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Gott bloggt - Ein Interview
Gott hat jetzt ein Blog. In täglichen kurzen Beiträgen berichtet er uns ab sofort auf gottsblog.de über “Evolution, Kreationismus und andere Irrtümer”, über die Mär vom Hunde- oder Katzenhimmel, oder er warnt uns vor möglichen bevorstehenden Erdbeben (”Soeben erreichte mich eine Eilmeldung von Luzifer…”). Die Readers Edition hat Gott gesprochen, der sich eigentlich “Farlion” nennt.
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RE: Unter der Parole „Der Himmel hat jetzt Netzanschluss“ bloggst Du seit Sonntag als Gott. Jeder denkt sicher, warum bin ich nicht auf die Idee gekommen? Wie bist Du darauf gekommen und was willst du damit zeigen?
Farlion: Ich hatte die Domain gottblog.de schon seit etwas über einem Jahr bei mir in meinem Domainfundus liegen und nachdem der CDU-Politiker Profalla jetzt den Einzug der Kruzifixe in deutsche Schulen und deutsche Behörden forderte, und ich ein Verfechter des säkularen Staates bin, war ich der Meinung, da sollte man jetzt vielleicht mal ein bisschen was tun. Dazu kommt natürlich noch die Forderung der hessischen Kultusministerin, den Kreationismus in den Biologieunterricht einfließen zu lassen und ich war einfach der Meinung, man sollte diese ganzen Sachen der christlichen Kirche in Deutschland jetzt mal ein bisschen satirisch aufarbeiten.
RE: Ein anderer Blog von Dir heißt farliblog. Du nennst dich dort Verbalterrorist Nr. 1. Muss man sich vor Dir fürchten? Was willst Du an der Gesellschaft ändern und inwiefern denkst Du, hast du mit deinem Blog dazu die Möglichkeit?
Farlion: Ich blogge auf dem Farliblog in erster Linie politisch. Verbalterrorist Nr. 1 nenne ich mich, weil ich wirklich kein Blatt vor den Mund nehme, d.h., ich schreibe da teilweise eine deutliche Sprache. Ich schreibe wie mir der Schnabel gewachsen ist und wie mir die Gedanken in den Kopf kommen und teilweise auch gezielt mit Polemik. Erreichen will ich damit schlicht und einfach, dass mehr Leute wach werden, sich einmischen, ein bisschen mitduskitieren und sich ein wenig mehr für das interessieren, was in unserem Land politisch passiert.
RE: In deinem letzten Eintrag zur Gebührenpolitik der Öffentlich-Rechtlichen Sender vertrittst Du die These, dass Informationsfreiheit in Deutschland nicht existiere – Existiert sie wenigstens im Internet?
Farlion: Nein, selbst im Internet existiert sie nicht, denn selbst wenn ich keinen Fernseher habe und somit von den Rundfunkgebühren befreit bin, muss ich doch dank der Verordnung für die neuartigen Rundfunkempfangsgeräte trotzdem Rundfunkgebühren zahlen, auch wenn ich Angebote nutze, die nicht öffentlich rechtlich sind und gar nichts damit zu tun haben.
RE: Was hältst Du von der deutschen Blogosphäre? Ist sie tatsächlich so vielseitig, wie oft behauptet, oder dreht sich doch alles um einige Ausgewählte?

- Farlion, “Die Kampfratte”.
Photo: farliblog.de
Farlion: In der deutschen Blogosphäre ist es so, wenn man ein bisschen eintaucht, dann ist sie schon vielseitig. Sie bietet sehr viele Themen. Ob es jetzt Metablogs sind, die sich mit dem Bloggen und dem Internet beschäftigen oder ob es Grafikerblogs sind, Webdesignerblogs, politische Blogs – politische Blogs sind stark im Kommen. Also sie ist sehr vielseitig.
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RE: Wie schätzt Du deutsche Blogs im Unterschied zu ausländischen Blogs ein?
Farlion: Das Problem, das wir jetzt im Vergleich zu ausländischen Blogs haben – vor allem zur amerikanischen Blogosphäre, ist folgendes. Blogs werden von den amerikanischen Medien, von der dortigen Presse einfach wahrgenommen. Bei uns sieht das ja immer noch so aus: die traditionellen Medien, da kann ich jetzt die Süddeutsche Zeitung als total schlechtes Beispiel anbringen, die sehen uns Blogs immer noch als Klowände. Die nehmen nicht ernst, was wir schreiben, teilweise berechtigt, teilweise unberechtigt und dann hört man schon mal solche Sprüche wie „…auf den Blogs steht das, was aus der Kloake hochschäumt….“ und solche Sachen und die Inhalte von Blogs wären nicht relevant. Wie relevant die sind, dass hat man ja erst letztens gesehen, als ausgerechnet ‚Netzpolitik’ die beiden Schriftstücke des Innenministeriums zugespielt wurden, die keine andere Zeitung oder Verlagshaus erhalten hatte und wo die Süddeutsche sich selbst da um eine Quellenangabe gedrückt hat. Man will von Seiten der traditionellen Medien die Blogs teilweise gar nicht wahrnehmen.
RE: Woran liegt das? Weil viele keine ausgebildeten Journalisten sind?
Farlion: Es gibt wenige ausgebildete Journalisten, die selbst bloggen und die auch gut bloggen, wie z.B. Stefan Niggemeier oder Thomas Knüwer vom Handelsblatt, aber die meisten traditionellen Journalisten gucken doch mit einer gewissen Arroganz auf die Blogger herab.
RE: Was hältst Du von Werbung auf Blogs?
Farlion: Ich habe prinzipiell nichts gegen Werbung auf Blogs, solange sie nicht so aufdringlich ist, denn ein Blog lebt im Allgemeinen vom Thema und wenn ich da irgendwelche blinkenden Banner oder Flashanimationen oder noch schlimmer: diese Flashlayer, diese überlagernde Werbung, wenn ich die sehe, bin ich aus einem Blog raus. Und wo ich kein Freund von bin, das sind bezahlte Blogbeiträge. Gegen eine dezente Werbung in Form von kleinen Bannern habe ich nichts. Wenn jemand mit seinem Blog Geld verdient, da habe ich auch nichts dagegen.
RE: Was unterscheidet Blogger von Leuten, die in der „konventionellen“ Medienbranche zu tun haben?
Farlion: In erster Linie sind Blogger selbständig, die sich von keiner Chefredaktion die Meinung diktieren lassen, d.h., sie können wirklich schreiben, was sie wollen und sie schreiben wie ihnen der Schnabel gewachsen ist und sie schreiben keine Agenturmeldungen. Wenn ich mir die heutige Medienlandschaft so angucke, da lese ich in fünf, sechs verschiedenen Zeitungen das gleiche Thema, die Texte sind nur leicht abgewandelt und überall steht dpa oder AP oder Reuters drunter.
RE: Was müssten denn Blogger tun oder wie müssten sich Blogs wandeln, um wahrgenommen zu werden?
Farlion: Die Blogs müssten sich meines Erachtens gar nicht ändern. Was sich ändern muss, ist die Auffassung der traditionellen Medien gegenüber den Blogs. Sie sollen sie einfach als das sehen, was sie im Prinzip sind, eine nützliche Meinungserweiterung. Wir Blogger haben nicht die finanziellen Mittel, so zu recherchieren, wie es traditionelle Medien tun könnten, es aber nicht tun. Was bei uns aber eben stattfindet, ist eine Meinungsbildung. Wir schreiben sehr subjektiv. Und diese Meinungsbildung ist auch das, was die traditionellen Medien wahrscheinlich gar nicht haben möchten, sei es aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen.
RE: Wo siehst Du die Blogosphäre in fünf oder zehn Jahren?
Farlion: Ich denke mal, über zehn Jahre braucht man jetzt noch nicht spekulieren, weil vor zehn Jahren hätte noch keiner über Blogs spekuliert, dazu geht einfach die Entwicklung zu rasant voran. Wer weiß, ob es in zehn Jahren noch Blogs gibt oder ob da nicht jeder schon seinen eigenen kleinen Fernsehkanal hat im Internet. Da möchte ich jetzt nicht drüber spekulieren. Ich denke mal, in fünf Jahren werden die Blogs schon ein wenig mehr Einfluss auf die normalen Tagesmedien haben als jetzt.
RE: Armin „Farlion“ Meier, wir danken Dir für dieses Gespräch.
(Die Fragen stellte Felix Kubach)
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