Local Heroes (Vol.10): Mono & Nikitaman

Frühlich und zugleich nachdenklich, energiegeladen und ebenso feinsinnig: Diese zwei Herrschaften zu beschreiben, fällt nicht gerade leicht. Viel zu viel steckt nicht nur in ihren Texten, sondern ebenso in ihren mitreißenden Bühnenshows. Die gebürtige Österreicherin Mono und ihr Bühnenkollege Nikitaman, ein aus Düsseldorf stammender Holländer, verzaubern schlicht ihre Fans. Sie

monk.jpgFrühlich und zugleich nachdenklich, energiegeladen und ebenso feinsinnig: Diese zwei Herrschaften zu beschreiben, fällt nicht gerade leicht. Viel zu viel steckt nicht nur in ihren Texten, sondern ebenso in ihren mitreißenden Bühnenshows. Die gebürtige Österreicherin Mono und ihr Bühnenkollege Nikitaman, ein aus Düsseldorf stammender Holländer, verzaubern schlicht ihre Fans. Sie schillern ohne dabei aufdringlich zu wirken. Sie überzeugen sowohl durch kernige als auch flappsige Aussagen und schaffen es so ihrem Publikum nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben.

Atemberaubende Mischung

Aus der deutschsprachigen Dancehall-Reggae-Szene sind sie deshalb für intensive Beobachter seit Jahren nicht mehr wegzudenken. Und das nicht ohne Grund. Seit ihrem endgültigen Zusammenschluss 2004 überzeugen die 32-jährige Linzerin Monika Jaksch und der 33-jährige Nick Tilstra, die beide außer ihren Plattentellern eigentlich keine Instrumente spielen, durch konsequent hohe Bühnenpräsenz und vor allem durch ihre beiden Longplayer “Das Spiel beginnt” (2004) und “Für immer” (2006).

Die Mischung scheint atemberaubend, denn nicht erst cdstarts.de hat folgerichtig erkannt: “Mono & Nikitaman stehen (…) für eine kluge Fusion aus männlicher Stärke und weiblichem Feingefühl, die sicherlich auch bei Nicht-Reggae-Fans Anklang finden künnte.”

Unterschiedliche Wege zum gemeinsamen Ziel…

Die Eine entdeckt bereits mit 16 ihre Liebe zu Hip Hop-Platten. Beginnt nach einer Ausbildung in Sachen Mode ein Kunststudium. Ein Auslandssemester 1998 im englischen Bristol gibt letztlich den Ausschlag. Dort, wo viele Jamaikaner zuhause sind, hat auch sie ihre Inspiration gefunden und heuert nach ihrer Rückkehr prompt beim Soundsgood International Soundsystem an. Ihr Spiel beginnt also noch bevor ihr der sympathische Nick im italienischen Solento über den Weg läuft. Dieser kommt nämlich genau aus der entgegengesetzten Ecke. Groß wird der blonde Hühne seit seinem siebten Lebensjahr in der Düsseldorfer Hausbesetzerszene. Räumungen und Verhaftungen erfährt er also schon in jungen Jahren immer wieder am eigenen Leib. Das politische Engagement der Eltern, ebenso wie die Einflüsse von Punkrock und sozialistisch orientierten Jugendgruppen scheinen sich auch in den durchaus kritischen Texten des Duos wiederzuspiegeln.

Bereits im März 2004 sagt Mono deshalb in einem Interview mit bloom.de: “Wir haben auch sehr junge Zuhürer und ich finde, wir haben eine Verantwortung denen gegenüber. Ich finde es cool, wenn wir politisch meinungsbildend sein künnen, auch mit einem guten Lied oder einer guten Aussage.” Doch selbstverständlich soll auch der Spaß bei diesen beiden Herrschaften nicht zu kurz kommen – denn darum geht es doch eigentlich, wie Mono gegenüber rootz.net gesteht: “Ganz wichtig ist, daß wir gegen jede Ausgrenzung sind, gegen Unterdrückung jeder Art, daß wir aber auch wollen, daß die Leute Spass haben und feiern und optimistisch sind.” Und Nikitaman fügt entschlossen dazu: “Ich müchte mit meiner Musik den Leuten sagen, daß es müglich ist, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Und daß man eine revolutionäre Sichtweise der Dinge behalten kann, ohne daß diese in Frustration gleitet, denn es kann auch Spaß machen. Es muss nicht unter nem Stapel von Flugblättern und Büchern und ner Theorie vergraben werden! Es muss nicht so bleiben und das weiß jeder von uns!”

“Künn wir denn wirklich so tun als hätten wir nichts gesehn?”

Und gerade diesen Optimismus vermitteln sie durch bewusst provokante Texte wie diesen: “Stell dir vor es ist Krieg/Und keiner geht hin/Das Schlachtfeld bleibt leer/Und alle gewinnen/Das Leben ist schün…” Bei solch sinnschwangeren Texten wie diesen rast die Crowd und trägt ihre Botschaft in die Welt hinaus. Denn eines ist für Mono & Nikitaman vüllig klar: “Künn wir denn wirklich so tun als hätten wir nichts gesehn?/Künn wir denn wirklich so tun als wäre hier nicht geschehen?/Künn wir denn wirklich so tun als wär das immer so gewesen?” (Dieser Song findet sich übrigens auch in unserem Chiemsee Reggae Summer Best of.)

Spätestens seit ihrem letzten Auftritt auf selbigem Chiemsee Reggae Summer ist für beide eines klar: Wenn sie dort in die Menge schauen würden und diesen Zusammenhalt und diese Begeisterung sähen, dann glauben sie auch weiterhin fest daran, dass eine bessere Welt müglich sei. Für alle Pessimisten unter den Zuhürern hat das Duo allerdings noch einen einzigartigen, vielleicht auch etwas rustikal formulierten, aber deswegen nicht weniger gut gemeinten Tipp parat: “Fresse Halten – Selber Machen!

Da kann nicht nur der Kenner hoffen, hoffentlich bleiben sie “Für immer”:

[youtube oNYjZWIZFHU]

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