden. Es ist aber noch dringlicher, diese auf ihren Geisteszustand zu untersuchen.
Das gilt übrigens für deutsche Neonazis auch. Um hier ein kleines Beispiel anzuführen: Ich glaube nicht, dass, wenn es noch eine Reichsmusikkammer gäbe, Band wie Störkraft oder Landser erlaubt wären. Das wäre nämlcih angloamerikanische Niggermusik! Und Skins - ja, auch der Begriff wäre wohl verboten - Skins würde erst einmal empfohlen werden, sich eine anständige (deutsche) Frisur zuzulegen.
Aber was schreibe ich…. Die, die es am nötigstgen hätten, das hier zu lesen, werden es ja eh nicht verstehen.
Readers Edition » Facebook als Kündigungsgrund, Qassam-Raketen und Videos vom Kampfgeschehen - Bürgerjournalismus weltweit
[…] Über Neonazis in Israel berichtet Yehonathan Tommer wie bereits am Montag. Seinen Artikel „Hass, Feindseligkeit und Entfremdung“ haben wir für Sie übersetzt, Sie finden ihn hier. […]
Readers Edition » Der Holocaust und dann? Kulturzentrum Shalom Europa betrachtete jüdisches Leben in Bayern
[…] - Hass, Feindseligkeit und Entfremdung - Ein Kommentar - “Jüdischkeit” leben! - Über 12000 Stolpersteine erinnern an NS-Opfer - Die goldene Regel und der interkulturelle Dialog - Künstlerporträt: Felix Nussbaum - Protokollant seiner Zeit […]