Netzwerk des Geschmacks – Slow Food Deutschland verzeichnet den stärksten Zuwachs

Eine ungenießbare Restesuppe und ein dünner Landwein, serviert auf einem Busausflug in einem toscanischen Gasthaus erregte 1986 das Gemüt des italienischen Weinjournalisten Carlo Petrini und seiner Reisegefährten. Enttäuscht über die mangelnde Qualität verfasste er auf dem Heimweg hungrig und verstimmt eine Erklärung zum “Menschenrecht auf Genuss“. Sie sollte die geistige

slowe.jpgEine ungenießbare Restesuppe und ein dünner Landwein, serviert auf einem Busausflug in einem toscanischen Gasthaus erregte 1986 das Gemüt des italienischen Weinjournalisten Carlo Petrini und seiner Reisegefährten. Enttäuscht über die mangelnde Qualität verfasste er auf dem Heimweg hungrig und verstimmt eine Erklärung zum “Menschenrecht auf Genuss“. Sie sollte die geistige Basis von Slow Food werden. 1989 als Verein gegründet und mit dem Slow Food Manifest in seiner Zielsetzung festgeschrieben, ist seither unter dem Namen Slow Food ein weltumspannendes Netzwerk des guten Geschmacks gewachsen. Weltweit sind daran derzeit 133 Länder beteiligt. Über 100.000 Mitglieder stehen weltweit hinter der Non-Profit-Organisation.

Im Herbst vor 15 Jahren manifestierte sich auch in Deutschland der Wunsch nach besseren Lebensmitteln.

Als Reaktion auf die im Zuge der Wiederaufbauarbeit in der Nachkriegszeit erlangte Standardisierung und Vereinheitlichung der Nahrungsmittel wurde Slow Food Deutschland gegründet. “Nach Italien und den USA rangiert Deutschland weltweit auf dem dritten Platz: 7500 Mitglieder in bald 65 regionalen Tafelrunden, den sogenannten Convivien, liegt der bewusste Genuss am Herzen”, nennt der Bad Mergentheimer Hotelier Otto Geisel, Vorsitzender von Slow Food Deutschland, nicht ohne Stolz die aktuellen Zahlen.

Und mehr noch: Deutschland weist derzeit weltweit das grüßte Wachstum auf. “Slow Food ist eine geschützte Marke, aber keine Handelsmarke. Denn wir verkaufen keine Produkte, sondern eine Idee: Die Idee von einer Ernährung, die sich auf ihre Wurzeln besinnt und die sorgfältig, also ‘slow’ zubereitet wird. Für uns spielt der Begriff der Nachhaltigkeit eine übergeordnete Rolle”, steckt Geisel die geistige Basis der Bewegung ab. “Wir wollen, dass den Produzenten ein fairer Preis für ihrer Hände Arbeit gezahlt wird und Nahrung nicht durch ruinüsen Preiskampf in ihrer Qualität verschlechtert wird.”

Wichtig sei vor allem eines: Jenseits der dauernden Lebensmittelskandale Produkte, die durch handwerkliche Arbeit gut, sauber und fair hergestellt werden im Sinne des Verbrauchers positiv zu kommunizieren. Das ist Slow Food Deutschland in den letzten Jahren gelungen. So hat Slow Food beispielsweise den Ostheimer Leberkäse – eine regionale Spezialität – wieder entdeckt und ihn durch die Aufnahme in die so genannte “Arche des Geschmacks“, die schützenswerte Rassen und Produkte durch gezielte Bewerbung wieder ins Bewusstsein bringt, dem Vergessen entrissen.

Die vor wenigen Monaten stattgefundene 1. deutsche Slow Food Messe in Stuttgart hat den Blick auf viele wertvolle regionale Produkte gelenkt. Begeistert wurde die Plattform des guten Geschmacks bei Publikum und Produzenten angenommen. Am 3. – 6. April 2008 darf man sich auf dem neuen Stuttgarter Messegelände auf ein noch grüßeres Angebot an genussreichen und sauberen Produkten aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands freuen.

“Uns ist in den Jahrzehnten nach dem Wiederaufbau das Gefühl für unsere heimischen Lebensmittel vielfach abhanden gekommen. Jetzt entdecken wir langsam wieder, was wir an alten Tierrassen und guten, regionaltypischen schmackhaften Produkten haben. Diese müssen nun behutsam bekannt gemacht werden”, erklärt Otto Geisel die Aufgabe von Slow Food. Die ansprechende vierteljährlich erscheinende Zeitschrift “Slow Food” und die Veranstaltungsübersichten der einzelnen Tafelrunden bereiten neben der Messe und diversen Genussmärkten den Weg dafür. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie für Kulinaristik, deren Außenstelle in Bad Mergentheim angesiedelt ist, wird ab dem Wintersemester der wissenschaftliche Unterbau der Bewegung weiter gefestigt, um so neue interessante Themenfelder rund um den Genuss zu erschließen. Schließlich soll die Einrichtung einer Stiftung für gutes, gesundes und gemeinsames Essen an Schulen und Kindergärten den Weg des jungen Menschen hin zum bewusst genießenden Erwachsenden bahnen helfen.

Kommentare

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  1. Das ist alles viel zu einseitig dargestellt. Slowfood hat gesellschaftlich kaum eine Bedeutung erlangt. Slowfood ist eine reichlich elitäre kleine truppe von Leuten die
    erklären viel tun zu wollen, aber nicht viel bewegen. Die kleine lose Bewegung hat
    im Vergleich zu anderen Ländern in Deutschland des stärksten Zuwachs, weil sich anderswo noch weniger tut. Allein gegen Fastfood zu wettern und für Geschmack und gute Qualität zu sein, ist ein bisschen dürftig.