Die gestrige Nominierung von Wiktor Subkow zum Ministerpräsidenten, nachdem Michail Fradkow zurückgetreten war, hat nicht nur Russlandbeobachter, sondern auch die russischen Blogger verblüfft, wie Veronica Khokhlova auf Global Voices zusammenfasst. Wiktor Subkow war bislang kaum bekannt, er war Direktor der staatlichen Finanzüberwachung.
Gerade diese Verwirrung von €žKreml-ologen€œ habe Putin stiften wollen, schreibt zum Beispiel Siberian Lights zu der Reaktion der Medien; der Schreiber selbst denkt, der ungewühnlichen Nominierung läge Putins seltsamer Humor zugrunde – oder doch ein nicht gelüster Kreml-interner Konflikt? Subkow jedenfalls wirke harmlos. Sean Guillory dagegen sieht eine historische Logik in den Ereignissen: Genau das Gleiche sei im September 1999 geschehen, als Boris Jelzin den noch vüllig unbekannten Putin zum Ministerpräsidenten machte – eine Position, die Putin den Weg geebnet habe, um an seine jetzige Position zu gelangen Das Gegenteil denkt W. Shedd: Putin wolle sich auch 2012 die Präsidentschaft sichern und habe deshalb einen nichtssagenden Politiker für den freigewordenen Posten benannt.
€žAssembleia 2.0€œ
Ob sich das Geschehen auf einer Website des Kreml nachverfolgen lässt, ist unklar – in Ecuador jedoch hat der Präsident Rafael Correa das Web jetzt offiziell zum politischen Ort gemacht, indem er sein persünliches Blog enthüllte. In diesem dort geposteten Video (mit englischen Untertiteln) fordert er die Bevülkerung auf, an der Entwicklung der Verfassung mitzuwirken – und dazu die sozialen Netzwerke des Internets zu nutzen, sie seien ideal für eine echte Demokratie.
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Die Reaktion der Blogger des Landes ist gemischt schreibt Eduardo Avila und ein wenig besorgt klingt Gabby Corsalas, als sie feststellt, dass er jetzt wohl zu uns Bloggern gehüre und sie fragt sich, was für ein Blog das wohl wird €žWird er uns erzählen, was er geträumt hat?€œ Ob das Blog zu einem reinen Propaganda-Blog mutiert, fragt sich dagegen Saturn Attacks.
Eintritt in das dritte Millennium
Einen Einblick in die Blogs von Äthiopien bietet Arefaynie: In dem afrikanischen Land sorgt der Eintritt in das dritte Millennium (nach dem äthiopischen Kalender am 11. September 2007) für Unruhe – unter anderem werden zum Beispiel die Obdachlosen aus dem Stadtbild Addis Abebas €žentfernt€œ – wohin sie gebracht würden, wisse niemand, so Blogger Addis Journal.
Gordon Browns Aussenpolitik
Seit drei Monaten im Amt ist inzwischen Gordon Brown, und Timothy James Neale zieht die Bilanz aus der Anfangszeit des neuen Premier: Er werde, obwohl es zunächst anders geklungen hatte, weniger Bush-freundlich sein als sein Vorgänger Blair – zum einen sei er ein enger Freund diverser amerikanischer Demokraten, und auch habe er bei Besuchen in Camp David nichts von der Blairschen Begeisterung gezeigt. Dass er jedoch auch kein Fan der EU ist, sei allgemein bekannt – doch Brown sei Pragmatiker. Und wolle er die Unterstützung seiner Pläne, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel, Atom-Politik, UN-Reformen und den Iran, so stünde er den Europäern näher als den USA – auch unterstütze er den Beitritt der Türkei in die Europäische Union.
The House of Usher in Toronto
Einen liebevollen Text, fast eine Kurzgeschichte, hat Colin Moore über das Royal Alexandra Theater in Toronto verfasst – aus der Sicht eines Ushers, eines Platzanweisers, deren Rituale er beschreibt und in die Geschichte des berühmten Hauses einbaut. Der ganze Stolz: Die Berühmtheiten, die dort schon auf der Bühne standen. Sie reichen von Fred Astaire über Edith Piaf bis zu Maggie Smith.
Tote Diskutanten
James Anthony Mehrle Jr hat schlechte Nachrichten aus dem Irak. Die Vorgeschichte ist folgende: Am 30. Juli verüffentlichten zwei Mitglieder des US-amerikanischen Think Tanks Brookings Institute unter dem Titel €žA War We Just Might Win€œ einen in den USA viel beachteten Artikel in der New York Times. Dabei berichteten die beiden Autoren von einer achttägigen Reise in den Irak und schlugen einen überraschend positiven Grundton an – die Dinge würde in die richtige Richtung laufen. Es bewege sich endlich etwas und auch wenn ein €žSieg€œ vielleicht nicht mehr im Bereich des Müglichen sei, so sei doch eine Stabilität des Iraks in Sichtweite. So hätten sie sich ungefährdet in Städten bewegt, die noch vor kurzem als unsicher gegolten hätten. Dieser Artikel erfuhr viel Kritik – nicht zuletzt deshalb, da die Reise der Autoren fast ausschließlich innerhalb der Armeestrukturen der US-Army stattfand und Iraker selbst gar nicht zu Wort kamen. Nicht ganz zu Unrecht kam da der Verdacht einer fingierten Propagandashow auf, mindestens aber die Einschätzung, der Artikel sei nicht sonderlich ausgewogen.
Dieser Meinung waren offenbar auch sieben US-amerikanische Soldaten der 82. Airborne Division. Allesamt Männer, die schon seit über einem Jahr im Irak dienten und bald nach Hause geschickt werden sollten. Sie verüffentlichten am 19. August eine Antwort, ebenfalls in der New York Times: €žThe War As We See It€œ (via “New York Times” nur gegen Bezahlung einsehbar – kompletter Artikel hier). Darin widersprechen sie den beiden Analysten des Think Tanks aufs Deutlichste, vor allem was die Aspekte der Sicherheit und Stabilität angeht. Dass US-amerikanische Beobachter unter militärischem Schutz ungefährdet eine Straße entlanggehen künnten, wäre noch lang kein Grund zu glauben, dass die Iraker selbst das Gefühl von Sicherheit hätten. Und noch deutlicher: €žNach vier Jahren der Besetzung haben wir jedes Versprechen gebrochen, während wir die Tyrannei der Baath Partei mit der Tyrannei von Islamisten, Milizen und krimineller Gewalt ersetzt haben.€œ
Nun berichtet Mehrle davon, dass drei der sieben Männer, die diesen außergewühnlichen Schritt gingen, ihren Mut nicht lange überlebt haben. Noch bevor der Artikel verüffentlicht wurde, wurde Staff Sergeant Jeremy A. Murphy von einer Kugel im Kopf getroffen – im Artikel selbst heißt es dazu, dass er lebe und nach Hause gebracht werde, was sich leider als Fehleinschätzung herausstellte. Gestern nun, so Mehrle, wurde bekannt gegeben, dass auch der 28jährige Sergeant Omar Mora und der 26jährige Staff Sergeant Yance T. Gray den gewaltsamen Tod im Irak fanden.
Marie Naumann & Martin Stahlke
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