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Politik + Vermischtes

Ein heißer Tanz mit Sadr, der 11.9. aus anderer Sicht und zwei Kinotipps - Bürgerjournalismus weltweit

Freitag, den 14. September 2007 um 19:51 Uhr von Redaktion Readers Edition
Die USA sitzen in der Falle und suchen den besten Weg heraus. Illustration: 3arabawy

Von inoffiziellen Gesprächen der USA mit Muqtada as-Sadr hinter den Kulissen berichtet James Anthony Mehrle Jr. auf Agoravox. Dieser gilt als einer der größten Feinde der US-amerikanischen Besatzung und Armee in der innerirakischen schiitischen Opposition. Er nennt sich selbst einen Geistlichen, wichtiger noch aber dürfte die hinter ihm stehende Miliz sein – auch wenn völlig unklar ist wie groß sie ist, so hat sie doch gehörigen Einfluss auf den irakischen Bürgerkrieg.

2004 erklärten die USA ihn zu einem Verbrecher und verlangten seine Festnahme – was zu zwei Aufständen in Bagdad und Nadschaf führte, die über 1000 Menschen das Leben kosteten. Nun gibt es offenbar den Versuch einer Anbahnung einer “Ehe aus Zweckmäßigkeit”, wie sich Mehrle ausdrückt. “Man kann ebenso wenig die gesamte Sadr Miliz töten oder festnehmen, wie man nicht alle Aufständischen im Irak töten oder festnehmen kann” ließ Genereal Petraeus kürzlich verlauten - und der Oberbefehlshaber im Irak ist nicht gerade dafür bekannt, einen diplomatischen Kurs einschlagen zu wollen.

Ganz offenbar sucht das Weiße Haus händeringend nach einem Durchbruch, einer Chance und einem Verbündeten jenseits der Regierung des Iraks im tobenden Bürgerkrieg, auch um auf Druck der US-amerikanischen Bevölkerung ein Ende des eigenen militärischen Engagements herbeiführen zu können, so glaubt Mehrle. Sadr wäre dabei aufgrund seiner faktischen Macht im Land ein geeigneter Kandidat – er kontrolliert Bagdad (das ehemalige Viertel Saddam City ist inzwischen in Sadr City umbenannt worden – damit ist zwar der Vater Sadrs gemeint, aber es zeigt seinen Rückhalt, vor allem in der armen Bevölkerung) und das meiste des zentralen Irak. Das Tragische dabei ist allerdings, dass sich Sadr nur in wenigem von Saddam Hussein unterscheidet und damit der Grundstein gelegt wäre, zu einer erneut von den USA gestützten Diktatur. Doch, so Mehrle, einen entscheidenden Unterschied gäbe es: Der Anti-Amerikanismus Sadrs ist deutlich stärker ausgeprägt als der Saddams in dessen Anfangstagen.

Da wir gestern schon in unser Bürgerjournalismus-Rundschau die Inthronisierung Wiktor Subkows zum russischen Ministerpräsidenten beleuchtet haben, heute nur ein kurzer Hinweis auf einen interessanten Artikel (auf Englisch) auf Agoravox von Clive Matthews über die Geschichte und Hintergründe des Mannes, den keiner so richtig kennt.

Global Voices

Der 11. September aus anderer Sicht

Über den 11. September ist viel geschrieben worden – jedes Jahr wieder erinnern wir uns an die Anschläge, hören Berichte von Betroffenen; seit 2001 ist der Terrorismus in der westlichen Welt allgegenwärtig. Und nur selten wird der “anderen Seite” gedacht, denen, die die Auswirkungen des Anschlags durch den Militärischen Gegenzug gegen die “Achse des Bösen” spürten. Joshua Foust hat diese Aufgabe übernommen und sich auf den afghanischen Blogs umgesehen. Da ist zum Beispiel Nasim Fekrat dankbar für den Anschlag – weil er letztlich dazu geführt habe, dass sein Land von den Taliban befreit wurde. Für Fahim Khairy steht der Angriff auf das World Trade Center im Kontext eines ganzen Jahres des Terrors – angefangen bei der Zerstörung der Buddha-Statuen aus dem sechsten Jahrhundert im Bamiyan-Tal. Darüber, dass die Taliban keineswegs verschwunden seien, berichtet Conor Foley – doch, so berichteten ihm Freunde aus Afghanistan, auch andere Parteien, wie zum Beispiel die Hezbi Islami unter der Führung von Gulbuddin Hekmatyar seien zu fürchten.

Passiert je etwas Gutes in Afrika?

Diese Frage wurde dem sudanesischen Blogger Kizzie in den USA gestellt – und er betont: “Afrika ist nicht nur Drafur, Ruanda, Diktatoren, Unterentwicklung und Aids.” Und doch sind diese Themen in vielen afrikanischen Blogs zu finden, die SudaneseDrima zusammengetragen hat – zu Darfur beispielsweise bloggt Black Kusch und postet folgenden Cartoon.

“Die Regierung Sudans will Frieden nach Darfur bringen.” - “Den kennen wir schon!” Screenshot GlobalVoices.org

Indonesiens Ex-Präsident verhaftet

Nach sechs Jahren Verhandlungen wurde der frühere philippinische Präsident Joseph Estrada wegen Plünderung verurteilt; im Jahr 2001 war zu Tage getreten, dass er Geld aus illegalen Quellen Bezog, berichtet Mong Palatino. Auch öffentliche Gelder habe er veruntreut. Eine kurze Biographie des Staatsoberhaupts, der früher einmal Schauspieler gewesen war, postet Star Neverfade (offenbar ein echter Fan!); auf Estradas eigener Website dagegen kann man die Argumente seiner Verteidiger nachlesen, allerdings auf Englisch.

OhmyNews

Eine Portrait der südafrikanische Stadt Johannesburg lesen wir von Nicolas van der Leek, der nicht gerade Freudentänze aufgeführt habe, als er dort einen Job bekam. Doch anders als er es auf Kurzbesuchen und auf der Durchreise erlebt habe, sei Johannesburg eine Stadt, die es durchaus mit Kapstadt aufnehmen könne, wenigstens zum Teil. Gerade für Fitness-Freaks sei die Stadt zum Beispiel wunderbar, es gäbe Wälder, Parks und Teiche – aber eben auch elektrische Zäune rund um jede wohlhabende Siedlung.

“This is England” & “Eastern Promises”

Zwei Filmrezensionen finden sich heute auf OhmyNews, eine von Howard Schumann, der über den Film “This is England” schreibt, in dem der 12-jährige Shaun als Außenseiter gehänselt wird, bis er in eine Gang von Tunichtguts aufgenommen wird – die sich bald teilt in eine neo-faschistische und eine unpolitische. Shaun schließt sich den Rassisten an – nicht ahnend, was er tut. Schumanns Begeisterung für den Film ist ansteckend; zu recht hat der Film wohl den Preis für den besten Independent Film in England gewonnen.
Hier eine Vorschau (leider auf Englisch):


Die andere Rezension stammt von Brian Orndorf, OhmyNews’ fleißigem doch nicht immer leicht verständlichen Filmkritiker. Er schreibt über “Eastern Promises”, einen Thriller, den er als russische Variante des “Paten” bezeichnet: Eine junge Frau (Naomi Watts) findet ein russisches Tagebuch und bringt es ihrem Onkel zum Übersetzen, nicht ahnend, welche Gefahr sich hinter dem Schriftstück birgt… Orndorfs Schluss: Nicht der bissigste Krimi, den es so gibt, sondern einer, der nur mit viel Konzentration zu verstehen sei. Trotzdem gibt er ihm die Note A. Aber wie gesagt, Orndorf ist nicht immer leicht zu verstehen.

Martin Stahlke & Marie Naumann

Photo Quelle/ Copyright: 3arabawy, cc creative commons
Namensnennung - NichtKommerziell - Weitergabe unter gleichen Bedingungen (via flickr)

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