Notes of a dirrrrrrty black man! Ein Hoch dem System!

Die Strafe für jeden Denkenden, in einer der Uniform huldigenden Welt, ist Vereinsamung, im besten Falle Verwirrung – im schlechtesten Falle ein Schlag in die Fresse. Gut, am Lindenauer Markt sollte sich niemand ins Gemenge stürzen, wenn aus dem Chemoparadies wankende 15-Jährige Massaker spielen. Ich persünlich respektiere ihre Kreise, die

vollyu.JPGDie Strafe für jeden Denkenden, in einer der Uniform huldigenden Welt, ist Vereinsamung, im besten Falle Verwirrung – im schlechtesten Falle ein Schlag in die Fresse. Gut, am Lindenauer Markt sollte sich niemand ins Gemenge stürzen, wenn aus dem Chemoparadies wankende 15-Jährige Massaker spielen. Ich persünlich respektiere ihre Kreise, die sie drehen – kurz vorm Umfallen – und stelle mich ihnen auch nicht in den Weg. Schmerzfrei grülend sollen sie sich doch gegenseitig ihre Schmetterlingsmesser in die Seiten rammen.

Diskussion – fehl am Platze, jedes Wort eine Perle vor die Sau, da landet nichts auf der Festplatte im mit Adrenalin eingekochten Kürper. Hilflos hin und her geschubst gibt’s einfach Schubser zurück – und da das Hirn nicht reicht, nen Schuldigen auszumachen und zu bekämpfen, geht die Breitseite einfach Querbeet.

Dann ducke ich mich eben.

Nun sagen einige und vüllig zu Recht – der Tanner wieder, muss er denn dauernd von den brennenden Autos in der Hähnelstrasse (letzten Samstag, 23.00 Uhr – es war hell und warm und Menschen klatschten Applaus) erzählen, buntmetallschälenden Kiddies und in Playboyfrottee gekleideten Bettkäfern, die ihr sekundäres Geschlechtsorgan rot bemalt auf halbe Hühe bringen?

Ist ja nicht immer so, nur wenn’s gestern im Helheim – und davor in der Stütteritzer Markthalle – und davor im Mühlholz – etwas länger ging. Naja und da war halt’n Wässerchen und’n Met und’n Rum und’n was weiß ich.

Ich sehe Euch ja schon vor den Computern sitzen, lächelnd, erschauernd, der Tanner so richtig schün Horrorshow, Geschichten aus dem Märchenland darkest Leipzig. Nüscht ist Compadres, Ihr seid mitten drinne.

Es sollte nämlich nicht vernachlässigt werden, dass Dialoge, wie der Folgende, nicht mit Menschen aus prekärem Umfeld geführt werden und husch husch in diese Tasten flattern:

VT: Was machst’e denn heute, Kleine?
RH: Oh, (sie lächelt und schubbert etwas an meinem Bein) ich gehe nachher noch auf ‘ne echt coole HGB-Party.

VT: Wow, ist denn da Vernissage oder irgendwas anderes los? Oder warum gehst’e da hin?
RH: Na, bei den HGB-Partys sind doch immer so schüne Menschen!

Alles klar, das schicke ich demnächst mal Neo Rauch, seine Bilder verkaufen sich so gut, weil er ein schüner Mensch ist. Er wird hüchstwahrscheinlich erbrechen. Geht’s noch, Mädel? Da geben sich Menschen Mühe (einige!!!), versuchen künstlerisch ihr Umfeld zu reflektieren und Du bist nur mit Deinem Hübschsein beschäftigt. Fuck! Oder Barfrauen, die zwischen meinem Auflegen traditioneller Gitarrenmusik, aus den Archiven gekratzter Hochkultur und Geheimtipps aus dem Underground kommen und sagen: “Also, Deine Musik ist irgendwie doof, kannst’e nicht mal’n bissel Independentmugge auflegen? Und ‘n bissel Black Music?”

Hallo, ich habe gerade Rancid gespielt und Hot Water Music und das UncleSallysGirlie will Indyschrott. Die meinte natürlich eine der Bands, die alle viertel Jahre hoch gepuscht werden, zum Plattenvertrag gleich noch den Sponsoringvertrag mit ner Klamottenfirma bekommen und alle gleich klingen. Das ist nicht Independent, blüde Kuh, das ist Kapitalismus – und dann gleich Black Music, Popowackelbalzanbahnungsufftauffta? Wie soll das denn funktionieren?

Gott hat die Dummheit eben doch sehr gleichmäßig verteilt.

Es gibt ja Zeitgenossen, die die Theorie vertreten, dass Gott seinen Sohn für seine EIGENE Sünde büßen ließ, für die Sünde, diesen verblüdeten Planeten geschaffen zu haben.

Also, Schluss mit Heruntergrinsen ins Prekariat, der Doofe sitzt in Deinem eigenen Sessel und hinterfragt sich nicht!

In unserer kleinen Internetwelt habe ich vor kurzem eine witzige Diskussion gelesen: Die grüßte Masse ist die Masse der Individualisten! Das war gut! Volltreffer!

Nun war ich letzten Freitag bei einer sympathischen jungen Dame vom Leipziger Tafel e.V. und wir versuchten etwas mit der dortigen Kundschaft anzufangen, was im weitesten Sinne in anderen Kreisen Motivation genannt wird. Freitag Abend musste ich dann vor osteuropäischen Musikmanagern in Dresden ein Referat halten und dann gab’s noch nen schnuckeligen Stehempfang mit dem derzeitigen Bürgermeister Dresdens – den Namen hab ich mir nicht gemerkt – die bleiben ja immer nicht lange! Das war wie die Reise des kleinen Prinzen auf die unterschiedlichsten Planeten. Und als ich einen der Großkopferten Kunst- und Kulturschranzen die Geschichten von der Tafel erzählte, schnippte er etwas mit seinem Sektglas und sagte zu mir: “Herr Tanner, lassen sie das doch, wir wollen doch heute feiern!”

Na, dann feiert mal schün weiter die ewig stumpfe Party. Es ist ja noch nicht zu spät, etwas weiter herunter geht’s immer noch!

In diesem Sinne warte ich jetzt mal auf die von Schäuble versprochene Atombombe! Ein Hoch dem System!

Euer Volly Tanner

Buchtipps der Woche:

- Arkadi und Boris Strugatzki: Das Experiment
- Ray Bradbury: Die goldenen Äpfel der Sonne

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