Voll im Soll (Mit Laune am Limit) – so hieß das letzte Butzko-Programm. Das neueste, mit dem er am 28. und 29. September im Würzburger Bockshorn sein zehnjähriges Kabarettistendasein feiert, heißt “Spitzenreiter” und darin sind Hühepunkte und Breitseiten aus vier Programmen zusammengefasst. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bewegt er sich bereits seit 20 Jahren. Wie er selber sagt, “drohte ihm eine Stadttheater-Karriere als Schauspieler” bis sich 1997 sein grenzenloser Mitteilungsdrang in einem ersten Solo-Kabarett-Programm entlud… Im Interview verrät er uns, warum er sich als Kabarettist und nicht als Comedian versteht…
Hat sich die Kabarettlandschaft Ihrer Meinung nach in den letzten zehn Jahren verändert?
Eindeutig. Die Grenze zwischen Kabarett und Comedy ist seit dem 11. September schärfer konturiert. Es zeigt sich seitdem deutlicher, dass Comedy eine Verdrängungskunst ist und Kabarett eine kathartische.
Das müssen Sie mir genauer erklären.
Mir schrieb mal ein Zuschauer nach einer Vorstellung ins Gästebuch: “Wir haben uns totgelacht über lauter traurige Dinge. Das hilft den Mist zu ertragen.” Ich glaube, darum geht es. Comedy will von unseren Sorgen und Problemen ablenken, wohingegen Kabarett thematisch genau auf die Katastrophen des Lebens zusteuert, um den Schrecken in einer Pointe aufzulüsen.
Haben Sie ein Beispiel dafür?
Ich bitte Sie, Angela Merkel wird immer beliebter. Wenn das keine Katastrophe ist…
Sie sind also Kabarettist, kein Comedian, das ist schon mal klar. Wie würden Sie ihr Genre bezeichnen: Politkabarett,
Realsatire…
Meine Definition lautet “Unterhaltung mit Haltung”. Aber bitte nicht mit einem Standpunkt verwechseln. Ein Standpunkt ist nur etwas für Leute, die Angst vorm Schwimmen haben. Und fürs Schwimmen ist ein Standpunkt geradezu kontraproduktiv. Wohingegen eine Haltung dringend erforderlich ist. Ohne Haltung säuft man ab.
Und wie sieht Ihre Haltung aus? Gehen Sie an Grenzen oder darüber hinaus? Wo sind diese?
Die Kunst beim Kabarett besteht darin, einen Dummen so auf die Zehen zu treten, dass er als einziger gar nicht merkt, wer gemeint ist und einem Intelligenten so, dass er selber darüber lachen muss. Dann erledigt sich das mit den Grenzen von alleine!
Am 28./29. September feiern Sie im Bockshorn Ihr zehnjähriges Kabarettistendasein. Warum in Würzburg?
Ich war lange in Würzburg, neun Jahre (länger als George W. Bush Präsident der USA sein darf). Und außerdem habe ich in eine Würzburger Familie eingeheiratet und bin als Gelsenkirchner aus dem Stadtteil Schalke quasi zum Halb-Franggen geworden.
Ihr letztes Programm hat den Zusatz “Mit Laune am Limit”. Sie sind ja gar kein bisschen mit der Laune am Limit, wie motiviert sich ein Polit-Kabarettist?
Nun, eine ganz einfache und plausible Motivation hatte ich neulich, und zwar als ich diesen berühmten Brief von der BfA erhalten hatte. Da stand drin, was ich mit 67 an Rente bekomme. Und dann stand da eine Zahl. Und dann hab’ ich mal daneben die Zahl gehalten, die ich zur Zeit monatlich für meine Miete aufbringen muss und dann dachte ich: “Schau mal an, andersherum gings.”
Das Interview führte Chefredakteurin Susanna Khoury.
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