Blogkrieg in China, israelischer Angriff und Facebook verliert seinen Reiz -Bürgerjournalismus weltweit

- In der chinesischen Blogosphäre blüht der Ärger… Screenshot Global Voices.org
Offenheit, Interaktivität und Anonymität – was hierzulande zumeist als Vorteil gefeiert wird, hat der chinesische Internetverband als die drei problematischsten Charakteristika des Internets bezeichnet. John Kennedy schreibt auf Global Voices über die Reaktionen der Blogosphäre der Volksrepublik auf einen Aufruf der Internetprovider an ihre Nutzer, doch ihr Blogger-Aktivitäten selbst zu zensieren.
Jeder Provider müsse, so der Aufruf, bestimmte Software nutzen und Vorschriften folgen, dazu müsse es immer die Möglichkeit für „die Öffentlichkeit“ geben, sich über bestimmte Blogs zu beschweren. Blogger sollten mit ihren eigenen Texten streng sein, aber auch vor „Hinweisen“ auf die anderer nicht zurückschrecken und die öffentliche Sichtung von Blogs ermöglichen. Außerdem sei darauf zu achten, dass die Seiten keine Pornographie zeigten oder in anderer Weise anrüchigen Inhalt. Dass es weiter hieße, dass man die Rechte anderer respektieren und schützen solle, klingt fast wie Hohn.
3.500 Server gesperrt
Kurze Zeit später sei es – als wäre die Aufforderung zur freiwilligen Blogkontrolle ein Warnschuss gewesen, zur Sperrung von mehr als 500 Servern in Luoyang gekommen – in Shantou wurden gar 3.000 heruntergefahren. Derweil verbreitet das Propaganda-Ministerium aus Peking Botschaften wie „Uns geht es besser ohne Internet“. Wo? Natürlich im Internet – wenn jemand der Blogosphäre Krieg erklären wolle, so der Autor, sähe es wohl so aus.
Blogger „King of Chinese Blogger“ auf das jüngste Geschehen jedenfalls hat den Kampf aufgenommen: „You ain’t gonna make us, you bitches!”
König Mohammad und der Ramadan
Der Ramadan ist für viele Muslime ein guter Grund um über Wohlstand und Armut zu sprechen, schreibt Jilian York aus Marokko. In dem nordafrikanischen Land lebt der 7.-reichste Monarch der Welt, König Mohammed der VI, eine Tatsache, die die Blogger des Landes dazu bringt über die Diskrepanz zwischen ihrem König und seinen Untertanen nachzudenken. Ist er wirklich der „König der Armen“ als der er oft bezeichnet wird? Kaum, denkt The Morocco Report – allein seine Autoreparaturkosten beliefen sich auf knapp eine Millionen Dollar. Monatlich.
Kuwait während der Festtage
Einen Überblick über Blogs in Kuwait, deren Betreiber trotz der Fastenzeit hochaktiv sind, gibt uns Abdullatif AlOmar. Es gibt: Einen Überblick über die Museen von Kuwait, einen Beitrag zum Leben und Überleben von kleinen Geschäften und Heimarbeit, über eine Kampagne zum Strom- und Wassersparen und einen Blog darüber, was in Kuwait einen Superstar ausmache. Wir sind doch alle gleich! möchte man da rufen….
Israelischer Angriff auf syrisches Nuklearlager?
Licht in das rätselhafte Dunkel um den vor zehn Tagen vermutlich stattgefundenen Angriff israelischer F-15 Kampfflugzeuge auf eine Stellung im Norden-Osten Syriens versucht Yehonathan Tommer zu bringen. Die israelische Regierung jedenfalls hält still darüber, ob und wenn ja warum überhaupt dieser Angriff stattgefunden hat – ganz im Gegensatz zu den israelischen Medien. Diese stützen sich bei ihrer Berichterstattung hauptsächlich auf ausländische Medien. Das Bild, das sich langsam aus den verschiedenen Berichten ergibt, so Tommer, ist folgendes: In der Nacht auf den 5 September wurden 3 bis 8 der Düsenflugzeuge angewiesen, einen Angriff auf eine agrarwirtschaftliche Forschungsstation auszuführen, da diese vom israelischen Geheimdienst, gestützt durch Luftaufnahmen, als ein Lager oder gar eine Weiterverarbeitungsanlage für nukleare Gerätschaften identifiziert worden sei. Drei Tage zuvor, so die Washington Post, sei ein Schiff aus Nordkorea in Syrien angekommen, an Bord die als Malz ausgegebenen Geräte, die dazu dienen sollten, Uran angereichertes Material aus Phosphor herzustellen. Laut der Londoner Sunday Times sollen auch mehrere Bunker mit radioaktivem Material, das Syrien im Wert von 50 Millionen englischen Pfund von Nordkorea kaufte, zerstört worden sein. Zuvor sollen iranische und chinesische Ingenieure dabei geholfen haben, ein Tunnelsystem zu schaffen, um die Gerätschaften zu lagern. Angeblich soll der Chef des Mossads, General Dagan bereits im Juni Ministerpräsident Olmert davor gewarnt haben, Syrien habe bald mit nordkoreanischer Hilfe drei nuklear bestückte Scudraketen. Syrien bezeichnet all dies als Lügen und Märchen und streitet eine Zusammenarbeit mit Nordkorea strikt ab.
Tommer zitiert mehrere Experten, die besagen, dass der israelische Schlag, wenn die Berichte so stimmen, seine Berechtigung hatte. Das Syrien sich schon lange danach sehnt, mit dem Erzfeind Israel auch in Sachen nuklearer Bewaffnung auf einer Stufe zu stehen ist kein Geheimnis. Allerdings, so zitiert Tommer Guy Bechor vom“Interdisciplinary Center for Policy and Strategy“ in Hertzlija, Israel, es stünde nicht zu befürchten, dass Syrien mit ähnlicher Wucht zurückschlüge. Das Land sei isoliert und keine arabische Regierung sei zur Hilfe geeilt nach dem Bekanntwerden des Anschlags. Und zudem wisse die syrische Regierung auch, dass sie auf militärischem gebiet kaum mit Israel mithalten könne. Israel hingegen dürfte, so Bechor weiter, auch kein Interesse an einer Ausweitung des Konflikts haben, da es sich emsig auf die Wiederaufnahme mit den Verhandlungen mit Palästina in Washington im November vorbereite.
Facebook noch Social Networking?
Mark Evans aus Toronto stellt sich die Frage, welchen Nutzen im Sinne des Social Networkings eine Seite wie Facebook, die extrem erfolgreiche US-amerikanische Mischung aus StudiVZ und MySpace, wirklich hat. Viel zeit hat er dort bereits verbracht, schreibt er und aus ökonomischer Sicht findet er die Site immer noch höchst interessant – doch als Social Media Tool habe das ganze seinen Reiz verloren. Das hat in erster Linie mit dem Verhalten der Menschen dort zu tun – die Zahl der Freunde ist längst wichtiger geworden als der mit diesen Freunden ausgetauschte Inhalt und die durch das „Freund-sein“ gewonnenen Informationen. Viele derer, die von ihm als Freund geaddet werden wollen, hat er nie zuvor gesehen oder je eine Zeile mit ihnen gewechselt. Und selbst wenn er durch das Netzwerk zum Beispiel alte Freunde, Schulkameraden oder Arbeitskollegen wieder trifft, erschöpft sich das tatsächliche netzwerken in der Regel auf das Austauschen von Email Adressen und das Aufsuchen von Gruppen innerhalb der Site, die wenig Sinn ergeben. Grundsätzlich stellt sich die Frage, so Evans, was den Leuten die hohe Anzahl an Freunden bringt – ist es eine reine Ego-Sache, frei nach dem Motto - je mehr „Freunde“ desto mehr Ansehen? Nach wie vor wäre Facebook durchaus eine schöne Sache für viele Leute, doch er würde es begrüßen, wenn diese mal einen Schritt zurück träten und sich die Frage, warum sie dort sind und was sie dort tatsächlich tun, stellen würden.
Baggy Pants verboten.
Dass es in den USA aus deren Gründungszeit noch das eine oder andere merkwürdige Gesetz, besonders in lokalen oder kommunalen Gesetzesbüchern gibt, ist ja bekannt. Nun gibt es, nach Meinung des Blogger Rob Port, ein neues dieser Art, und dies gleich in mehreren Städten: Das Verbot der Baggy Pants, also jener Jeans, deren Bund recht weit unten sitzt und entweder den freien Blick auf die darunter getragenen Boxershorts, oder im ungünstigeren Fall auf den baren Hintern freigibt. In einer kleinen Stadt in Louisiana bedeutet das tragen einer solchen Hose nun eine sechsmonatige Haft und eine Geldstrafe von 500 US-Dollar. In einer anderen Kommune ist nicht nur eine Geldstrafe fällig, hinzu kommt noch eine psychologische Beratung und Untersuchung. All das ist selbst dem ansonsten als ultrakonservativ bekannten Port zuviel: Die Mode sähe zwar ziemlich dumm aus, aber hier mit dem Gesetz zu hantieren, ginge sogar für ihn deutlich zu weit.
Marie Naumann & Martin Stahlke










