Aufruhr in Soweto, Youtube gesperrt und ein ängstlicher Kanadier - Bürgerjournalismus weltweit
- Gegen Schilder wie diese wurde lange gekämpft… Photo: Wikipedia
Ein wirklich phantastisches Projekt stellt Elles van Gelder aus Südafrika auf der noch relativ neuen Bürgerjournalismusseite Voices of Afrika vor. Die Seite, um das es geht, ist eine historisch-interaktive: Der Künstler und Stadtgeograph Ismail Farouk (hier im Interview) hat sich mit den Aufständen in Soweto im Jahr 1976 befasst. Er zeichnet die Wege jener Schüler und Studenten nach, die sich gegen die Schulsprache Afrikaans auflehnten und damit einen Meilenstein im Kampf gegen die Apartheid schufen. Farouks Projekt www.sowetouprisings.com ist ein google-maps-mash-up; klickt man auf eine der Markierungen, erscheinen Photos des entsprechenden Ortes und Informationen über die Ereignisse; doch vor allem kann jeder, der möchte, mit eigenen Photos beitragen. Sogar die Blogosphäre wird abgesucht nach Posts, in denen der jeweilige Punkt auf der Karte erwähnt wird. Eine Fundquelle für all jene, die sich nicht nur für die Geschichte, sondern auch für das Bild des heutigen Townships interessieren. Farouk selbst möchte mit diesem Projekt auch andere Stimmen zu Wort kommen lassen, als die meist männlichen vom ANC. Er wurde für die Seite mit dem New Media Award ausgezeichnet.
Blogs von Zambia
Ebenfalls um Afrika, genauer Zambia, geht es in dem Artikel von Cho auf Global Voices. In dem schwarzafrikanischen Land habe man noch vor einem Jahr ein gut geführtes Blog wie eine Stecknadel im Heuhaufen suchen müssen – inzwischen aber wachse nicht nur die Anzahl, sondern auch die Qualität der Blogs. Dazu gehöre zum Beispiel das Blog Issues Over Matters des Journalisten Gershom Ndlovu, aus dem Cho einen Absatz zum desolaten Zustand des Gesundheitswesens zitiert. I P A Manning führt gleich mehrere Blogs, darunter Elephant Times, Zambia Conservation und Zambia Forests – alle drehen sich um Umweltschutz. Eines der ältesten Blogs ist Maravi – und zugleich vermutlich der am meisten besuchte.
Türkei sperrt Youtube
In seinem „Free Speech Round Up“ zählt Sami Ben Gharbia unter anderem die Sperrungen von großen Portalen und Servern in der Türkei: Gerade gestern sei schon wieder der Youtube Server gesperrt worden, nachdem sich Bürger beschwert hatten, dass sie ein Video gefunden hätten, das Atatürk beleidige. Ebenfalls für Aufregung habe ein ultranationalistisches Video gesorgt, das die Ermordung des armenischen Journalisten Hrant Dink forderte – es schaffte es bis in alle Zeitungen – und bis vor Gericht. Auch wordpress bleibt offenbar für türkische Nutzer noch immer gesperrt. Verstöße gegen die Meinungsfreiheit und gegen das freie Internet gab es außerdem in Russland, wo ein Blogger wegen einer fiktionalen Gewalttat für drei Jahre ins Gefängnis muss (RE berichtete), Pakistan, wo Blogspot gesperrt wurde und in Indien, wo jetzt Internet-Cafés kontrolliert würden.
Jahrestage der Unruhen in Ungarn
Es ist ein Jahr her, dass Aufzeichnungen auftauchten, auf denen Ungarns Premierminister zugab, Tag und Nacht gelogen zu haben um an die Macht zu kommen. Es war kurz darauf zu heftigen Unruhen in dem Land gekommen und auch jetzt fürchte Ungarns Polizei Ärger und rüste auf, so John Horvath. Denn noch sei die Furcht vor Krawallen nicht gebannt, der 23. Oktober, Jahrestag nicht nur der Revolution vor 51 Jahren, sondern auch der blutigen Zusammenschlagung der Aufstände im letzten Jahr, stünde noch bevor.
Indiana Jones und die Insel Jeju
Weiterhin finden sich auf OhmyNews ein Artikel über die Insel Jeju, die nicht nur in dem Buch „1001 Naturwunder, die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist“ genannt wird, sondern jetzt auch als Weltnaturerbe aufgenommen wurde, und ein Bericht des Filmrezensenten Brian Orndorf zu den verschiedenen Indiana Jones-Filmen. Insbesondere natürlich zu „Kingdom of the Crystal Skull“, über den es so viele Gerüchte gegeben hat… und der jetzt endlich im nächsten Mai in die Kinos kommt.
Auf der englischen Seite schreibt James Anthony Mehrle über den neuen Plan zur Gesundheitspolitik der USA, den er nicht nur für sehr realistisch hält, sondern gar für weise – er sei nicht utopisch an das europäische Modell angelehnt, sondern ganz klar: Business. Auf die homepage www.hillaryclinton.com hinzuweisen ist eigentlich nicht nötig: Herr Mehrle ist glühender Clinton-Fan…
„Fahr zur Hölle, Brüssel!“
schreit Werner Patels, ein Übersetzer aus Kanada, Europa entgegen. Grund für seine Wut: die Androhung von Sanktionen gegen sein Land, sollte es sich weiterhin weigern, EU-Bürger aus bestimmten Ländern (gemeint sind Bulgarien, die Tschechische Republik, Litauen, Lettland, Ungarn, Polen, Rumänien und die Slowakei) auch ohne Visum einreisen zu lassen. Kanada gehöre schließlich nicht zu dem „korruptesten und undemokratischsten Club der Welt, der EU“, sondern sei ein „Souveräner Staat“ und dürfe Einreisebestimmungen gestalten, wie es wolle. Da hat jemand Angst. Wovor? Vor der organisierten Kriminalität, „die aus diesen Ländern bereits ins westliche Europa geschwappt ist“. Gut, dass Kanada nur einen Nachbar hat: Die USA.
Photo via Wikipedia. Public Domain.










