Präsident Hugo Chavez spaltet in Venezuela sein Volk. Wer nicht mit ihm ist, ist gegen ihn. Eine 24-jährige gebürtige Würzburgerin, die bereits seit 20 Jahren in Venezuela lebt, berichtet vom Weg in die Diktatur…
Nun steht sie am Flughafen von Caracas, setzt ihr freundlichstes Grinsen auf und wartet auf ihre nächste Reisegruppe aus Deutschland. Sie liebt ihre neue Heimat, liebt es, als Reiseleiterin den Touristen ihr schünes Land zu zeigen. Längst fühlt sie sich viel mehr venezolanisch als deutsch. Um so mehr schürt die junge Frau Wut darüber, dass sie mit ansehen muss, wie um sie herum langsam eine Diktatur aufgebaut wird.
€žSie wollen einfach alles ändern!€œ
sagt sie und macht dazu eine verzweifelte Handbewegung, als wüsste sie nicht, wo sie anfangen soll zu erzählen. Im Zentrum ihrer Kritik steht der venezolanische Staatspräsident Hugo Chávez der mit seiner Partei den €žSozialismus des 21. Jahrhunderts€œ aufbauen will. Die Oppositionsparteien haben sich zurückgezogen. Chávez kann seitdem in dem Entwicklungsland schalten und walten wie er will: €žJetzt will er die Uhren eine halbe Stunde zurückstellen – Nur weil er es kann.€œ Wäre die Situation nicht so ernst, man müsste sicher grinsen. In der Tat gehen die Uhren in Venezuela aber schon lange anders. Die Zeitungen lesen sich wie historische Quellen in deutschen Schulbüchern. Wie einst Adolf Hitler in Deutschland, versuchte Chavez 1992 gegen die Regierung zu putschen, wie Hitler kam er dafür ins Gefängnis und wie einst die NSDAP machte sich Chavez die extreme Armut der Bevülkerung zu nutze, um später legal an die Macht zu gelangen.
Von Hitler nie gehürt
Die Venezolaner glaubten an ihren neuen Führer: €žDie meisten merken nicht was passiert!€œ, schimpft die 24-Jährige. Sie hatte Glück. Durch ihre europäischen Eltern bekam sie eine weit umfassendere Bildung als der Durchschnittsvenezolaner. Ender zum Beispiel, der 21-jährige Chauffeur der Reisegruppe, schaltet sich wenig interessiert in die Diskussion ein: Von einem Mann namens Hitler habe er noch nie gehürt. Auch DDR und der Sowjetunion, nach deren Vorbild ja nun auch Venezuela umgestaltet werden soll, sagen ihm nichts. Sie kann das kaum verwundern. Die Menschen in Venezuela seien so arm, dass sie dankbar jede Hilfe der Regierung annähmen. Im Gegenzug müssten sie ihre Kinder auf sozialistische Schulen schicken.
In roten T-Shirts und schicken Chávez-Mützen bekämen sie dort das erste Mal ihre Gehirnwäsche, erläutert sie. Und an den Universitäten würde bereits damit begonnen unliebsame Professoren durch getreue Anhänger der Regierung auszutauschen.
Stimmen verüffentlicht
Auch Jugendliche die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind, sollten aufpassen, welche Partei sie oder ihre Eltern wählen: Die Regierung hat die Fingerabdrücke aller Einwohner in einem zentralen Computersystem gespeichert. €žUnd bei der letzten Wahl musste man sich per Fingerabdruck identifizieren€œ, die junge Frau schüttelt nur noch den Kopf. Tage später sei eine Liste aller Leute erschienen, die nicht für Chávez gestimmt hatten. Wer auf dieser Liste steht, habe wenig Chancen auf einen Arbeitsplatz.
Besonders vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen denkt sie wieder häufiger an ihre alte Heimat Würzburg. Gerade hat Chávez nämlich bekannt gegeben, nütigenfalls auch auf Lebenszeit Präsident zu bleiben und schreibt schon an einer neuen Verfassung, die ihm das erlaubt. €žIn so einem Staat sollen meine Kinder nicht aufwachsen€œ, sagt sie. Aus Angst will sie mit ihrer Familie demnächst zurück nach Deutschland flüchten. Doch auch da hat die Regierung Chávez bereits vorgesorgt. Denn ob und wann Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren das Land verlassen dürfen, entscheiden in Venezuela nicht die Eltern, sondern der Staat.
Seit sie mit dem Gedanken spielt, nach Deutschland auszuwandern, war sie wieder in Würzburg zu Besuch bei Verwandten. €žIch war geschockt, wie wenig man dort über unsere Situation wei߀œ, erinnert sich die 24-Jährige. Dabei ist man hier nicht unschuldig an der Misere. Laut dem Bundeswirtschaftsministerium kauft Deutschland 1,2 Prozent seines Öls nämlich in Venezuela. Viel Geld, das direkt in die Hände von Hugo Chávez fließt. Was er genau damit macht, weiß niemand. Seit vier Jahren hat die Regierung keinen Haushalt mehr vorgelegt. €žFest steht aber, das nur die Leute etwas von den Ölmilliarden abbekommen, die sich auf die Seite von Chávez stellen.€œ In dem armen Land künne es sich im wahrsten Sinne des Wortes eben kaum jemand leisten, gegen Chávez zu sein. €žIch weiß nicht, wie das hier alles enden soll…€œ, sagt die Exildeutsche resigniert.
Chávez kennt die Antwort und er macht kein Geheimnis daraus. Auf einem von Millionen von Propaganda-Plakaten prangt neben seinem Konterfei sein Wahlspruch: €žEine sozialistische Heimat oder der Tod – Wir werden siegen!€œ
unglaublich. ein text aus der vorhülle, und die welt schaut zu