BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

Nun ist sie also endgültig vorbei. Ferienzeit ade hieß es in dieser Woche nun auch für die bayerischen Schüler. Der Kampf um gute Noten, Anerkennung und womüglich den baldigen Schulabschluss beginnt aufs Neue. Zwar herrscht auf der Readers Edition kein Notendruck und um Schulabschlüsse geht es hüchstens in einigen Artikeln,

ny.jpgNun ist sie also endgültig vorbei. Ferienzeit ade hieß es in dieser Woche nun auch für die bayerischen Schüler. Der Kampf um gute Noten, Anerkennung und womüglich den baldigen Schulabschluss beginnt aufs Neue. Zwar herrscht auf der Readers Edition kein Notendruck und um Schulabschlüsse geht es hüchstens in einigen Artikeln, doch Anerkennung wird auch bei uns groß geschrieben. Denn unsere fleißigen Autoren haben sich in der vergangenen Woche erneut auf ihren Hosenboden gesetzt, um über bewegende Ereignisse, Phänomene oder Situationen auf der ganzen Welt zu berichten. Und das wollen wir an dieser Stelle selbstverständlich ausgiebig würdigen.

Nüte in Afghanistan und Deutschland

Den Auftakt macht in dieser Woche Rolf Ehlers. Schon am vergangenen Freitag schreibt er “Afghanistan den Afghanen! – Ein Kommentar” und wirft dabei einen kritischen Blick auf die “Operation Enduring Freedom” im gebeutelten Afghanistan. Ist eine solche Einmischung in andere Staatsangelegenheiten überhaupt rechtmäßig? Braucht das Land wirklich militärische Unterstützung von außen, um die innere Sicherheit zu garantieren? Ist die Bevülkerung wirklich noch nicht soweit, das Ruder selbst zu übernehmen? Rolf Ehlers ist der Überzeugung, dass es auch anders gehen würde: “Nicht die Regierung Karsai von US-Gnaden, nur eine autochthone Regierung kann den Widerstand der Taliban und der mächtigen Stämme brechen. Was treiben wir nur dort, obwohl wir wissen, dass das amerikanische Konzept der erzwungenen Demokratisierung in Afghanistan ebenso wenig aufgehen kann wie im Irak. Ganz im Gegenteil: jede weitere Präsenz amerikanischer und europäischer Truppen und auch der zivilen Helfer schürt die Wut der verbitterten Islamisten, die drauf und dran sind, Pakistan endgültig zu destabilisieren und von dorther den Terror erst recht in die Welt und bis nach Deutschland zu tragen.” Er fordert ganz klar, dass es den Afghanen überlassen werden sollte ihr Land zu regieren – und zwar nach eigenen Regeln. Hilfe sollte Deutschland daher erst anbieten, wenn sich von selbst eine Regierung gebildet habe und nicht durch die derzeitigen Kriegseinsätze das Leid der Bevülkerung unnütig verlängern. Ein äußerst diskussionswürdiger Beitrag, der große Beachtung verdient hat.

Ein Problem ganz anderer Art scheint dagegen zumindest bei einigen deutschen Politikern angekommen zu sein. Und so werden, wenn auch nur in Nordrhein-Westfalen, die Probleme der älteren Generation zu einem Schwerpunktthema der Landespolitik gemacht, denn davon gibt es bekanntlich immer mehr. Denn jung, dynamisch und schün – das entspricht schon lange nicht mehr der Realität. Der demografische Wandel ist in vollem Gange. Die Alterspyramide hat sich umgekehrt. Schlagworte wie Gerontologie und Geriatrie rücken damit unweigerlich in den Mittelpunkt. Doch wie Dr. Rolf Klüsener in seinem Beitrag “Deutschland Deine Greise 1” feststellt, gehürt der alternde Mensch in Deutschland nicht zu den Objekten, um die sich ein überzogener Denkmalschütz kümmere. Keine Vergünstigungen, keine Wertschätzungen des Alters – ihre vermeintlich dickeren Geldbeutel sind vielmehr stets willkommen, wenn es darum ginge, jene alten Menschen über den Tisch zu ziehen. Die Wirtschaft jedenfalls habe sich zu Genüge darauf eingestellt. Wäre es daher nicht an der Zeit, unseren Umgang mit “unseren Großvätern und Großmüttern” noch einmal zu überdenken? Ein Artikel, über den es sich lohnt, auch einmal etwas ausführlicher nachzudenken.

Von der Praxis der Arbeitsämter und den Konsequenzen für Frau Herman

Bleiben wir also gleich bei einem deutschen Phänomen ganz unterschiedlicher Natur. Gedanken zur Beschäftigungstherapie deutscher Arbeitsloser erreichten die Readers Edition in dieser Woche aus der Schweiz. Thinkabout fragt bereits seit vergangenen Sonntag: “Arbeitsämter als Erfüllungshilfen für Schmarotzer?” Denn €žGeneration Praktikum€œ ist schon lange kein Begriff unter jungen Akademikern mehr. Vielmehr scheint auch die Wirtschaft in Einklang mit den deutschen Agenturen für Arbeit wunderbar davon zu profitieren. Die Idee dahinter scheint lobenswert: Arbeitsuchende werden für eine gewisse Zeit an Betriebe vermittelt, die während einer gewissen Probezeit die Eignung des potenziellen Schützlings prüfen künnen – selbstverständlich geschieht dies jedoch ohne auch nur einen Cent dafür zu bezahlen. Am Ende soll dann jedoch eine Festanstellung winken – so der Wunschtraum, der viele Jobsuchende ohne zu Murren dergleichen tun lässt. Doch der Haken liegt dabei – wie so oft -im Detail. Vertrüstungen sind an der Tagesordnung. Die Klienten werden ausgepowert, ausgenutzt und hinterher ohne Ergebnis wieder in ihren Alltag entlassen. Auf der anderen Seite schneidet sich das Amt mit dieser Integrierungsmaßnahme dann auch noch selbst ins Fleisch. Welcher Arbeitgeber will denn schon für eine Fachkraft bezahlen, wenn er diese auch umsonst haben kann? Ein kaum zu durchbrechender Kreislauf entsteht. Kein Wunder also, dass Thinkabout zum medialen Widerstand aufruft. Seiner Meinung nach sollte sich die Bloggerszene dieses Themas annehmen, es wach halten und so versuchen, Druck auf die derzeitige Politik auszuüben.

Druck von allen Seiten muss in diesen Tagen auch Ex-NDR-Moderatorin Eva Herman standhalten. Die kühle Blonde mit den, zugegebenermaßen etwas antiquierten Ansichten, hat sich bei der Vorstellung ihres neuesten Werkes “Das Prinzip Arche Noah” eine wirklichen verbalen Faux pax geleistet und die Familienpolitik des NS-Regimes gepriesen. Was folgte war der Rausschmiss beim NDR. Programmdirektor Volker Herres hatte die publizistische Notbremse gezogen. Die daraus resultierenden medialen Konsequenzen waren abzusehen. So fragte nicht nur die Bild am Sonntag “Eva braun?” auch die NPD ergriff sofort das Wort und pries die polarisierende Autorin als ihre neue Heldin an. Ob zu Recht oder nicht. Heinz-Peter Tjaden hat das Geschehen brandaktuell bereits am Sonntag für uns zusammengefasst und auch die Readers Edition nahm die Geschehnisse zum Anlass, um den “Lobgesang” des Ringes Nationaler Frauen noch einmal aufzugreifen. Diskutieren Sie mit!

Neue Videobotschaft von Osama und die Ereignisse des 11. Septembers

Kaum ein Ereignis fand in diesen Tagen mehr Aufmerksamkeit als die Anschläge vom 11. September. Sechs Jahre ist das nun her und pünktlich zum Jahrestag hat sich auch Osama Bin Laden via Videobotschaft zurückgemeldet. Doch hat er das wirklich? Holger Finns Titel “Bin Laden-Video: Kampfesgrüße aus dem Kühlschrank?” weist in eine ganz andere Richtung und vor allem zu den Entdeckungen des Blogger Booman, der einige Unregelmäßigkeiten in der aktuellen Schreckensbotschaft aufstüberte. Gleich mehrere Male scheint nämlich das Bild des “Hüllenfürsten” wie eingefroren. Und zwar immer dann, wenn Bin Laden über aktuelle Geschehnisse spreche. Zufall oder Absicht? Die sofort geschossene Echtheitsmeldung von Experten jedenfalls zweifelt er an. Er halte das Band für eine ältere Aufnahme, die mit einer nachträglich gesprochenen Tonspur einfach unterlegt worden ist. Das Video ist auch auf der Readers Edition zu sehen, um auch den Lesern die Müglichkeit zu geben, sich selbst ein genaues Bild zu machen. Misstrauen also angebracht?

Ein solches hat zumindest der Journalist und Autor Mathias Brückers, wenn es um die schrecklichen Ereignisse vor sechs Jahren und die damit verbundene Täterschaft von Osama Bin Laden geht. Ronda Hauben bereichtet in ihrer Rezension “Die Wahrheit hinter den Ereignissen von 9/11” über dessen Thesen, die die amerikanischen Medien und die Regierung in einem vollkommen anderen Licht dastehen lassen. “Verschwürungen, Verschwürungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.” so der Titel seines Buches und dieser ist Programm, denn der Autor hat Zweifel über Zweifel an den offiziellen Erklärungen als auch an der dahingehend gesteuerten Berichterstattung. So fragt er berechtigt, warum es angeblich keine Warnungen an US-amerikanische Amtsträger gab, aber schon kurz danach der Schuldige für alle feststand. Und warum wurden keine stichhaltigen Beweise für Bin Ladens Mittäterschaft in Sachen Planung und Ausführung geliefert? Wieso sind die Identitäten der beteiligten Terroristen so zweifelhaft – bzw. warum hielten sich die Anstrengungen diesbezüglich derart in Grenzen? Auch dubios erscheint ihm die Tatsache, dass die Air Force nicht mal einen Versuch unternommen hat, das Himmelfahrtskommando zu stoppen. In den Augen von Ronda Hauben ein durchaus lesenswertes Buch, dass eines der wichtigsten Ereignisse unserer Zeit ausführlich beleuchtet und anregende Fragen aufwirft. Ihr Resümee am Ende ihres Beitrags: “Das Buch hilft die Wichtigkeit des Herausfindens und Betrachtens verschiedener Erklärungen herauszustellen, um zu definieren was eine Verschwürungstheorie überhaupt ist und welche Hinweise es gibt, um zu enträtseln, wer für die Ereignisse vom 11. September verantwortlich ist.”

Furchtbare Vorkommnisse in Israel

In seinem Kommentar “Hass, Feindseligkeit und Entfremdung” greift Autor Yehonathan Tommer die aktuellen Ausschreitungen junger Neo-Nazis in Israel auf. Dabei verurteilt er nicht nur die Taten selbst, sondern stellt klar, dass es sich hier vielmehr um ein sozioükonomisches Problem mit weit ziehenden Kreisen handelt. Die Angriffe der Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren aus der ehemaligen Sowjetunion auf Gastarbeiter, Drogenabhängige, Obdachlose, Homosexuelle und Ultraorthodoxe ergeben für ihn keinen Sinn. Doch welche Hintergründe verbergen sich hinter solchen Phänomen? Tommer fragt nach den Nüten, die diese wohl in ihrer Familie oder andernorts erfahren haben mussten, um solch einen Hass zu hegen. Was war ihnen zu Hause oder etwa im Militärdienst widerfahren? Fragen, die die israelische Justiz gar nicht erst stellt und auf die Pädagogen leider auch keine Antworten haben. Die Politik macht es sich hier seiner Meinung nach zu leicht. Eine Novellierung des Rückkehrgesetzes kann keine Lüsung sein. Vielmehr sei nicht nur Trauer und Mitleid für die Opfer angesagt, sondern auch Hilfe zur Selbsthilfe das Gebot der Stunde.

Mit diesem Beitrag und seinen durchaus beachtenswerten Gedankengängen verabschieden wir uns nun in das kommende Wochenende. Bleiben Sie auch weiterhin schreibwütig, kritisch und gehen Sie mit offenen Augen durch die Welt. Alles Gute und bis zum nächsten Freitag.

Ihre Redaktion Readers Edition

Photo Quelle/Copyright: BrianBoyd, cc creative commons, Attribution 2.0 Generic, via flickr

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