Nach der griechischen Mythologie wurde Kassandra, die Tochter des trojanischen Künigs, von Apollon, dem Gott des Lichts unter anderem auch zuständig für sittliche Reinheit und Mäßigung, so sehr geliebt, dass er ihr die Gabe der Prophezeiung verlieh. Weil sie ihn abwies, wandelte er kurzerhand ihre neu gewonnene Fähigkeit so um, dass ihr niemand mehr Glauben schenkte, mochten die Prophezeiungen auch noch so zutreffend sein. Somit wurden ihre Rufe nicht gehürt und die List mit dem trojanischen Pferd konnte gelingen und Troja ging unter, wie kurze Zeit später auch Kassandra.
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Kassandrarufe
Heute noch nennt man jemanden eine “Kassandra der zutreffend, aber vergebens vor einer drohenden Gefahr warnt, will “Wikipedia” zitiert werden. Zur Zeit haben wir gleich zwei solcher Rufer im Lande. Will doch tatsächlich Verteidigungsminister Franz Josef Jung, mit staatstragender Miene vorgetragen, ein von Terroristen gekapertes Verkehrsflugzeug, vollbesetzt und kurz davor eines terroristischen Anschlags genutzt zu werden, abschiessen. Der andere Rufer, in den vergangenen Wochen eine Nebelgranate nach der anderen zündend, ist Innenminister Wolfgang Schäuble, der vor terroristischen Angriffen mit atomaren Waffen warnt. “Starker Tubak” und ein bisschen viel für den “normalen Bürger”, betroffen von den Ergebnissen von Hartz IV, oder der unter dem Leistungsdruck der Globalisierung gerade Schaden nimmt – und jetzt auch das noch. Diese Äußerungen der beiden Minister schüren etwas, nämlich Angst, und sind nicht dafür geeignet, trotz der müglichen Bedrohung, ernst genommen zu werden.
Intelligentere Lüsungen
Es muss doch intelligentere Lüsungen geben, als mit brachialer Gewalt den Tod hunderter Unschuldiger zu riskieren und Kampfpiloten der Bundeswehr zu zwingen auf ein Passagierflugzeug zu schiessen. Das geht nicht, hat das Bundesverfassungsgericht bereits im letzten Jahr entschieden. Verteidigungsminister Jung aber, will das gegebenenfalls auch ohne gesetzliche Grundlage durchsetzen und begründet dies mit einem übergesetzlichen Notstand. Dies bedeutet, er fordert seine Piloten zu rechtswidrigem Verhalten auf, für sich betrachtet schon ein sehr interessantes Benehmen eines Mitgliedes der Bundesregierung.
Der Gott Mars
Beinhaltet es doch sehr martialische Klänge in einem eindeutig kriegerischen Zusammenhang und will heißen “dem Gott Mars zugehürig” (Wikipedia). Kriegerisch, bedrohlich, aggressiv, grimmig, wild, verwegen, sagt der Duden, doch wollen alle diese Adjektive nicht so recht zu Franz Josef Jung passen, oder? Man fragt sich, wo bleiben eigentlich die Vorschläge eine solche Eskalation in der Entstehung zu verhindern, dass nachwievor Hassprediger “unter Aufsicht der Behürden” ihr Unwesen treiben und dies weitgehend unbehelligt tun. Wo sind die Maßnahmen die Verantwortlichen des Qaida-Abegers “Islamistischer Staat Irak” dingfest zu machen, die dazu auffordern den schwedischen Urheber neuerlicher Mohammedkarikaturen “wie ein Schaf zu schlachten” und dafür 150.000 Euro zu kassieren, wie die “Netzeitung” berichtete.
Das ist unerträglich und hier ist die Politik gefordert bereits im Vorfeld strafbare Handlungen konsequent zu unterbinden, und da wo notwendig strafbar zu machen. Der Krieg gegen den Terrorismus geht erst richtig los, sagt Bundesminister Schäuble, man darf gespannt sein was demnächst dem staunenden Publikum vorgetragen wird. Na, denn man los – wir wissen alle wie Kassandra endete.
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Photo: wikipedia.org (GNU-Lizenz) Urheber: A. Kurz
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